So empfinde ich es jedenfalls.
Bislang habe ich ganz genau gewußt, wen ich alles im Buch habe.
Konnte zu jedem wenigstens schon mal einen groben Abriss geben.
Doch jetzt fühle ich mich gerade ohne Bodenhaftung.
Alles kommt durcheinander.
Vielleicht auch durch das mehrfache Umsortieren.
Erst hatte ich alles rein biologisch sortiert – habe erst geschaut, welche Rinder in Frage kommen, habe dann nachgesehen, wo die herkommen und ob es eventuell schon schöne Fotos gibt, oder auch wer da der Ansprechpartner ist und dann nach einer ersten Kontaktaufnahme entschieden, ob es passt oder nicht.
Dann haben wir alles einmal umsortiert.
Eigentlich ja gar nicht weiter schlimm – denn ich hatte ja auch vorher schon vermerkt, ob Norden oder Süden.
Doch nun habe ich auch noch nachsortiert, bei wem ich schon was habe – Bilder oder Texte und wo mir was fehlt.
Und plötzlich merke ich im Gespräch mit Züchtern, dass ich keine Ahnung habe, welche Schafrasse noch ins Buch kommt???!
Unfassbar.
Ich weiß wirklich nicht, warum.
Und bin natürlich entsprechend verstört. Das ist für mich ein Albtraum.
Als olle Ordnungsschnecke hasse ich solche Momente der Sprachlosigkeit.
Vielleicht nehme ich mir heute Abend die Liste mit ins Bett und lerne sie auswendig.
So nämlich.
Leer sieht anders aus
Da bin ich nun, wie angedroht, auf dem Kohlmarkt in Wilstedt. Ist eigentlich gar kein Kohlmarkt, sondern ein Schlemmermarkt.
Irgendwie habe ich es mir alles etwas anders vorgestellt, muss mich wirklich erst wieder an meine norddeutsche Heimat gewöhnen. Alles hier ist ein wenig weitläufig 😉
Und so ordentlich…
Aber hier und heute lerne ich Jochen (meine hilfsbereiten Gemüsefachmann) endlich persönlich kennen. Das Wetter könnte nicht schöner sein und so leer ist es nun auch nicht wirklich.
Es gibt eine ordentliche Ansammlung von Ständen, Kochstationen und Handwerkern.
Auch Karsten Ellenberg steht mit seiner Kartoffelvielfalt hier.
Bei ihm schaue ich natürlich auch kurz vorbei. Keine Zeit, aber so weiß man wenigstens, mit wem man es zu tun hat, wenn wir später telefonieren.
Mangold gab´s bestimmt auch irgendwoDie Kochstationen bieten ganz kleine Portionen, damit man möglichst viele verschiedene Sachen probieren kann.
Man mümmelt sich also sozusagen durch diesen Markt.
Mein absoluter Favorit ist „Bio-Pergraupenrisotto mit Nero di Toskana (schwarzer Kohl), rote Bete-Walnusspesto und Birnenkompott“. So eine Probierportion kostet dann 2,50 Euro.
Finde ich in Ordnung.
Sebastian Schneider vom Restaurant Bloom in der Botanika in Bremen hat es aus Zutaten von Green Golds (das ist Jochen!) gekocht.
Leider bin ich allein – da kann und werde ich natürlich auf das passende Glas Wein verzichten…
Auch Filder Spitzkraut, das ja hier eigentlich gar nicht so wirklich beheimatet ist, finde ich hervorragend.
Und die Präsentation der Stände ist wirklich sehr gelungen.
Bei Jochen ist viel los – wenn die Menschen an den Ständen die Sachen probiert haben, kommen sie anschließend zu den Produzenten und holen sich die Produkte. Außerdem hat er sein Schwester und jede Menge Pestos und Marmeladen dabei… alles wirklich hervorragend.
Nur zum Quatschen kommen wir natürlich kaum – aber das war abzusehen.
Dazu komme ich ja in zwei, drei Tagen noch mal her.
… erklingt der erstaunte Ruf einer Frau, mit der ich einen Termin vereinbaren möchte.
Ja und?
Wenn ich mal ehrlich bin, kann ich auf solche Feinheiten keine Rücksicht nehmen. Oder habe sie wohl auch noch nie genommen.
Das hängt sicherlich mit meinem Beruf zusammen.
Denn ob Wochenende oder Feiertag – der Fernseher flimmert und daher arbeiten wir Journalisten natürlich auch.
