Wein goes Tatort

Als bekennender TATORT-Fan (also ladet mich nie am Sonntagabend ein – ich komme da in echte Gewissenskonflikte 🙂 ) und Weiß-Wein-Genießerin, habe ich dem Krimi im Weinberg „Bittere Trauben“ natürlich entgegen gefiebert.

Aber dann – altes Journalistenleiden – stöbere ich im Internet, um mehr über „meinen“ Abend zu erfahren und vielleicht auch gleich den richtigen Wein kalt zu legen und stolpere über einen Verriss nach dem anderen… die Kollegen bescheinigen dem Saarland-Tatort zwar einen gelungenen Anfang, doch ein dröges Ende!

Was soll ich machen? Fremdgehen? Ins Bett? Ein Buch? Oder durchhalten?!

Das fällt nach den in meinen Augen langweiligen Folgen aus Hamburg und vor allem Leipzig (da schaue ich definitiv nicht mehr rein!) immer schwerer.

Aber ich habe ich ihn mir angeschaut und wurde angenehm überrascht!
Die jungen Kommissare Maximilian Brückner & Gregor Weber ermittelten in wunderschönen Weinbergen und Höfen an Mosel und Saar. Die Winzer und die Weingeschichte waren realitätsnah und was mit immer wichtig ist – es war nicht nur spannend, sondern hatte auch eine gewissen lebendige Leichtigkeit, die den TATORT für mich von anderen Krimis unterscheidet.

Und ich hätte ihn fast nicht geschaut … und vielleicht einen weniger kurzweiligen Abend verbracht.

Und das in den letzten Tagen nicht zum ersten Mal, denn auch bei der Kunstbanausen Lesung „Bunker“ beim TATORT AMMERSEE hat sich das schlechte Urteil aus Presse und vor allem auch Internet nicht bewahrheitet.

Andrea Maria Schenkel hat super Klasse gelesen und die Zuhörer in den Bann gezogen. Ihre Entschuldigung, dass sie beim Lesen nicht aufschaut, weil sie sonst den Kontakt zur Geschichte aufgibt, konnte man sehr gut nachvollziehen.

Es ist diese Art, Situationen oder Gefühlszustände wie mit dem Seziermesser zu zerlegen und sie dann bis in die kleinsten Facetten auszuleuchten, mit der Schenkel Gänsehaut erzeugt. Beeindruckend, wie sie den Leser dazu bringt, mit den Augen der Protagonistin dem langsamen Sterben einer Stubenfliege beizuwohnen und ebenso beachtlich, wie sie ihm den emotionalen Spagat zumutet, abwechselnd in die Rolle des Opfers und die des Täters zu schlüpfen.
SARA MEISSNER
Quelle: Süddeutsche Zeitung
Nr.96, Montag, den 27. April 2009 , Seite 5

Es war spannend und interessant – und genau das ist es ja, was man von einer Lesung erwarten können sollte.

Was ich daraus lerne – leider nicht viel – ich werde auch zukünftig Kritiken lesen und beachten – aber ich habe mal wieder gesehen, dass alles mehr als zwei Seiten hat und man sich wirklich immer seine eigene Meinung bilden sollte!

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