“Alter Schwede!”

Einer der Lieblingssprüche meines Sohnes. Damit drückt er Erstaunen und Hochachtung aus. Wobei er eher „alder schwede“ sagt… das ist sicherlich cooler. Und darum geht es ja heute immer.

Doch woher kommt dieser Satz?

Mein erster Verdacht fiel auf Torsten Torstenson, den alten Schweden aus der Geschichte des kleinen Gespenstes.
Ottfried Preußler hat in seinem Kinderbuch ein Geheimnis aus dem 30jährigen Krieg gelöst: warum der schwedische General Torstenson die Belagerung des Städtchens Eulenberg plötzlich abbrach und nach Hause eilte… natürlich wegen des kleinen Gespenstes.

Aber diese Erklärung für seinen Spruch stellt meinen Sohn nicht zufrieden…Kinderbuch – ich bitte euch – schließlich wird er zehn!

Dann habe ich im Internet geschaut und gleich mehrere Erklärungen gefunden:

– So gibt es in Hamburg (und auch gleich noch in Niedersteinbach) je einen Findling, der Alter Schwede heißt. Der Hamburger gilt als ältester Einwanderer der Stadt (auch wenn man ihn erst 1999 beim Baggern in der Elbe gefunden hat) und ist mit 217 t der schwerste und größte Findling Deutschlands.

– In Mecklenburg Vorpommern gibt es einen Käse, diesen Namens. Aus Rückers Ostseemolkerei in Wismar. Und Alter Schwede heißt das älteste Bürgerhaus der Hansestadt Wismar… weiß Brunos Blog zu berichten. Zufälle gibt es!

Die Kuhmilch für diesen traditionellen Käse kommt ausschließlich aus der Region und damit der Käse sein kräftig-würziges Aroma erreicht, wird er täglich von Hand gewendet und geschmiert. Nach mindestens 10 Wochen Lagerung auf Eichenholzbrettern hält er 50 Fett % i. Tr. und kommt so in den Handel und damit zu uns. Ganz Slow Food mal wieder… aber auf der Slow Food Seite habe ich dann doch nur den „Blauen Schweden“ entdeckt… Kartoffel des Jahres 2006.

– Und natürlich gibt es auch einen Schnaps: Philipp Greve-Stirnberg´s Magenbitter Alter Schwede.
Ein Kräuterschnaps mit 35 Vol. Prozenten. „Sanft und wohlschmeckend dabei aber auch würzig.“ Sagen die! Und stellen ihm gleich noch die junge Schwedin an die Seite – nette Idee! 5 Volt weniger für die Damen 🙂

– Und auch die letzte Erklärung bleibt im Norden – also passend zu Schweden:
Ursprünglich wurde dieser Ausdruck für schwedische Korporale gewählt, die nach dem 30 jährigen Krieg unter Friedrich Wilhelm I. als Ausbilder in der Armee dienten. Diese Unteroffiziere hatten den rechten Drill und haben es den Soldaten sicherlich nicht leicht gemacht. ‚Die alten Schweden‘ wurden sie daher genannt, irgendwie wehren sich Untergebene ja gerne verbal. Wobei sie es bestimmt keinem ins Gesicht gesagt haben.

Mein Sohn findet das alles mittlerweile zu langweilig (mal sehen, ob es etwas an seinem Sprachgebrauch ändert) – aber ich bin mal wieder ganz im Rausch und finde immer mehr zum Alten Schweden…. Saab und Volvo streiten sich auch schon um diesen Titel (Saab hat die Nase vorn!) und sogar Wallander hat ihn schon ein paar mal abbekommen.

Und ich habe viel dazu gelernt und meine Zeit sinnvoll verschwendet! Fast so gut wie bei Zeitverschwendung, aber richtig

2 Antworten auf „“Alter Schwede!”“

  1. Es begab sich im 30-jährigen Krieg, da suchten die Schweden-Horden auch den Ammersee heim. Schlitzohrig verzogen sich die Dießener nächstens auf eine kleine, dicht bewachsene Insel im Südende des Sees und spielten Verstecken mit den ungebetenen Touris. Die waren ihrerseits enttäuscht über so wenig bayerische Gastlichkeit und zogen irgendwann wieder ab aus dem verpennten und gottverlassenen Fischerdörfchen. Nur Torsten Torstensen, der sich im Unterbräu einquartiert hatte, verpennte den Abzug seines Tree-Kroner-Teams. Ein König-Ludwig-Dunkel am Vorabend war wohl schlecht gewesen. Im Dachkammerfederbett verschlief er also Abzug der Schweden wie Rückkehr der Fischereier. Die Zimmermagd Resi soll das prächtige Mannsbild etwas verwirrt beim Bettenmachen gefunden haben. – Der Rest ist schnell erzählt: Er verliebte sich, sie verliebte sich. Und weil Herrenmangel in diesen Kriegszeiten allerorts herrschte, durfte er bleiben und seine Resi sogar ehelichen. Er war recht gelitten, im Stüberl, neben dem Stammtisch. Schnell hatten die Bayern aber eines gelernt: „Preiß'“ durften sie ihn nicht nennen, auch nicht hinter vorgehaltener Hand. Da funkelten wütend seine blauen Augen und das blank gezogene Schwert. Er war ja schließlich die Nachhut des stolzen Schwedenheeres. – Also bequemten sich die Leute ihn einfach fortan „Alter Schwede“ zu nennen…

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