Meist in etwas ruhigeren Fahrwassern – aber häufig ist es gerade an den großen Feiertagen recht hektisch. Weihnachten arbeitet daher keiner gern. Da passieren immer ganz heftige Familien- oder Terrorgeschichten.
Und jetzt ist es nicht der Sendeauftrag, der mich treibt, sondern das Wetter und die knappe Zeit.
Ich bin nicht extra in den Norden gefahren um meine Familie zu sehen und eine schöne Zeit zu haben. Natürlich verbinde ich es, da wo es geht.
Aber wenn ich stattdessen einen Produzenten treffen kann und ein Interview führen, einige Fotos machen – na, was meint ihr, wer dann Priorität hat 😉
Kennt ihr die berühmte Szene des Films „Der unsichtbare Dritte“ im Maisfeld?
Roger Thornhill (gespielt von Gary Grant) steht auf einer einsamen Landstraße irgendwo im Nirgendwo und wartet auf seine Verabredung.
So ähnlich – nur mit mehr Bäumen und nicht in der weiten, kahlen Fläche Amerikas sondern im grünen Alten Land, fühlte ich mich bei meiner heutigen Verabredung mit einem der bekanntesten norddeutschen Pomologen – Eckart Brandt.
Er kämpft seit vielen Jahren für die alten Sorten dieses traditionellen Obstanbaugebietes an der Niederelbe, aus dem auch heute noch jeder 4. Apfel in Deutschland kommt. Er gilt als streitbar und genial und legt sich bei seinem Kampf für die Erhaltung des genetischen Pools locker mit jedem an.
Also ein Mann, ganz nach meinem Geschmack.
Der mich hier ins Nirgendwo bestellt hat. Um mir sein Boomgarden-Projekt zu erläutern und zu zeigen.
Zum Glück hat es wenigstens zu Regnen aufgehört und so warte ich geduldig.
Nachdem mich die Frau im nächstgelegenen Hof schon mal locker auf den Topf gesetzt hat: „Brandt – den gibt’s hier nicht. Aber sie sind nicht die erste, die das denkt. Der hat da vorne an der Straße ein paar Bäume – da müssen sie auf ihn warten.“
´tschuldigung, dass ich gewagt habe vorsichtig nachzufragen 😉
Doch dann kommt er auch schon (es läuft zum meinem Glück also doch nicht wie beim unsichtbaren Dritten!) und ich verstehe, warum ihn manche Kollegen mit einem Apfel vergleichen – er strahlt diese Bodenständigkeit, Frische und Gelassenheit aus (und jetzt fragt mich bitte nicht, was das mit Äpfeln zu tun hat – ich kann es einfach nicht besser beschreiben).
Eckart Brandt stapft in Blaumann und Gummistiefeln vor mir her in die Wildnis. Und ich bin bemüht ihm auf den Fersen zu bleiben.
Höre zu, mache Fotos und versuche mir all das zu merken, was er dabei so locker an Infos preisgibt.
Staune über Äpfel die aussehen als ob sie aus Plastik wären, die aber hier unter Biokriterien einfach so am Baum wachsen.
Sieht doch wirklich nicht wie alte Sorte und bio aus – oder?!
Auf einem Markt hat eine Kundin einen benachbarten Obsthändler gefragt, wie denn wohl der Brandt so einen makellosen roten Apfel ohne chemische Hilfsmittel erhalten haben will. Worauf der Kollege meint: den hat er bei mir gekauft und in seinen Baum gehängt – stimmt natürlich nicht, die Geschichte erfreut Eckhart Brandt aber immer noch immens.
Gar nicht erfreut ist er über die Kurzsichtigkeit der Obstbauern die nicht verstehen, wie wichtig die Vielfalt des Obstes für künftige Generationen ist. Oder Biobauern die genau dieselben Sorten anbauen, wie die konventionellen Obstbauern. Die spritzen dann halt mit Bio-Spritzmitteln statt mit Pestiziden. Ein Schwachsinn sei das, findet Brandt.
Und ist daher aus dem Bioland-Verband ausgetreten.
Nach einer halben Stunde ist alles vorbei.
Ich sitze in meinem Auto und schreibe so schnell und so viel auf, wie ich kann.
Und verabrede weiteren Kontakt, denn ganz sicher habe ich noch mehr Fragen zu diesem Thema.
