Steinhuder Meer – der letzte Zipfel Niedersachsens

Der größte See Niedersachsens macht es einfach keine Nummer kleiner – er ist das „Steinhuder Meer“. Weniger geht nicht. Und begründen lässt es sich (natürlich) auch: ursprünglich handelte es sich um ein „Mare“, ein Gewässer ohne großen Zu- und Ablauf, das allerdings hohe Wellen schlagen kann. 

Außerdem sprechen die Norddeutschen ja von der See, also Nord- und Ostsee, wenn sie das Meer meinen. Haben sie mit den Engländern gemein. 

Daher kommt es auch zu Seeräubern, dem Seehund oder eben auch der offenen Nord- und Ostsee. Binnengewässer hingegen wurden logischerweise als Meer bezeichnet 😉

Steinhuder Meer

Ein Meer, das im Durchschnitt rund anderthalb Meter tief ist? Tja – hier ist das halt so. An den tiefsten Stellen sollen es bis zu drei Meter sein. Aber zum Surfen, Segeln, Baden und Rudern reicht es allemal. Und die geringe Wassertiefe hat ja auch Vorteile – so kann die Oberfläche von rund 29 Quadratmetern im Winter auch mal zufrieren 🙂 

Steinhuder Meer

Der letzte Zipfel – der Wilhelmstein

Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe hatte ein verhältnismäßig kleines Land, nur rund 17.000 Untertanen und fürchtete berechtigterweise die Begehrlichkeit der Nachbarn. Im 18. Jahrhundert galt ein Land erst als erobert, wenn der „letzte Zipfel“ eingenommen war.

Auf dieser Grundlage ersann Graf Wilhelm eine List: er ließ in den Wintertagen 1761 den Grundstein zu einer Wehrinsel legen. Im Steinhuder Meer, 1400 Meter vom Ufer entfernt, schütteten seine Untertanen über fünf Jahre täglich rund 40 Fuder Baumaterial ab – kleine Steine, große Steine, Kies, Sand. Im Winter erreichten sie den Platz mit Schlitten, im Sommer mit Booten. 1765 zeigten sich endlich die ersten Steine an der Wasseroberfläche. Auf dieser Grundlage entstand bis 1767 eine sternförmige Schanze mit dem Festungsbau. 

Wilhelmstein

16 kleine Inseln drumherum vervollständigten die Festung, die mit den damals modernsten Kanonen ausgerüstet war und als uneinnehmbar galt. 

Kanonenkugeln Wilhelmstein

Zehn Jahr nach dem Tod des Grafen (und dessen Nachfolgers) kam es zum Ernstfall. Soldaten des Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel besetzen Schaumburg-Lippe, dass auf Anweisung der regierenden Witwe Juliane keinen Widerstand leistete. Nur auf dem Wilhelmstein verschanzten sich 20 Soldaten um den alten Kommandanten und konnten trotz Übermacht, Kanonenfeuer und Belagerung nicht vertrieben werden. Der Einspruch Julianes beim kaiserlichen Reichshofrat hatte Erfolg. Preußen und Hannover kamen zu Hilfe und die Hessen mussten abziehen. 

„Steinhuder Hecht“ – wer hat´s erfunden?!

Ein Boot in Hechtform mit Segeln und beweglicher Schwanzflosse lässt mich unwillkürlich zum Handy greifen. Wer war zuerst Jakob Praetorius oder Jules Verne?! Denn die U-Bootidee und Ähnlichkeit zur Nautilus, schießt einem ja sofort ins Auge…

Steinhuder Hecht

Jakob Pretorius war Ingenieur, Geograf und Offizier und ersann ein neuartiges Postschiff. Es gilt als erster deutscher Entwurf eines U-Bootes (damit es unbemerkt über den Abfluss des Steinhuder Meers in die Weser, den Meerbach, zu Verbündeten gelangen konnte). Das Modell und die Konstruktionspläne sind im Museum auf dem Wilhelmstein zu bewundern.  

Der Steinhuder Hecht ist übrigens von 1764, Jule Verne lebte ab 1828 🙂 aber ob und wie er sich vom Entwurf inspirieren lies, lässt sich nicht so schnell recherchieren. Wer mehr weiß, ist herzlich eingeladen, dies zu kommentieren.

Weitere Geschichten von der Mittelweser:

Mit freundlicher Unterstützung von TourismusMarketing Niedersachsen GmbHdie mich zu einer Pressereise an die Mittelweser eingeladen hat.

Mein besonderer Dank geht an Renate Rebmann, die uns mit Engelsgeduld und viel Humor durch Niedersachsen kutschierte.

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