Vater der Kirschen – Christian Freiherr Truchseß

Diese Welt ist so groß und dennoch so klein.
Bei meiner Suche nach Kirschen stolpere ich über einen Namen: Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen….

Seltsam – den kenne ich 😉
Es ist der Vater eines Schulkameraden meines Sohnes.
Und siehe da – die Nachfrage bestätigt meine Vermutung. Dieser Name ist nicht zufällig aufgetaucht.

Christian und Valerie erzählen mir, dass der Ururururgroßonkel in der Familie der „Kirschenchristian“ ist und sie aber leider nicht mehr viel von seiner ehemals großen pomologischen Sammlung haben… doch sie sind sehr interessiert und wir freuen uns über diesen Zufallstreffer, denn so habe ich doch nun wirklich allen Grund mal vorbeizuschauen.

Was ich heute auch mache.
Schon seltsam, wenn man jemanden besucht, der in einem Schloß lebt.
Für eine rein bürgerliche Schnecke wie mich, zum Glück kein Problem – bei mir zählen immer die Menschen und nicht die Titel. Das hat mich als Journalistin einerseits weiter gebracht (weil ich nicht vor Ehrfurcht erstarre), andererseits bin ich aber auch schon immer mal angeeckt, weil ich es an Respekt fehlen ließ – fand zum Beispiel Edmund Stoiber – leider fehlt mir der Respekt vor ihm bis heute…

Dieses Foto hat mir die Familie zur Verfügung gestellt und ich danke herzlich!
Dieses Foto hat mir die Familie zur Verfügung gestellt und ich danke herzlich!

Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen zu Bettenburg

Er gilt als Vater der Kirschpomologie und Begründer der Bettenburger Tafelrunde, an der der Freiherr Dichter und Denker seine Zeit um sich sammelte. Selbst der graue Star konnte Christian Truchseß nicht hindern, sein Wissen um die Kirsche für künftige Generationen zu bewahren.

30 Jahre hat Freiherr Truchseß von Wetzhausen Informationen zu Kirschen gesammelt, Kirschbäume gepflanzt und Edelreißer im Lande verteilt um seine Erkenntnisse 1819 im pomologischen Standandardwerk „Classification und Beschreibung der Kirschensorten“ zu veröffentlichen. Mit 34 Kirschbäumen und einer großen Liebe zu den kleinen runden Früchten startete er. Damit hatte er bereits mehr unterschiedliche Sorten, als die meisten Menschen kennen. Vier- bis sechshundert Süßkirschsorten sollen im 19. Jahrhundert im „Kirschenland“ Deutschland existiert haben, der größte Teil gilt heute als verschollen.

1796 entschied sich der Truchseß alle Kirschsorten, derer er habhaft werden konnte, rund um die Bettenburg anzupflanzen, um Unstimmigkeiten der Fachwerke selbst untersuchen zu können.
Adelige und Akademiker beschäftigten sich zu dieser Zeit mit Obstbäumen und begründeten in Anlehnung an die römische Göttin der Baumfrüchte „Pomona“ die Pomologie. Adrian Diel, Johann Ludwig Christ, Johann Georg Dittrich und Johann Volkmar Sickler veröffentlichten ihre Erkenntnisse und legten den Grundstock heutiger Obstsorten. Die meisten beschrieben Äpfeln und Birnen. Nur Sickler wand sich, wie der Truchseß, der schwierigen Arbeit mit den kleinen, leicht verderblichen Kirschen zu.
Der Freiherr brachte es schließlich auf 440 Kirschbäume. 231 fanden Beachtung in seinem Buch – die übrigen erschienen ihm als nicht so wichtig oder tauchten mehrfach unter unterschiedlichen Namen auf.

