Vierländer Platte

Hatte ich nicht bereits über den unberechenbaren aber dennoch enorm wichtigen Faktor „Glück“ mit euch gesprochen?

Da bin ich eigentlich ziemlich sicher.
Jedenfalls war ich heute noch mal in Wilstedt bei Jochen und habe mir in aller Ruhe die ganze Anlage zeigen lassen. Ständig hatte ich irgendein Blättchen zum Probieren im Mund und habe dabei so einige Neuheiten entdeckt, die ich gerne auch in meinem Garten hätte:
Jochen hat verschiedene Raukeformen, eine eher milde und dann eine echte wilde – beide wirklich sensationell.

Auch zwei Kräuter, die sehr Lakritzig sind. Ist ja nicht so meins, aber mein Mann liebt es und ich brauche es natürlich immer wieder in der chinesischen Küche.

Last but not least – Bremer Scherkohl.
Den habe ich nun erstmals probiert und bin wirklich, echt total begeistert!
Jochen meint, er würde ihn nicht so groß wachsen lassen. Ich habe entsprechend auch ganz junge Blätter geknabbert – super!
Erinnert mich gleich mal wieder an das Pesto ohne Knoblauch meiner Freundin Andrea, die mir ja auch schon von Meterhohen Basilikumsträngen berichtet hat (die in ihrem Pesto und in dem von Jochen keine Verwendung finden 😉

Doch jetzt noch mal zum Glück: ich habe im Verlauf des Tages ein wenig wegen Tomaten und Gurken gejammert.
Da packt Jochen mir plötzlich einige Tomaten hin und meint nur „Vierländer Platte“….

Super!
So muss es gehen.
Dann klappt´s auch mit dem Nachbarn.

Über Schnucken schnacken

Der schöne Hermann und seine Mädels
Der schöne Hermann und seine Mädels
Also auch noch Schnucken.

Die Sonne ist fast weg, als ich endlich in Till ankomme.
Begrüßt von zwei jungen Border Collie-Hündinnen, die einen direkt auf die Pelle (den Schoß) rücken und nur Schmusen wollen… so hatte ich das nicht erwartet.

Nadja (die ich ja bislang nur vom Telefon kenne) ist eine kleine, resolute Frau – da scheinen wir ein wenig in Augenhöhe – und ihr Geburtstagsmann ist immer noch auf dem Feld.
Zehn Sekunden später wir auch, denn ich brauche ja wenigstens noch ein wenig Licht zum Fotografieren.

Hat sich gelohnt 😉

Was für ein Ritt!

Das ist die Sertürner Renette - wenigstens die
Das ist die Sertürner Renette – wenigstens die

Heute ging es nach Lemgo – das ist in der Nähe von Hameln und wer es noch genauer wissen will… Google findet es.
Der Tag war ein Traum und als ich durch die Heide fuhr wurde mir ganz wehmütig. Zu gerne hätte ich die Autobahn verlassen und wäre ein wenig hier geblieben… aber Lemgo ruft.

Hier gibt es eine extrem aktive Ortsgruppe des BUND (Bund Naturschutz), die eine große Obstsortendatenbank ins Internet gestellt hat.

Willi Hennebrüder ist der Mann der Worte – er hat mich auf viele Apfelsorten aufmerksam gemacht und mir wirklich bei der Entscheidung geholfen, welche Äpfel ins Buch sollen: Sertürner Renette, Lausitzer Nelkenapfel, Jakob Fischer.

Immer noch in meinem Hinterkopf sind Finkenwerder Herbstprinz (davon hat Eckart Brandt so toll erzählt) und der Korbiniansapfel.
Da ich ja aber auch noch ein paar Birnen, Kirschen und andere Obstsorten habe, merkt ihr schon – der Platz wird knapp.

Nicht wirklich knapp ist die Fläche, auf der der BUND eine Streuobstwiese pflegt.
Wir haben über 2 Stunden gebraucht, um alles anzuschauen und Willi Hennebrüder wußte zu fast jedem Baum was zu erzählen… und zum Gelände selbst, denn die etwa 280 Bäume stehen im alten Lustgarten der Edelherren zu Lippe nördlich des Schlosses Brake.

Eine Herde aus Ostfriesischen Milchschafen und Bentheimer Landschafen leben sozusagen im Erdgeschoß. Alte Rassen, aber nicht im Buch vorgesehen. Auch so was gibt´s natürlich.

Leider musste ich feststellen, dass von den geplanten Äpfeln nur die Sertürner Renette auf einem Ast hier wächst. Also hatte ich die sensationelle Möglichkeit drei Äpfel aus 360 Grad zu fotografieren.
Schon frustrierend.

Gegen 14 Uhr war ich fertig.
Und nun?

Mein Navi rechnete mir vor, dass mein Weg zurück nach Hamburg dieselbe Zeit beanspruchte, wie der zu den Schnucken im Weser-Ems-Gebiet.
Da wurde mir sogar gleich noch ein Bett angeboten, weil der Mann von Nadja Heftrich-Beckers (meiner Schnuckenfrau) heute eh Geburtstag hätte und sie sich freuen würden, wenn ich dazu käme.

Oh mein Gott. Ich will doch gar nicht stören – nur die Gelegenheit (und das schöne Wetter) nutzen, um die Schnuckenfotos zu machen und Nadja kennen zu lernen…

Also ich nach Till bei Wittmund…

Und in mein Bett in Hamburg kam ich erst in den Morgenstunden.

