Mahlzeit!

Empfindungen zur Mittagszeit
Empfindungen zur Mittagszeit

Kennt Ihr das?

Mittagszeit in einem größeren Unternehmen – mit Kantine.

Die Mitarbeiter lassen einer nach dem anderen – oder alle gleichzeitig (das ist betriebsbedingt :-))) – den Stift fallen, fahren den PC auf Standby, ziehen die Schuhe an und vorm Spiegel die Lippen nach.
Alle schlurfen in Richtung Speisesaal und jeder blökt ein knappes „Mahlzeit“ in die Runde…

Wenn schon welche sitzen, blicken diese kurz auf, nicken ein „Mahlzeit“ und essen weiter. Hat man/frau den eigenen Platz erreicht bevor alle angekommen sind, steigen die Chancen diesen Mittagsgruß noch ein paar mal zu hören enorm.

Sogar, wenn man wieder zurück im Zimmer ist, verfolgt diese(s) „Mahlzeit“ einen noch. Und selbst am Telefon scheint dieser Gruß zur Mittagszeit vielen durchaus angemessen.

Grauenhaft!

Auch wenn ich ja auf Schafe stehe (siehe auch Schafsein) – dieses Herdenverhalten stößt mich ab. Aber es scheint bei größeren Menschenmengen nicht zu umgehen zu sein.

Der Ursprung dieses Brauches ist eine Kurzform des früher verbreiteten Grußes „Gesegnete Mahlzeit!“. Die Verkürzung war bereits im 19. Jahrhundert üblich, wie im Wörterbuch der Brüder Grimm nachzulesen ist, wobei die Bedeutung des Segens heute weitgehend verloren gegangen ist.

Quelle: Wikipedia

Schade, dass die Bedeutung des Segens verloren gegangen ist und nicht der Gebrauch des Grusses.
Dabei ist die Mittagszeit – die Hälfte des Tages – ja etwas Schönes, Ruhiges, Sanftes (wenn man nicht auf zu viele Menschen trifft) – manchen Dichter hat sie gar zu einem Gedicht inspiriert:

Mittagsgruß

Über Bergen, Fluß und Talen,
Stiller Lust und tiefen Qualen
Webet heimlich, schillert, Strahlen!

Sinnend ruht des Tags Gewühle
In der dunkelblauen Schwüle,
Und die ewigen Gefühle,
Was dir selber unbewußt,
Treten heimlich, groß und leise,
Aus der Wirrung fester Gleise,
Aus der unbewachten Brust
In die stillen, weiten Kreise.

Autor: Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857)

Bei meiner Suche nach Alternativen kam ich dann natürlich auf das altbewährte „Guten Appetit“. Das finde ich doch schon etwas weniger brachial. Vielleicht einfach, weil es aus zwei Worten besteht. Hoffentlich wird da das erste Wort nicht auch verloren gehen…

Und ich war natürlich geschockt, als ich im Netz las, dass man das nicht sagen soll?!

Doch eine kleine Recherche gab Entwarnung:

Wenn zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen sich mittags in der Kantine einen guten Appetit wünschen, ist dagegen jedoch nichts einzuwenden. Kaum jemand wird wohl in so einer Situation verletzt oder irritiert sein. Und darum geht es ja bei modernen Umgangsformen: Ihr Gegenüber soll sich in Ihrer Gegenwart wohl und gut aufgehoben fühlen.
Quelle: www.stil.de

Nicht verwenden soll man den „guten Appetit“ allerdings bei einem offiziellen Essen – na ja, das kommt ja nicht so häufig vor 😉

Und dann geht es bei Stil.de natürlich auch gleich noch um die lebenswichtigen Fragen – wie man ein Brötchen stilgerecht zerteilt und ob man seine Suppentasse austrinken darf?!

Mir diesem neuen Wissen gehe ich jetzt los… dreimal dürft ihr raten, wohin!

2 Antworten auf „Mahlzeit!“

  1. Liebe Anne,

    Du sprichst mir aus der Seele. Seit knapp 5 Wochen habe ich nun auch mit dem „Mahlzeit“ zutun und finde dieses Wort ganz grauenhaft. Und weißt Du, was mir gestern passiert ist? Ich treffe kurz nach 12 Uhr meinen Kollegen auf dem Gang und sage?….. richtig …. MAHLZEIT.
    HILFE ….. ich bin auch so ein Schaf, das einfach was nachblöckt, wenn einer was sagt….****grrrh…..
    Und wie ich es gestern sagte, merkte ich, dass es irgendwie nicht zu mir gehört. Sagt man es nicht, dann ist man für seine 30 Kollegen „komisch“.
    Aber ich glaube ich bin lieber „komisch“ als ein „Schaf“ und werde „Mahlzeit“ wieder aus meinem Wortschatz streichen.

    Marti

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.