Wir stehen auf Berlin – 1 + 2

Hotel Concord - jeden Stern und Cent wert
Mehr als 20 Jahre war ich nicht mehr hier.
In der Hauptstadt.
Die bei meinem letzten Besuch noch geteilt war und gar nicht richtig hauptstädtisch.

Doch mein Sohn will endlich mal sehen, wo dieses Land regiert wird und das wechselhafte Wetter lockt uns vom See weg und nach Berlin.
Und nicht nur uns…

Das Hotel darf er aussuchen. Ich glaube, ich lasse ihn das ab jetzt immer machen 😉
Ein wirklicher Volltreffer.
Direkt am Kudamm – also so, dass man schnell und überall hinkommt.
Aber auch schon einfach mittendrin ist im Geschehen.
Tolle Zimmer, sehr guter Service und ein fantastisches Frühstücksbuffet, dass wirklich keine Wünsche offen lässt.
Mit einem Koch, der alle Arten von Eiergerichten, Pfannkuchen, Crepes, Waffeln und sicherlich noch einiges mehr direkt vor deinen Augen (und ganz frisch) zubereitet.
Natürlich ist das nicht für 50 Euro die Nacht zu haben – aber ich kann das Concord wirklich empfehlen.

Echt sehenswert
Am ersten Abend locken uns gleich die Gedächtniskirche und der Kurfürstendamm.
Meinen Sohn beeindrucken die Straßenkünstler und erst im Verlauf dieses Abends bemerkt er die Vielzahl von Bettlern, Straßenhändlern und Animateuren.
Er ist irritiert – das gibt es in unserem beschaulichen Dießen so nicht.
Doch wir haben während all der Tage Glück und treffen nur auf gemäßigte Schnorrer.
Das habe ich auch schon übler erlebt.
Er ist dennoch ziemlich geschockt und versteht nicht, warum es in Deutschland überhaupt Bettler gibt.
Ich glaube ich auch nicht.

Entlang des Kudamms mit seinen noblen Einkaufs- und Fresstempeln stehen Bären.
Bunt, hässlich, viele, kitschig, hübsch, prächtig und manche auch wirklich sehr schön.
Die Buddy Bears haben gleich doppelt Grund hier in Reih und Glied zu stehen:
Bären gehören zu Berlin und dienen auch gleich noch einem guten Zweck.

2. Tag

Vom Hauptbahnhof aus hat man nur wenige 100 Meter Fußweg rüber zum Reichstag.

... aber nur, wenn es Internet hat.
Ein reger Andrang herrscht hier und ich habe endlich Gelegenheit, mich mal so richtig zu ärgern:
die von mir vorab per Email angefragte Führung bekommen wir nicht.
Die Antwort darauf hat über eine Woche gedauert.
Bekomme ich erst im Laufe dieses Tages.

Eine Anmeldung hier vor Ort ist natürlich schon gar nicht möglich.
Anmeldungen nur und ausschließlich per Internet.

Warum bitte, kann ich mich nicht hier mit unseren Ausweisen in eine Liste eintragen und morgen oder übermorgen wieder kommen?
Weil das Internet sicherer ist?
Wer glaubt denn so was??

So sperrt man doch gleich mal einen großen und wohl meist älteren (oder auch weniger pfiffigen) Teil an Interessierten aus.
Aber wer will auch schon Oma und Opa bis zur Reichstagskuppel hoch lotsen.
Der Besucherservice des Bundestages anscheinend jedenfalls nicht.

Und ich kann euch gleich verraten, das auch meine zweite Anfrage (hat meine Mann parallel von daheim noch mal per Internet gestellt – Antwort kommt dann zwei Tage später) nicht zum Erfolg führt – da soll man sich nämlich den Tag und soll dann zwei Uhrzeiten angeben.
Einzig noch möglicher Tag der Liste ist unser Abreisetag – also wähle ich zwei Zeiten, die möglich und realistisch sind.
Was ich schließlich bekomme, ist eine Bestätigung zur Besichtigung während wir uns mit unserm Zug in etwa in der Höhe von Jena – also bereits auf dem Rückweg – befinden.
Herzlichen Dank – nein – da kann ich nun mal nicht.
Und mag auch ehrlich gesagt gar nicht mehr.

Für mich ist diese Art mit Interessierten umzugehen einfach nicht nachvollziehbar.

