Schatzsuche: Aprilhexe

Wie kommt ihr zu neuen Büchern und vor allem neuen Autoren?

Ich finde einige, weil ich darüber gelesen oder etwas im Fernsehen gesehen habe, was mich neugierig macht.

Klar: ich mag die Buchtipps von Paul Kersten. Ich finde vor allem gut, dass er nicht nur lobt!

Elke Heidenreichs Auswahl gefiel mir im Laufe der Zeit dagegen leider immer weniger – da war irgendwie zu wenig Abwechslung, zuviel Traum und Sehnsucht. Und das neue „Lesen!“-Format im Internet scheint es nun auch nicht zu sein…

Die meisten Bücher werden mir jedoch von Freunden empfohlen oder geschenkt.

Doch am allermeisten freue ich mich irgendwie über die wirklichen Zufallsfunde – mein Mann handelt ja mit gebrauchten Büchern und daher reißt der Strom der unbekannten Werke in unserem Haus nie ab.


Manchmal ist es ein Cover, mal ein Name oder Klappentext der meine Neugierde weckt und das Buch verschwindet auf unbekannte Zeit in meinem Fundus.

Und wenn es mir dann erneut in die Hand fällt, entscheidet sich recht schnell, ob es auf Guidos Stapel zurück muss.

In diesem Jahr habe ich auf diese Art bereits zwei Schätzchen gefunden: „Die Aprilhexe“ von Majgull Axelsson und Selim Özdogans „Die Tochter des Schmieds“ (das stelle ich euch dann nächstes mal vor).

Beide Bücher haben etwas Aufrührendes, die Autoren formulieren nicht bis zum Ende aus, sondern lassen Luft und Raum für eigene Ideen und Bilder.

Die Aprilhexe
Es geht um das Leben. Das gelebte, das erhoffte und das verlorene.
Ein Frauenbuch. Aber im positiven Sinn. Und man muss sich bei der Lektüre auf einige böse Tiefschläge gefasst machen.

Ellen ist die Mutter. Witwe und Pflegemutter für drei Mädchen, die bei ihr Ruhe, Ordnung und eine stille Liebe finden. Jedes dieser Mädchen hat dies bitter nötig.
Margareta ist ein Findelkind, Christina wurde ihrer Mutter weggenommen, weil diese sie misshandelte und auch Brigitta, deren Mutter trinkt und keinen Halt hat, braucht eine Pflegestelle.

Doch Ellen hat eigentlich ja auch eine Tochter: Desiree. Die lebt im Heim, ist körperlich schwerstbehindert, aber geistig wach und rege. Außerdem kann sie in die Körper anderer Lebewesen schlüpfen und ein Stückchen in ihnen erleben. Also eine Aprilhexe.

Sicherlich ist Desiree, die sich in der Hülle verschiedener Menschen aufmacht um herauszufinden, wer ihrer Stiefschwestern ihr das Leben stahl und statt ihrer lebte, die Hauptperson.
Doch alle Frauen werden sehr tiefgründig beschrieben und es gibt Passagen, in denen man sich gut selbst finden kann. Als Puzzle aus diesen vier Frauenleben, die jedes für sich genommen traurig und wichtig sind. Aber nur so gelebt werden konnten, wie es geschah..

Jetzt geht es ihr gut. Christina hat ihr ein Stückchen des guten Lebens geboten, das zu leben sie sich selbst nie die Zeit nimmt. Dafür muß man Sinn für Details haben, und Margareta hatte nie das Gefühl, Zeit für Details zu haben. Als Teenager lief sie immer herum, den Slip nur halb hochgezogen und den Unterrock zu einem Knäuel über den Hüften gedrückt, weil sie der Meinung war, sie könnte nicht die zwanzig Sekunden opfern, um sich richtig anzuziehen. Und so ging es weiter.
Als Erwachsene beginnt sie den Tag mit einer hastig hinuntergekippten Tasse Schnellkaffee an der Küchenanrichte. Da steht sie jedesmal und verbrennt sich die Zunge, während sie sich vage nach einem richtigen Frühstück an einem gedeckten Tisch sehnt.

Am nächsten Morgen, hat sie sich jeden Tag versichert, da wird sie ein neues Leben anfangen. Da wird sie aufhören zu rauchen und mit Morgengymnastik anfangen, richtig frühstücken und Küchengardinen aufhängen… Aber heute nicht, denn heute hat sie viel zu tun, und wenn sie nicht sofort alles tut, dann kommt der Tod und packt sie, und dann wird es nie mehr getan.
Quelle: Die Aprilhexe, Majgull Axelsson

Hier bei Leselust findet ihr noch mehr zum Buch und natürlich auch aus einer etwas anderen Sicht… aber ich finde gut geschrieben!

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