Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen – Markus Bogner

In „Ritter aus Leidenschaft“ geht Heath Ledger der Frage nach, ob ein Mann seine Sterne neu ordnen kann. Markus Bogner zeigt wie man/frau das im echten Leben bewerkstelligt und warum es unbedingt Sinn macht, dies zu tun.

Er ist nach eigener Einschätzung „Bauer aus Leidenschaft“ und nicht aus Tradition.

Zehn Hektar haben Markus und Maria Bogner gepachtet, am Nordufer des Tegernsees. Dort erwirtschaften sie ihren Lebensunterhalt für die fünfköpfige Familie. Da schütteln viele konventionelle Bauern den Kopf – es scheint unmöglich, mit so wenig Land wirtschaftlich zu arbeiten. Aber das Ehepaar Bogner hat sich gegen mehr Land und für mehr Vielfalt entschieden.

„Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“ unbekannte Quelle

Gartenarbeit

Vielleicht erkennt man da einfach auch, warum das Buch mit „Selbst denken“ beginnt, also mit der Analyse dessen, was unsere Realität derzeit ausmacht und wie/ob man die hinterfragen sollte.

Die Kapitel

  • Was ist ein gutes Leben – oder: wie wir zum Boarhof kamen
  • Wachse oder weiche – wie Landwirtschaft heute „funktioniert“
  • Der Boarhof – spezialisiert auf Vielfalt
  • Weltbevölkerung – Wachstum – Würde: Wie passt das zusammen?
  • Der Globalacker – oder: mit 2.000 Quadratmeter die Welt ernähren
  • Die Sache mit dem Fleischkonsum
  • Wir haben bereist mehr als genug – für alle!
  • Der Weltagrabericht – eine Blaupause für eine andere Landwirtschaft
  • Der Kassnbon als Wahlschein des 21. Jahrhunderts
  • Genug statt immer mehr, anders statt immer gleich
  • Unser gemeisamer Weg zum Wandel

alte Kartoffelsorte

Landwirtschaft

Es sind die Bauern, die für unsere Ernährung verantwortlich sind. Ausschließlich. Auch wenn Politiker, Argrarlobbisten, Saatguthersteller und Pharmakonzerne uns gerne klar machen wollen, dass sie es seien, die unerlässlich sind. Was unerlässlich ist, ist der vernünftige Umgang mit den Ressourcen der Erde. Darum dreht sich das Buch.

Markus Bogner erklärt die Zusammenhänge lokaler, regionaler und globaler Landwirtschaft. Und zeigt, dass es eben mal wieder nicht um „richtig oder falsch“ sondern um „besser oder besser nicht“ geht. Dazu kommen ganz praktische Tipps zum Selbermachen.

Gießkannen

Landwirte müssen von dem, was sie produzieren, leben können. Viele setzen auf immer mehr, immer größer, immer spezialisierter. Inzwischen wird klar, dass das nicht der Weg sein kann. Zahlreiche Faktoren können nämlich gar nicht in Heller und Pfennig berechnet werden – Biodiversität, Umweltbelastung, Klima. Doch sie sind unerlässlich für künftige Ernten, künftige Generationen.

Der Wert des Produktes zählt, nicht der Preis. Das muss allen klar werden.

Kamille

Mein Lieblingszitat (eines von vielen)

„Bis vor wenigen Jahren war das hofeigene Saatgut, das wertvollste Kapital der Bauen.“ Markus Bogner

Da kommen mir Höri-Bülle, Maiwirsing oder Filder Spitzkraut in den Sinn. Alte Gemüsesorten, die es nur gibt, weil die Menschen ihr Saatgut bewahren. Gegen Wiederstände aus der Wirtschaft und Agrarlobby. Initiativen zur Erhaltung alter Sorten wie Arche Noah, ProSpecieRara oder auch VERN, VEN, Dreschflegel, Reinsaat oder Freie Saaten agieren derzeit in einer gewissen rechtlichen Grauzone, wenn sie Saatgut abgeben, dass nicht beim Bundessortenamt zugelassen ist.

Höri-BülleAber die Vielfalt des Saatgutes ist viel zu wichtig, um sie den Unternehmen zu überlassen. Die Natur hat unterschiedlichste Methoden ersonnen, um Inzucht zu vermeiden – die Menschen, die mit Saatgut Geld verdienen wollen, umgehen diese Schranken, um die Landwirte von ihren Hypridsamen abhängig zu machen.  Ein lukratives Geschäft auf Kosten der Biodiversität.

Mein Fazit – Fünf Sterne

Selbstversorger klingt (leider) immer ein wenig nach Spinner, mehr nach Selbstverwirklichung als nach echter Auseinandersetzung mit dem Leben. Aber im Fall der Familie Bogner ist es genau das – die Auseinandersetzung mit der Welt in der wir leben, der Landwirtschaft und der bewußte Umgang mit diesen. Markus Bogner zeigt mit seiner Frau Maria, das es auch anders geht. 

Markus Bogneroekom Verlag, Gesellschaft für ökologische Kommunikation mbH, 2016 

Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen – Markus Bogner

Satz und Layout: Tobias Wantzen, Bremen
Lektorat: Uta Ruge; Christiph Hirsch, oekom verlag
Druck: Bisch-Druck GmbH
Umschlaggestaltung: Büro Jorge Schmidt, München

ISBN 978-3-86581-811-9

WERBUNG

Ich danke dem oekom Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Nach dem Telemediengesetz § 2 Nr. 5 TMG sind alle Links auf Verlage und Autoren inzwischen als Werbung zu kennzeichnen. Ich erhalte kein Geld für meine Rezensionen, ich beurteile die Bücher nach meinen eigenen Kriterien, auf die niemand Einfluß nimmt.

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