Alle Wege führen nach Rom – 2

.. und auch irgendwie durch.

Wir sind uns ganz sicher, dass wir mindestens eine der großen Etappe eines Pilgerweges hinter uns gebracht haben.
Die Füße rauchen und schmerzen, wir sind am Ende unserer Kräfte.
Die letzte Rettung – eine richtig heiße Badewanne…

Warum ist hier Verfall so wunderschön?

Dabei begann alles harmonisch und entspannt.

In der Nähe unseres Hotels findet sich ein kleiner Park: Piazza Vittorio Emanuele.
Dorthin streben wir zusammen mit etlichen Hundebesitzern.

Diese sind ein Teil der Erholungsuchenden, der andere sind Chinesen. Glaube ich.
Jedenfalls bewundern wir mit allen anderen ein chinesisches Tanzpaar, dass sich zu Tangomusik aus dem I-Phone gekonnt auf einem der Wege wiegt. So macht man das also heute.

In direkter Nachbarschaft lässt ein Mann seine Pferdekopfgeige erklingen… diese Musik kennen wir von unseren mongolischen Musikern aus dem Kirchsteig und fühlen uns gleich sehr wohl. Diese Musik in Rom zu hören – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.
Passt aber durchaus.

Da stören die schlafenden Überbleibsel der letzten Nacht, die einfach mitten dazwischen liegen zum Glück kaum.

Wirklich stilvoll leben aber in diesem Park einzig die Katzen.
Also natürlich genau angemessen…
Das Monument von Gaius Marius ist ringsum von einem Gitterzaun umgeben, so dass keiner hinter ihnen her kommen und sie dort stören kann. Feine Sache, bei so vielen Hunden und Menschen im Park.

Die hier ebenfalls vorhandene Metrostation ist leider geschlossen.
Daher geht es per pedes weiter in Richtung Colloseum.

Mein Sohn ist dabei immer wieder entsetzt, dass ich einfach so auf andere Menschen zugehe.
Sein persönlicher Tiefpunkt ist erreicht, als ich einem Passanten meine Wasserflasche in die Hand drücke und ihn bitte, diese für mich zu öffnen.
Keine Ahnung, wieso ihn das so schockt.

Römer gehören in Rom mittlerweile zum Stadtbild

Meinen Sohn meine ich – der Mann hilft sofort und ich bedanke mich natürlich auch freundlich 😉

Da wir keinen Stadtplan haben, versuchen wir uns an den aufgestellten Lageplänen zu orientieren.
„You are here“ ist mit einem roten Pfeil versehen.

Doch alles Suchen hilft nicht – wir können den Pfeil nicht finden.
Auch andere Touristen die dazu kommen stehen vor Lageplan und Rätsel.
Unserer gemeinsamen Überlegung nach, müssten wir uns etwa 10 Zentimeter weiter links oben befinden… also im Nirvana des Planes.

Doch die Engländerin und ihre drei australischen Begleiter sind schon einen Tag länger hier und helfen uns weiter in dem wir einfach mit ihnen mitgehen sollen.
Mein Sohn ist wieder mal überrascht, wie leicht man Kontakt knüpft.
Also ich…

Das Colosseum werden wir ja morgen noch besichtigen, da reicht heute ein bewundernder Blick von außen. Am Sonntag ist die Straße ab dem Colosseum für Autos gesperrt – ein gutes Gefühl. Denn auch so ist es schon voll genug.

In der Nähe des Forum Romanum treffen wir erstmals auf Römer.
Die kannte ich noch nicht (bin ja auch mindestens 25 Jahre nicht hier gewesen).

Aber dies scheint mittlerweile eine gute Verdienstmöglichkeit zu sein. Immer wieder treffen wir prächtig gekleidete Römer vor historischen Kulissen und beobachten vor allem Jungs, die stolz in ihren Reihen ein Schwert ergreifen und von Mama/Papa fotografiert werden.

Hochzeitstorte nennen die Römer den Prachtbau

Das sehr imposante, marmorweisse Nationaldenkmal für Viktor Emanuel II. begeistert meinen Sohn.
Einzig die beiden bewaffneten Wachen am Denkmal des unbekannten Soldaten stören ihn. Ebenso wie die Wachen am Zaun und entlang der Treppe nach oben mit ihren Trillerpfeifen, die immer laut lostrillern wenn sich jemand ermattet auf die Stufen setzt.
Das geht natürlich gar nicht.