Sein Erbe

Als der graue Star seine Augen angriff, drohte der Verlust langjähriger Forschungsarbeiten. Seinen Dienern konnte der Freiherr zwar diktieren und sich auch erklären lassen, was diese sahen, allerdings brauchte es nach seiner Meinung mehr Sachverstand um seine Ordnung zu verstehen und diese in einem Buch erfolgreich zu sammeln. Pfarrer Friedrich Timotheus Heim aus Effelder bei Coburg übernahm die Aufgabe und verbrachte mehrere – meist leider erbärmlich schlechte Kirschzeiten – auf der Bettenburg. Christian Truchseß wollte dem hilfreichen Pfarrer natürlich die ganze Pracht seiner Anlage zeigen und beklagt die schlechten Kirschjahre in seinem Buch.

Er erkor sich den Freiherrn Anton Albrecht von Mascon aus Graz als geistigen Erbe seiner Kirschen aus und übersandt ihm seine Aufzeichnungen. Leider starb Mascon kurz vor Christian Truchseß selbst und die Sammlung ging verloren.

Die Bettenburg dient heute als Seminarhaus. Im Geburtshaus des „Kirschen-Christian“ in Schloss Bundorf lebt wieder ein Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen mit seiner Familie ….

Sehr zauberhaft, gastfreundlich und ich danke für die schöne Zeit und Hilfe!

8 Antworten auf „Vater der Kirschen – Christian Freiherr Truchseß“

  1. Liebe Anne,

    da ich nicht bloggen kann, schreibe ich dir eine e-mail. Ich spreche dich einfach mit Anne an (… und hoffe, das ist o.k.). Ich war gerade auf deiner Seite … und habe mir deinen Beitrag zum Kirschen-Christian (Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen) und deren gleichnamigen Nachfahren durchgelesen … und recht geschmunzelt.

    Hab vielen lieben DANK dafür.

    Zum DANK (du schreibst, dass du neugierig bist) möchte ich dir noch kurz verraten, wie ich auf die Seite gestoßen bin:

    ich lese ein sehr interessantes Buch „Brautbriefe, Zelle 92“ über die Briefe, die sich Dietrich Bonhoeffer und seine Verlobte Maria von Wedemeyer in der Zeit von 1943 – 1945 geschrieben haben, als er in nationalsozialistischer Gefangenschaft war.
    Maria war über Ostern 1944 ettliche Zeit auf Schloss Bundorf bei ihrer Cousine Hedwig (Hesi) FrFr. von Truchseß … und hat sich auch um die drei Kinder gekümmert. Wenn Christoph der älteste Sohn ist, dann wird er wohl der Vater des jetzigen Christian Freiherr Truchseß von Wetzhausen sein.

    Keine Bange, es wird nur Gutes über den Aufenthalt dort berichtet. 🙂
    Beim googeln bin ich auf deine Seite gestoßen.

    Dir wünsche ich noch weiterhin viel Freude mit deinem Blogg.
    Liebe Grüße
    von
    Marion

  2. Liebe Marion,

    wie nett ist das denn?

    Habe lieben Dank für deine Informationen. Das klingt ja nach einem spannenden Buch, mal schauen wo ich es finde.
    Meine Texte sind in Zusammenhang mit der Arbeit an meinem Buch über alte Rassen, Obst- und Gemüsesorten entstanden. Ich habe damals die Entstehung auf dem Blog „begleitet“.

    Und die Freundschaft zu den Truchsess besteht immer noch – auch wenn die Söhne inzwischen auf unterschiedlichen Schulen sind.

    Darf ich den Inhalt deiner Mail auf meinem Blog veröffentlichen? Es würde zeigen, dass ich wirklich neugierig bin und mich sehr über solche Infos freue 🙂