Erstens finde ich die Beschränkung auf Internetanmeldungen diskriminierend und zweitens scheint der „Besucher-Service“ andererseits selbst ja gar nicht in der Lage zu sein, Computer fachgerecht zu nutzen – sonst würden Antworten nicht mehrere Tage dauern und man könnte gleich gezielt „frei“ Termine und Uhrzeiten anbieten und per Computer verwalten.

Die Kids durften natürlich auch Seifenblasen machen - und die wurden genauso schön

Also lassen wir den Reichstag Reichstag sein und wandern rüber zum Brandenburger Tor.
Auch hier wieder einer der angenehmeren Straßenverdiener – seine Seifenblasen sind wirklich eine Show.
Werden wir bestimmt zu hause nachbauen.
Dafür ist man nie zu erwachsen.

Unter den Linden wandeln wir nun weiter in Richtung Alexanderplatz.
Und mein Sohn überrascht mich mit seinen bohrenden Fragen zur Berliner- und Deutschen Geschichte.
Alles will er wissen und zwar möglichst genau.

Die vielen historischen Plätze locken immer neue Fragen und ich habe schon Angst an meine Grenzen zu stoßen und Unsinn zu verzapfen.
Also kaufe ich doch noch einen kleinen Berlinerführer.
Hatte ich eigentlich gar nicht vor – doch jetzt bin ich ganz entspannt – denn er zeigt mir, dass ich mich in der alten Heimat meines Vaters ganz gut auskenne und zurechtfinde.
Da bin ich dann doch ein wenig stolz 😉

Im Aufzug zwischen den Fischen und Schwärmen hoch zu fahren ist ein Highlight
Das allerliebste Hotel wäre meinem Sohn übrigens das Radisson Blue gewesen – wegen des Meerwasseraquariums… – aber dann hätten wir wohl nur eine Nacht in Berlin bleiben können…
Also essen wir aber wenigstens in der Lobby zu Mittag und bewundern die Fische und das Hotel gebührend.

Danach geht es außerplanmäßig ins Sealife – denn nur so kann man in dem Aufzug mitfahren – und das will er nun unbedingt.
Schließlich sind wir hier im Urlaub und da muss man sich solche Dinge auch gönnen 🙂

Wobei der Rest von Sealife wirklich nur so lala ist – der Tintenfisch ist sehr nett – aber lebt in einem echt kleinen Becken – die Rochen sehen toll aus und Seepferdchen mag ich eh.
Aber alles in allem haben wir es nur für die Aufzugfahrt gemacht – doch die war auch wirklich außergewöhnlich beeindruckend.
Leider etwas kurz… aber was erwartet man auch schon von einer Fahrt mit einem Aufzug.
Und sei er noch so spektakulär.

Weiter geht es zum Alex.
Der hat sich seit damals schon sehr verändert.
Und ein Volk ist hier unterwegs – der reine Wahnsinn.
Die Sonne steht schon tief – unsere Füße qualmen – Eindrücke satt.

Und natürlich alles fest in der Hand des Konsums.

War damals doch alles deutlich überschaubarer.
Als wir Wessi-Schüler hier 1983 rumschlenderten konnten wir vielleicht ein paar Bücher oder Postkarten kaufen.
Und die DDR-Kultur und Politik wahrnehmen.
Das war´s.

Klar, der Fernsehturm und die Weltzeituhr standen schon – aber es ging doch wirklich auch viel gesitteter zu.
Menschen in Anzügen, einige wenige Fahrzeuge und immer ein Mensch in Uniform in der Nähe – so wie hier sah es aus.

Und keine Jugendlichen mit Rucksack, Döner und bunten Klamotten, die auf dem Boden rumlungern…

Morgen geht es weiter.

3 Antworten auf „Wir stehen auf Berlin – 1 + 2“

  1. Hallo Anne, habe mich nach meinem Urlaub gleich auf deinen Blog gestürzt. Beim Lesen Deiner ReichstAg-Odysee musste ich spontan an Big Brother denken. Für mich hört es sich ganz so an, als ob man erstmal Durchleuchtet wird, bevor man eine Besuchserlaubnis bekommt. Wo ist die Partei, die uns davor schützt?
    Liebe Grüße Andrea

  2. Willkommen zurück.
    Ja – das Vorgehen stimmt einen nachdenklich. Und wie ich schon im Artikel schrieb: dieser Glaube an das Internet macht mir Angst.
    Liebe Grüße
    Anne

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