Viele kleine Wege sind das Ziel

Höher, größer, weiter – das sind die Zielvorgaben nach der unsere Welt sich dreht. Derzeit und leider schon ein Weilchen.

Die schiere Zahl von 10 Milliarden Menschen, die 2050 auf unserem Planeten leben sollen erschreckt dennoch. Also wenigstens diejenigen die wahrnehmen, dass es den Klimawandel, einen Verlust der Artenvielfalt und Probleme im friedlichen Miteinander der Menschen gibt.

Man muss kein Mathematiker, Astrophysiker oder Hellseher sein, um zu merken, dass auf einer begrenzten Fläche irgendwann Schluss mit Wachstum ist. Und das ein mehr an Konsum kein mehr an Lebensqualität erzeugt, haben wir doch inzwischen alle schon zur Genüge ausprobiert 😉

Warum wir allerdings nicht wahrhaben wollen, dass jetzt und auch in Zukunft alles vorhanden ist, was wir brauchen – wenn wir richtig damit umgehen – kann ich nicht nachvollziehen. 

Wasser

Wir waren schon mal weiter

Das Schöne am Zurückblicken ist auch das Erschreckende. Denn plötzlich hat man freien Blick auf die Dinge, erkennt Zusammenhänge und sieht, an welchem Punkt sich eine Sache gedreht hat und in die falsche Richtung gelaufen ist. 

Vielleicht kommt auch daher die menschliche Sehnsucht nach Gott oder Göttern: als denkende Wesen, die den richtigen Abstand haben, um uns hier unten Unterstützung zu geben und die Richtung zu weisen. 

Genau dieser Blick zurück kann zeigen, wann die industrielle Landwirtschaft nicht mehr die Unterstützung und Arbeitserleichterung der Bauern im Focus hatte, sondern ein Spielball für Investoren wurde und die Bodenhaftung verlor.

Landwirtschaft
Landwirtschaft heute – große Flächen, industrielle bearbeitet.

Zum Beispiel in der Zeit des Wirtschaftswunders, als die ersten Argarsubventionen eingeführt wurden. Denn teure Lebensmittel schwächten den Geldbeutel und damit den Konsum. Damals gaben die Deutschen noch rund die Hälfte ihres Einkommens für Lebensmittel aus. 

Heute geben wir unter 15 Prozent unseres Einkommens für Lebensmittel aus. Da haben wir natürlich mehr für andere Dinge. Und das geht nicht zu mir oder euch oder den Landwirten, die unsere Lebensgrundlage schaffen – Konzerne, Manager, Banker, Handel – alle wollen mit verdienen. Beim Erzeuger kommt nicht viel an. 

Die größten Umsätze erzielen in Deutschland Autos, Maschinenbau und Chemie. Die Lebensmittelbranche (wo Landwirtschaft nur ein Teil ist) kommt auf Platz 4. 

Die kleinen und großen Bauern sind von den Subventionen inzwischen abhängig, sie stellen einen großen Teil ihres Einkommens. Und es sind vor allem die großen Betriebe, die Geld aus dem Gemeinschaftstopf erhalten. Die Bestrebungen Subventionen an die Art der Bewirtschaftung und Nachhaltigkeit zu koppeln, werden immer wieder verhindert. Deutschland- und europaweit. Noch. Und gerade auch von unseren VertreterInnen in Berlin/Brüssel. Wer mehr darüber lesen möchte – bitte!

Kleiner Denken und Handeln

Dabei ist es ganz einfach: geht vor Ort einkaufen, nehmt Busse, Bahnen, das Rad oder geht zu Fuß. Seht diese Zeit nicht als verschwendet an, sondern als Freizeit – als Zugewinn zu eurem Wohlbefinden. Spart euch das Fitnesscenter. Wenn ich Menschen auf diesen Laufbändern oder Fahrrädern sehe, die sich die Welt per Video und Kopfhörer anschauen, bin ich fassungslos. Die Welt ist da draußen – warum laufen, radeln sie nicht einfach dort?

Markteinkauf
Markteinkauf

Eine der schönsten Dinge ist für viele der Espresso/Prosecco im Urlaub – in Ruhe am Rande eines Wochemarktes oder im Hafen sitzen und Menschen beobachten. Genau das kann (fast) jeder auch bei sich daheim haben. Und sich vom saisonalen Angebote der Stände inspirieren lassen – denn dort seht ihr wirklich, was gerade aus den eigenen Landen kommt und kommt auch mit den Erzeugern in direkten Kontakt.

Mutmacher

In vielen Länder (ich gehe davon aus, dass es eigentlich in allen so ist!) gibt es Menschen, die Dinge aktiv verbessern. 

Essbare Städte, Togoodtogo, Solidarische Landwirtschaft, Reparatur Cafes, Green IT, Selbstversorger – dies sind nur einige Begriffe, die zeigen wie viel Potential Menschen besitzen, Dinge anders und vielleicht auch besser zu machen.