Unmengen von Touristen auch hier.
Aber kaum einer erklimmt die Stufen bis ganz rauf zur Dachterrasse.
Was ein Fehler ist.

Von hier hat man einen fantastischen Blick über Rom.
So kann ich meinem Sohn auch die Kuppel des Petersdoms wenigstens mal zeigen… denn der Vatikan steht bei unserer Tour nicht unbedingt auf der To Do Liste.

Man kann mit einem Aufzug auch noch weiter hoch – ganz kostenlos, was in Rom ja nun nicht oft der Fall ist.
Aber die lange Schlange vor dem Aufzug schreckt uns und treibt uns weiter…

Wie immer gibt es natürlich ein neues Überraschungsspielzeug.
Diesmal ist es eine Kugel, die beim Aufprall auf eine ganz saubere, glatte Oberfläche auseinanderspritzt und sich dann selbst wieder zusammen zieht. Faszinierend.

Auch unsere Füße fühlen sich mittlerweile ähnlich an, denn wir sind seit mehr als 5 Stunden unterwegs und versuchen nun den Weg zum Hotel zu finden.
Machen uns gegenseitig immer wieder Mut.

Die Prospekte sind die richtigen – der Schuh im Vordergrund eher ein Folterinstrument

Und einen Zwischenstopp im Schuhladen.
FlyFlot heißt die Marke meines Begehrs und als ich meine erhitzten Füße (natürlich mit Söckchen!) in diesen ausbreiten darf, denke ich kurz ich sei im Himmel.
Die muss ich haben.

Mein Sohn erklärt mir allerdings bei der Fortsetzung der Pilgerung, dass ich aus Solidarität nun die alten wieder anzuziehen hätte. Schließlich schmerzen seine Füße nicht minder und es wäre unangemessen, wenn meine Qualen nun ein Ende hätten.

Dreimal dürft ihr raten…

Und obwohl das Wasser der Badewanne zu der wir uns dann schleppen wirklich heiß ist, scheint es noch zu zischen, als wir die Füße darin versenken.

Kurz darauf erwachen unsere Lebensgeister erstaunlicherweise doch wieder und wir wollen den Tag mit einem Aufenthalt am Dachpool krönen. Der ist – was mein Sohn nicht ahnte – natürlich nicht beheizt und entsprechend wird er gerade nur von Möwen genutzt.
Aber nicht lange ;-))

Zum Ausklang gibt es einen Cocktail „Passion“ – ohne Alkohol aber mit großem Genussfaktor.

Der richtige Drink für den Abend

Wir haben heute wirklich viel gesehen und eine riesige Runde durch die Stadt gedreht.
Sind vom Colosseum, vorbei am Forum Romanum und der Hochzeitstorte in Richtung Pantheon gewandelt… da wandelten wir noch 😉

Unsere Mittagspause verbrachten wir stilvoll auf dem kleinen Platz vor der Kirche St. Ignazio.

Zuvor haben wir in der Kirche einer Messe gelauscht – finde ich in Rom nun auch nicht ganz abwegig und wir kamen zum Glück im letzten Viertel an – es war also ein überschaubarer Zeitrahmen.
Eigentlich hatte ich die Kirche natürlich wegen ihrer Scheinkuppel aufgesucht.
Doch während der Messe ist der Punkt von dem aus die Kuppel am realistischsten wirkt gesperrt und so haben wir kurzerhand Platz genommen und den Priestern gelauscht.

Die Pizza hat meinen Sohn nicht überzeugt – er spickte auf meine Spagetti, wollte aber nicht tauschen.

Über die Via Nationale haben wir uns schließlich wieder hoch zum Bahnhof und unserem Hotel geschleppt.
Dabei den Trevibrunnen einfach rechts liegen lassen und immer mal wieder sehnsuchtsvoll einem Taxi nachgeschaut.
Doch für diese kurze Strecke konnten wir uns nicht überwinden eines anzuhalten.

Dabei ist „kurz“ natürlich nicht gleich „kurz“, wenn die Kräfte nachlassen…

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