„Nichts ist so alt wie die Zeitung von Gestern…“

Ein Satz, der mich nicht nur im beruflichen Umfeld immer wieder eingeholt hat. Auch bei Freunden und in der Familie gilt die klare Überlegenheit und Begeisterung für das Aktuelle. Twitter und Co gaukeln uns gar ein „zeitgleich“ von Geschehen und Nachricht vor. Jetzt passiert, jetzt gewusst und weiter getragen – gern mit einer kurzen ersten Reaktion. Da bleibt keine Zeit zu hinterfragen, abzuwägen, zu vergleichen. Schnelligkeit ist das Mass der Dinge, nicht Inhalt oder Reflexion.

Wenn wir eine Nachrichtensendung oder Talkrunde aus den 80er, 90er Jahren sehen, schmunzeln wir über Optik und Gestik der damals ganz sicher coolsten, telegensten und hippesten Menschen des Landes. Aber wenn wir mal genauer hinhören, statt nur zu schauen, kommen wir (also ich) ins Grübeln. Das war damals schon Thema? Der stumme Frühling, die Politikverdrossenheit, die Rente, die Steuer, der Rückzug des Sozialstaates? Ist es ja heute auch noch…

Und es sind nicht die vielen Jahre, die dazwischen liegen, die die Themen wieder hervorholen. Schlagt mal eine Zeitung auf, die ein paar Monate oder ein, zwei Jahre alt ist. Natürlich erkennt ihr die Protagonisten, da sie sich selten schnell überleben, aber vor allem kennt ihr die Probleme, die thematisiert werden, um die es sich immer und immer wieder dreht. 

Also ist im Umkehrschluss nichts so aktuell wie die Zeitung und die Nachrichten von Gestern. Doch wir lernen nicht daraus. 

Weder aus der Geschichte, die sich in weiten Schlaufen und Teilen wiederholt, noch aus den Nachrichten die uns eigentlich genau davor warnen. Das sich gerade wiederholt, was sich niemals wiederholen darf!

Zeit heilt keine Wunden, löst keine Probleme – sie drängt sie nur in den Hintergrund. Weil das hier und jetzt in den Focus rückt und die Zeit fehlt, sich den Problemen wirklich anzunehmen. Da sind sie nämlich *schwupp* – weg und wir sehen sie nicht mehr. Ist wie mit Wegschauen. Es ändert nichts.

Das, also das Ändern und Lösen der Probleme, müss(t)en die Menschen schon selbst übernehmen. Wir dürfen nicht darauf warten, das andere Anfangen – wir müssen den ersten Schritt gehen, bewusst und mit Rücksicht auf das Umfeld handeln, anderen ein Vorbild sein. Nicht schweigend daneben stehen und hoffen, dass der Focus sich verändert und die Zeitung von Gestern die darin thematisierten Probleme mit ins Altpapier nimmt. Den Gefallen tut sie uns nicht. 

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