Jörg Ullman – ist Biologe und der Kopf hinter Europas größter Anlage für Mikroalgen. In einem geschlossenem System aus Rohren, so dass die Qualität kontrolliert wird. Der Vorteil: Auf einem Hektar (überall – in der Wüste, auf dem Meer, in der Altmark) entsteht pro Jahr mindestens 25.000 Tonnen Biomasse aus Algen. Ein Landwirt kann auf einem Acker (der fruchtbar und in der Nähe sein muss) im Jahr bis zu 8 Tonnen Nahrung anbauen.

Jörg Ullmann
Jörg Ullman

Andrea Funcke – ist Selbstversorgerin. Sie hat Schafe, Esel, Hühner, Gänse, Enten, Hunde, Katzen und Bienen. Der Mist wird für den Garten kompostiert. Sie erhält Wolle, Felle, Honig, Fleisch, Eier, Gemüse, Kräuter, Blumen, Heu und produziert Wurst, Käse, Joghurt, Tees, filzt und spinnt. Was sie nicht selbst benötigt, wird verkauft oder getauscht. Also soweit erlaubt – das wird leider immer weniger.

Andrea Funcke
Andrea Funcke

Eckart Brandt – und sein Boomgarden – also „Baumgarten“. Er hat auf verschiedenen Grundstücken im Alten Land alte Apfel-Hochstämme stehen. Der Pomologe und Autor kämpft mit dem Schutz der alten Sorten für genetische Vielfalt und gegen den Verlust von Wissen um alte Rezepte und Besonderheiten.

Eckhart Brandt
Eckhart Brandt

Jeder Einzelne entscheidet

Keiner von uns kann sich aus der Verantwortung ziehen – das hat den Vorteil, dass jeder von uns etwas ändern kann. Durch seine eigene Lebensweise. Den Spruch „aber die anderen“ lass ich nicht gelten.

„Aber ich“ ist viel stärker. Ich werfe keinen Müll in die Gegend, ich lege keinen Steinvorgarten an, ich koche und achte beim Einkauf darauf, was ich kaufe… diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen 😉

Ich baue an – auf der Fensterbank und dem Balkon. Pflanzt in Töpfen und Beeten eigenes Gemüse an. Beginnt mit Kräutern – die sind lecker, brauchen wenig Platz und bringen schnellen Erfolg. Und ich warne natürlich ausdrücklich nicht vor der Suchtgefahr dieser Tätigkeit – man will immer mehr davon 😉 Weil es gut schmeckt, weil es einfach Spaß macht zu pflanzen und zu ernten. 

Zucchini vorziehen
Zucchini vorziehen

Ich habe Hühner – da braucht es natürlich schon einen Garten. Hühner sind Kleintiere und daher ist die Haltung erlaubt. Man muss sie anmelden und impfen – und ihr solltet mit den Nachbarn sprechen. Vorher. Fast noch wichtige als die Eier (und das Fleisch) ist das Kennenlernen. Wer einmal Hühner beobachtet hat, kann NIE WIEDER Eier oder gar Tiere aus Käfighaltung kaufen/verzehren. 

Schwedische Blumenhühner Naturbrut

Ich teile mein Saatgut – klingt schwierig, ist es aber nicht immer. In vielen Saattüten ist mehr drin, als ihr säen könnt – warum tauscht oder verschenkt ihr das nicht? Dafür gibt es regionale Tauschbörsen. Einen Schritt weiter geht, wer selbst Saatgut zieht. Es ist spannend zu beobachten, wie sich die Pflanzen weiter entwickeln und was nachher dabei raus kommt.

Samen von Herbstrübchen
Samen von Herbstrübchen

Ich lasse es einfach – na, das kann doch nun wirklich jeder 😉 Also lasst einfach in eurem Garten, in eurem Umfeld, in eurem Leben ein wenig mehr Chaos einziehen. Dadurch entstehen Vielfalt und neue Lebensräume.

Einfach-Lassen-Ecke
Einfach-Lassen-Ecke

Wenn ich die Teenager und Twens sehe, sehe ich junge Menschen, die in Wohlstand und Sicherheit aufgewachsen sind und eine genaue Vorstellung von Werten haben. Eigentum ist nicht mehr alles, der Wunsch nach Gemeinsamkeit wächst. Wohngemeinschaften, in denen nicht jeder ein Zimmer hat sondern alle alle Räume nutzen, Autos die von dem gefahren werden, der gerade eines braucht, gemeinschaftlich wird gepflanzt, gepflegt, geerntet. Und noch besser – gemeinsam gekocht und verzehrt.

Es gibt nicht den einen Weg, die eine Lösung – diese Welt hat schon immer mit Vielfalt und Ideenreichtum gepunktet. Wir sollten daraus lernen und mit Kreativität viele kleine Wege finden, um endlich auch Teil des Ganzen zu werden und diesen Planeten zu bereichern.