Keine ist es, dass ich Brandt ins Buch aufnehme…
Wer mehr über Eckhart Brandt erfahren will – der umtriebige Apfelkämpfer hat drei Bücher zum Thema geschrieben: „Mein großes Apfelbuch“, „Von Äpfeln und Menschen“ und „Unser großes Apfelkochbuch“
Und auf seiner Internetseite www.boomgarden.de gibt es immer wieder aktuelle und „brandt-heiße“ Infos. Mein derzeitiger Liebling:
Achtung: Entgegen den Informationen des Wilkenshoffs stehen wir schon lange nicht mehr auf dem Öko-Wochenmarkt donnerstags im Hamburger Schulterblatt, wir stehen auch nicht auf dem Eimsbütteler Wochenmarkt in der Grundstraße oder an der Apostelkirche und auch nicht ( noch nie!) auf dem Wochenmarkt in Celle. Entgegen anderslautenden Gerüchten bin ich auch nicht verstorben und habe auch kein Kind bekommen.
Quelle: www.boomgarden.de
Ein gutes Gewissen gibt es auch noch…
Wenn man mit der Bahn fährt, kann man zwischen Großraum und Abteil, zwischen Ruhe und Arbeitszone wählen.
Ehrlich gesagt fahre ich in letzter Zeit gerne im Abteil.
Irgendwie ist das gemütlicher und ich fühle mich in den kleineren Räumen wohler.
Vielleicht ist ein Grund, dass ich im Großraum zweimal neben eher unangenehmen Zeitgenossen gesessen habe – und da kommt man dann irgendwie nicht aus. Denn man ist ja nur zu zweit.
Und nie ist ein Zug so voll, wie an dem Tag, an dem ein Depp neben dir sitzt.
Aber auf dem Gang zu stehen ist auf langen Strecken halt auch keine Lösung.
Daher also diesmal auch wieder meine Reservierung für ein Abteil.
Am Fenster – dann habe ich auch immer gleich einen Tisch.
Denn ich will die lange Fahrzeit bis Hamburg natürlich nicht unnütz verstreichen lassen.
Habe daher beide Koffer gepackt und der kleine ist eigentlich ein kleines, reisendes Büro.
Meinen Sambraus habe ich mittlerweile in allen Lebenslagen dabei 😉
Und natürlich die Pomologenhefte.
Da könnte ich glatt noch mehr schreiben, als ich derzeit plane….
Themen gibt es schließlich wie „Früchte im Garten“
Die Idee mit dem Auto nach Hamburg zu fahren habe ich schnell verworfen. Ein Mietwagen kostet mich für die zehn Tage keine zweihundertfünfzig Euro – bei freien Kilometern und natürlich plus Sprit.
Wenn ich dann mit meinem Auto vom Ammersee so ganz allein bis nach Norddeutschland fahre, ist das nicht viel günstiger.
Und ich bin noch mehr alleine auf der Autobahn unterwegs.
Das will ich nicht.
Da sitze ich lieber, knabbere meine Butterbreze, lausche den beiden anderen im Abteil (wir sind zu dritt auf sechs Plätzen) und lese, tippe, träume und freue mich auf ein Wiedersehen mit meiner Familie.
Natürlich habe ich am Ende der Zugfahrt nicht halb so viel geleistet, wie ich eigentlich vor hatte. Aber immerhin bin ich bei den Hinterwälder Rindern ein ganzes Stück weiter und habe mich auch auf meine ersten Besuche in Hamburg, also genauer: im Alten Land vorbereitet.
Das soll es nun also sein, dass Cover meines Buches.
Und hier noch mal zur Erinnerung die Vorgaben des Verlags zum gewünschten Foto:
„Wichtig ist, dass Sie nicht einfach nur das Schwein abbilden, sondern dass das Bild eine Geschichte erzählt und vermittelt, dass das Schwein prototypisch für das Thema steht. Dies kann geschehen durch einen Hintergrund (Landschaft, ein Hof im Anschnitt), durch ein Stück Zaun, einen umgekippten Eimer – irgendein „landlustiges“ Element, das deutlich macht, dass hinter dem Schwein mehr steckt.“
Tja – wie man mal wieder sieht – man sollte solche Anweisungen einfach generell missachten und schauen, dass man eine Sache abliefert, die einem selbst gefällt. Dann hat man gute Chancen, dass auch die Auftraggeber sie gut finden.
Egal – weiter geht´s. Ich habe auch so genug zu tun….
Jedenfalls finde ich das Cover gut und hoffe natürlich, dass es euch auch gefällt 😉
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