    Liebe Grüße vom Ammersee
    Anne

  3. Hallo Anne,
    auch ich wähle das Du denn auf einer so kleinen Welt…
    Wie kam ich nun auf deine Seite…
    Meine Mutter „Anneliese“ kann seit einiger Zeit nicht mehr alleine leben und deshalb zog sie in ein Seniorenheim. Das Haus in dem sie seit 1962 gewohnt hatte wurde verkauft. Beim Auszug fand ich neben einigen Bildern des Schlosses bzw. der Bettenburg auch zwei unterschiedliche Sets Kaffeegeschirr mit kleinen Zeichnungen der Bettenburg. Vermutlich stammen diese aus der Zeit als die Bettenburg noch ein Hotel war. Die Sachen konnte ich nicht einfach in den Trödel geben denn als Kind waren wir einmal auf der Bettenburg um dort den Hausherren?? ich glaube er hieß Max zu besuchen. Anschließend waren wir auf dem Schloss. Vermutlich war es die Mutter von Max die mich mit meiner Schwester für alle möglichen Detektivaufgaben durch das Schloss schickte. z.B. Im ersten Stock im Zimmer soundso steht am zweiten Regalboden das Buch „xy“ könnt Ihr mir das mal holen.“ Danach dann aus dem Raum xx die Brille und so weiter. Für uns Kinder wäre es vermutlich viel zu langweilig gewesen alle die Geschichten von Früher zu hören in denen von Menschen gesprochen wurde die wir nicht kannten. Da war das erkunden des Schlosses schon wesentlich spannender. Ich erinnere mich an ein großes Schaukelpferd das oben im Treppenhaus stand und einem eine gehörige Portion Mut abverlangte denn von da aus konnte man gut ein oder zwei Stockwerke tief blicken. Die Patentante meiner Mutter Frau Else Schmidt war früher Hausdame im Schloß und lebte dort bis zu Ihrem Tod mit der Baronin zusammen. Meine Mutter kam wohl Anfang 1945 auf das Schloß um alles im Bereich Hauswirtschaft zu lernen. Einige Jahre später fing sie in Schondorf am Ammersee bei einem Schulrektor an und lernte dort meinen Vater kennen. Damit schließt sich erst mal der Kreis zu Anne.

    Die oben erwähnten Tassen und Bilder würde ich gerne nach Bundorf schicken bzw. vielleicht einmal persönlich vorbei bringen und deshalb habe ich vor einer Stunde mal ins www geschaut um eine Adresse oder Tel. Nr. zu finden, stolperte dabei über deinen Blog und das Schreiben von Anne. Seit Monaten habe ich die Suche vor mir hergeschoben und dann so ein Treffer. Ich wäre Dir sehr dankbar wenn Du für mich einen Kontakt zu den Truchseß herstellen könntest.
    Gerne kannst Du dazu meine E-Mail Adresse und diesen Brief an Sie weiterleiten.
    Vielen Dank und Gruß aus der Hauptstadt Joachim

  4. Lieber Joachim,

    gerne mache ich einen Kontakt zu den Truchseß und werde mich daher direkt per Mail bei dir melden.

    Liebe Grüße und vielen Dank fpr die tolle Geschichte.
    Anne

  5. Liebe Anne,
    beim Lesen Deines Blogs und der Beiträge muss auch ich schmunzeln, besonders über den Beitrag von Joachim, der es geschafft hat meine Großmutter so treffend zu beschreiben. In der aktuellen Ausgabe der Landlust ist auch ein Artikel der den Kirschen-Christian zumindest streift. Dieser ist aber eindeutig nicht auf dem Sofa in Bundorf recherchiert, was zu manchem Fehler führte. Einen Tipp für den Hauptstädter Joachim möchte ich noch geben. Gar nicht weit weg kann er einen der schönsten Flecken Brandenburgs kennenlernen und einen der Truchsesse treffen. ☺

    Liebe Grüße aus Binenwalde
    Hans

  6. Lieber Hans,

    lieben Dank für deinen lieben Kommentar. Die Landlust lese ich aus genau diesem Grund nicht mehr… sie ist wunderbar aufgemacht, aber es schleichen sich vermeidbare Fehler ein. Mehrfach kommt es zu falschen Fotos, weil zusätzliche Fotografen den Inhalt nicht kennen und/oder Foto und Text nicht zusammen gehören. Das finde ich ärgerlich.

    Kennst du mein Buch über „Tiere und Nutzpflanzen aus alter Zeit“ – da spielen Christian und die Türkine eine Rolle 😉 Und schön zu wissen, dass es auch in Brandenburg Truchsesse gibt. Wobei für mich der Weg nach Bundorf kürzer ist…
    Liebe Grüße
    Anne

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