Janas Poesie der Bäume

Lesen und Gehen, Worte und Orte – diese Dinge gehören für meine Freundin Jana zusammen. In ihrer Matinee hat sie die Poesie des Schacky-Parks und seiner Bäume durch einen Spaziergang mit Gedichten und Geschichten ganz zauberhaft zum Leben erweckt.

Die Zuhörer waren zunächst leicht erstaunt – schließlich bietet der Förderkreis bereits seit 2009 an den Sonntagen im Mai kurze Matineen – allerdings bislang eher musikalische. Klassik, Flamenco, Rock, Blues und Jazz – den Stilrichtungen waren und sind da keine Grenzen gesetzt.

Janas Matinee hat nun gezeigt, dass noch viel mehr möglich und erlebenswert ist.

Bekanntes und unbekanntes hat sie gekonnt rezitiert – humorvolles und ernstes mit leichter Hand verbunden. Und auch vor frivoleren Texten nicht halt gemacht.

Durch diese lebendige Auswahl hat man richtig Lust bekommen, mal wieder einen Gedichtband zur Hand zu nehmen.
Und sich den Park neu zu erschließen.

Sei es nun ein Text von Goethe, Heine, Zuckmayer, Hölderlin oder Schami, von Hotzelmann (denn Jana hat ja bei unserem ersten Dießener Poetry-Slam bereits überzeugen können), Kyber, Odeman, Göttner-Abendroth, Gumppenberg, Kästner oder auch Heinz Erhardt (dessen Texte mir persönlich mit am besten gefallen haben) –

alle scheinen „unseren“ Park zu kennen – denn es kam ganz deutlich Schacky-Stimmung auf 😉

Und dabei habe ich bestimmt noch einige vergessen…. ich bin auch sicher, dass Jana noch mehr Texte dabei hatte – doch sie hat sich von den Stimmungen und Orten führen lassen und ein Händchen für die richtigen Worte bewiesen.

Start und Ziel war der Monopteros. Dann ging es in Richtung Knabenbrunnen.
Aber nie in Eile und nur um des Zieles Willen.

Das Glockengeläute des Marienmünsters zauberte da kurzerhand „Die wandelnde Glocke“ hervor.

Eine Linde verführte zum kleinen Baum-Exkurs in Janas Heimat Günzburg: nicht nur das dieser uns Menschen so sehr verbundene Baum als Dorflinde den Mittelpunkt vieler Orte bildete. Auch den Schutz am Eingangstor vertraute man ihm an. Um so trauriger, dass diese Schutzbäume den Umgehungsstrassen und Ausweitungen weichen müssen. Ein Trauergedicht war somit auch dabei.

Und eine – laut Jana eindeutig „weibliche Eiche“ – wurde frei nach Heinz Erhardt kurzerhand interviewt…

Am Entenhaus amüsierten wir uns über saftige Liebesschwüre und den Schlussapplaus strich der Mai ein:

Der Mai
Im Galarock des heiteren Verschwenders,
ein Blumenzepter in der schmalen Hand,
fährt nun der Mai, der Mozart des Kalenders,
aus seiner Kutsche grüßend, über Land.

Es überblüht sich, er braucht nur zu winken.
Er winkt! Und rollt durch einen Farbenhain.
Blaumeisen flattern ihm voraus und Finken.
Und Pfauenaugen flügeln hinterdrein.

Die Apfelbäume hinterm Zaun erröten.
Die Birken machen einen grünen Knicks.
Die Drosseln spielen, auf ganz kleinen Flöten,
das Scherzo aus der Symphonie des Glücks.

Die Kutsche rollt durch atmende Pastelle.
Wir ziehn den Hut. Die Kutsche rollt vorbei.
Die Zeit versinkt in einer Fliederwelle.
O, gäb es doch ein Jahr aus lauter Mai!

Melancholie und Freude sind wohl Schwestern.
Und aus den Zweigen fällt verblühter Schnee.
Mit jedem Pulsschlag wird aus Heute Gestern.
Auch Glück kann weh tun. Auch der Mai tut weh.

Er nickt uns zu und ruft: „Ich komm ja wieder!“
Aus Himmelblau wird langsam Abendgold.
Er grüßt die Hügel, und er winkt dem Flieder.
Er lächelt. Lächelt. Und die Kutsche rollt.

Quelle: Erich Kästner

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