„Nichts ist so alt wie die Zeitung von Gestern…“

Ein Satz, der mich nicht nur im beruflichen Umfeld immer wieder eingeholt hat. Auch bei Freunden und in der Familie gilt die klare Überlegenheit und Begeisterung für das Aktuelle. Twitter und Co gaukeln uns gar ein „zeitgleich“ von Geschehen und Nachricht vor. Jetzt passiert, jetzt gewusst und weiter getragen – gern mit einer kurzen ersten Reaktion. Da bleibt keine Zeit zu hinterfragen, abzuwägen, zu vergleichen. Schnelligkeit ist das Mass der Dinge, nicht Inhalt oder Reflexion.

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Verloren

Wir haben verloren, wir naiven Gut-Menschen.
Ein Stück unseres Glaubens.
Ein Stück unseres Gutseins.

Denn wir (sehr viele von uns und vor allem hier in Deutschland) haben geglaubt, das Obama es ernst meint.

Wir haben verstanden, dass viele Dinge nicht von jetzt auf gleich und auch nicht von heute auf morgen umzusetzen sind. Und haben ihn verteidigt.

Aber jetzt – da er sich dem Druck der andern beugt – und er Guantanamo nicht länger aktiv bekämpft – ist es/er vorbei.

Der Glaube, dass es Gerechtigkeit gibt – das Menschen nach den Regeln unserer internationalen Absprachen behandelt werden und damit ein Minimum an Grundrechten gewahrt wird – ist dahin.

Schade.

Es wäre eine gute Gelegenheit für die Vereinigten Staaten gewesen, andere von ihrer Klasse und Ernsthaftigkeit zu überzeugen. Verschenkt.

Rote Karte für deutsche Johannisbeeren

Als bewußter Käufer suche ich natürlich nach regionalen Produkten, die Saison haben.

So zum Beispiel gerade nach allerlei Beeren für Marmeladen, Gelees und Chutneys.
Oder auch den diesjährigen Rumtopf…

Sehen ja auch super aus, wenn die Früchte einen aus ihren Schälchen leuchtendrot anlachen… da mag man gleich probieren und überlegt schon, wie man diese Pracht für die kältere Jahreszeit bewahren kann.
Aber zu früh gefreut!

Greenpeace hat bei den größten Supermarktketten Himbeeren und Johannisbeeren gekauft und untersuchen lassen – das Ergebnis sind zwei Anzeigen und eine aktuelle Warnung vor heimischen Johannisbeeren:

Laboranalysen von Beeren-Proben aus vier großen deutschen Handelsketten belegen Cocktails von bis zu neun verschiedenen Pestiziden. Deren Wirkung kann als gesundheitsgefährdend eingestuft werden.
Den Verkauf von Johannisbeeren mit Rückständen nicht zugelassener Spritzmittel bei Edeka und Tengelmann hat Greenpeace bei den zuständigen Lebensmittelüberwachungsämtern angezeigt.

Quelle: www.greenpeace.de

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Zeitlos

Soviel Zeit nimmt man sich leider viel zu selten!
Soviel Zeit nimmt man sich leider viel zu selten!

Es gibt verschiedene Ansätze „Zeit“ zu bestimmen – schon Platon hat sich mit Gedanken über die Zeit selbige vertrieben.

Bei ihm ist Zeit nur ein Ausdruck, ein Abbild der Ewigkeit, des ewigen Seins.

Dabei scheint Zeit auch eine physikalische Größe zu sein.
Unsere menschlich bemessene Zeit richtet sich grob nach der Sonne und wird in Zeitzonen organisiert.
Wir sprechen von Lebenszeit, von Arbeits- und Freizeit.

Doch was sich zunächst als Erleichterung im alltäglichen Miteinander anließ, ist nun zu einem wahren Fluch geworden.
Immer und überall erreichbar zu sein.
Denn so ein Tag hat irgendwie doch nicht mehr Zeit als früher…seltsam, dabei sind wir doch so fortschrittlich.

In den späten 80er und 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts kämpften Gewerkschaften und Arbeitnehmer Seite an Seite für eine Reduzierung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden und später ja sogar auf 37,5….

Für mehr „Freizeit“ – Zeit die dem Einzelnen und den Familien zugute kommen sollte.

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Kein netter Zug der Bahn

Die Bahn ist das ökologisch und ökonomisch vernünftigste Verkehrsmittel.

Jedenfalls wenn kein Fluss in der Nähe ist und man längere Distanzen zurück legen will.

Und gerade diejenigen unter uns die häufig unterwegs sind, genießen die Freiheit, sich mit anderen Dingen als dem Verkehr rumärgern zu müssen.

Ärgert man sich doch lieber ein wenig über unsensible Zeitgenossen (und deren Kinder!)… aber dann hat man am Ende der Reise auch was zu erzählen. Und das ist allemal unterhaltsamer als die Auflistung verschiedener Baustellen und Staus…

Wäre also eigentlich alles Friede, Freude, Eierkuchen… wenn die Bahn ihr Kunden nicht immer wieder an den Rand (und darüber hinaus!) des Nervenzusammenbruches bringen würde.

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