So ein Mist

Bei manchen Dingen sollte man vielleicht gar nicht nachfragen...
Bei manchen Dingen sollte man vielleicht gar nicht nachfragen…


Ich nutze diesen Blog ja vor allem, um euch die Geschichten zu erzählen, die nicht ins Buch kommen.

Weil sie nicht mehr hineinpassen, andere Kandidaten vielleicht besser oder fotogener sind oder auch weil es echte Randgeschichten sind, die in einem Buch fehl am Platz wären… so wie die Sache mit dem Mist 😉

Das in Mainz Mombach ein Aprikosenanbaugebiet war, habe ich euch ja schon verraten. Nun liegt mir (mal wieder vom Pomologenverein – wie ich ohne die Jungs und Mädels früher durchs Leben kam, wird immer mehr zum Mysterium!) die Wiederauflage eines Buches von 1921 vor: „Der Aprikosenanbau in Mombach“ von Ferdinand Pfeiffer.

Pfeiffer war Obst und Weinbauinspektor der Landwirtschaftskammer für Hessen in Darmstadt und hat seine Überlegungen in einem kleinen Büchlein zusammengefaßt. Nicht nur, dass ich da viel über die einzelnen Maleden gelernt habe, sondern ich habe mir erstmals im Leben Gedanken über Dünger gemacht…

1921 befand sich Deutschland nach dem ersten Weltkrieg (und die Menschen ahnten zum Glück nicht, was da als nächstes auf sie zukommen sollte).
Die Mombacher hatten nicht viel Vieh und waren daher seit jeher auf den Zukauf von Mist angewiesen. Kunstdünger gab es zwar bereits (Justus Liebig hatte 1840 die wachstumsfördernde Wirkung von Stickstoff, Phosphat und Kalium nachgewiesen und seit diese auch künstlich hergestellt werden konnten, war er auch verfügbar) aber ich vermute mal ganz dreist, dass die Mombacher sich das schon ausgerechnet haben, was günstiger ist.

Jedenfalls schreibt Pfeiffer, dass sie bis 1914 die Möglichkeit nutzten die Fäkalien, die mit Hilfe von Latrinenwagen in Mainz „gesammelt“ wurden, aufzukaufen.
Außerdem nutzten sie den anfallenden Mist der Mainzer Garnison (da gab es Pferde)… die Garnison wurde 1918 durch den Versailler Vertrag geschlossen. Also fiel der Pferdemist schon mal weg.

Als sich nun der Weinanbau gegenüber dem Gemüse und Obstanbau wirtschaftlich in den Vordergrund spielte, machten die Weinbauern den Mombachern den Mist streitig – soll heißen, sie kauften ihnen den dringend benötigten Dünger vor der Nase weg.

Schon der Hammer, mit welchen Problemen sich die Bauern früher herumschlugen, oder?!

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