Alles ein wenig konfus…

So empfinde ich es jedenfalls.
Bislang habe ich ganz genau gewußt, wen ich alles im Buch habe.
Konnte zu jedem wenigstens schon mal einen groben Abriss geben.

Doch jetzt fühle ich mich gerade ohne Bodenhaftung.
Alles kommt durcheinander.
Vielleicht auch durch das mehrfache Umsortieren.

Erst hatte ich alles rein biologisch sortiert – habe erst geschaut, welche Rinder in Frage kommen, habe dann nachgesehen, wo die herkommen und ob es eventuell schon schöne Fotos gibt, oder auch wer da der Ansprechpartner ist und dann nach einer ersten Kontaktaufnahme entschieden, ob es passt oder nicht.
Dann haben wir alles einmal umsortiert.
Eigentlich ja gar nicht weiter schlimm – denn ich hatte ja auch vorher schon vermerkt, ob Norden oder Süden.
Doch nun habe ich auch noch nachsortiert, bei wem ich schon was habe – Bilder oder Texte und wo mir was fehlt.

Und plötzlich merke ich im Gespräch mit Züchtern, dass ich keine Ahnung habe, welche Schafrasse noch ins Buch kommt???!

Unfassbar.
Ich weiß wirklich nicht, warum.
Und bin natürlich entsprechend verstört. Das ist für mich ein Albtraum.
Als olle Ordnungsschnecke hasse ich solche Momente der Sprachlosigkeit.

Vielleicht nehme ich mir heute Abend die Liste mit ins Bett und lerne sie auswendig.
So nämlich.

Wilstedter Kohlmarkt

Leer sieht anders aus
Leer sieht anders aus


Da bin ich nun, wie angedroht, auf dem Kohlmarkt in Wilstedt. Ist eigentlich gar kein Kohlmarkt, sondern ein Schlemmermarkt.

Irgendwie habe ich es mir alles etwas anders vorgestellt, muss mich wirklich erst wieder an meine norddeutsche Heimat gewöhnen. Alles hier ist ein wenig weitläufig 😉
Und so ordentlich…

Aber hier und heute lerne ich Jochen (meine hilfsbereiten Gemüsefachmann) endlich persönlich kennen. Das Wetter könnte nicht schöner sein und so leer ist es nun auch nicht wirklich.

Es gibt eine ordentliche Ansammlung von Ständen, Kochstationen und Handwerkern.
Auch Karsten Ellenberg steht mit seiner Kartoffelvielfalt hier.
Bei ihm schaue ich natürlich auch kurz vorbei. Keine Zeit, aber so weiß man wenigstens, mit wem man es zu tun hat, wenn wir später telefonieren.

Mangold gab´s bestimmt auch irgendwo
Mangold gab´s bestimmt auch irgendwo
Die Kochstationen bieten ganz kleine Portionen, damit man möglichst viele verschiedene Sachen probieren kann.
Man mümmelt sich also sozusagen durch diesen Markt.

Mein absoluter Favorit ist „Bio-Pergraupenrisotto mit Nero di Toskana (schwarzer Kohl), rote Bete-Walnusspesto und Birnenkompott“. So eine Probierportion kostet dann 2,50 Euro.
Finde ich in Ordnung.

Sebastian Schneider vom Restaurant Bloom in der Botanika in Bremen hat es aus Zutaten von Green Golds (das ist Jochen!) gekocht.

Leider bin ich allein – da kann und werde ich natürlich auf das passende Glas Wein verzichten…

Auch Filder Spitzkraut, das ja hier eigentlich gar nicht so wirklich beheimatet ist, finde ich hervorragend.
Und die Präsentation der Stände ist wirklich sehr gelungen.

Bei Jochen ist viel los – wenn die Menschen an den Ständen die Sachen probiert haben, kommen sie anschließend zu den Produzenten und holen sich die Produkte. Außerdem hat er sein Schwester und jede Menge Pestos und Marmeladen dabei… alles wirklich hervorragend.

Nur zum Quatschen kommen wir natürlich kaum – aber das war abzusehen.
Dazu komme ich ja in zwei, drei Tagen noch mal her.

Aber Mittwoch ist ja Feiertag

… erklingt der erstaunte Ruf einer Frau, mit der ich einen Termin vereinbaren möchte.
Ja und?

Wenn ich mal ehrlich bin, kann ich auf solche Feinheiten keine Rücksicht nehmen. Oder habe sie wohl auch noch nie genommen.
Das hängt sicherlich mit meinem Beruf zusammen.
Denn ob Wochenende oder Feiertag – der Fernseher flimmert und daher arbeiten wir Journalisten natürlich auch.
Meist in etwas ruhigeren Fahrwassern – aber häufig ist es gerade an den großen Feiertagen recht hektisch. Weihnachten arbeitet daher keiner gern. Da passieren immer ganz heftige Familien- oder Terrorgeschichten.

Und jetzt ist es nicht der Sendeauftrag, der mich treibt, sondern das Wetter und die knappe Zeit.
Ich bin nicht extra in den Norden gefahren um meine Familie zu sehen und eine schöne Zeit zu haben. Natürlich verbinde ich es, da wo es geht.

Aber wenn ich stattdessen einen Produzenten treffen kann und ein Interview führen, einige Fotos machen – na, was meint ihr, wer dann Priorität hat 😉