Der Birnenmann

Und damit ist diesmal kein Pomologe gemeint!
Ich kann nämlich auch ganz anders…
habe in meinem Text über das Stuttgarter Gaißhirtle (einer kleinen, zuckersüßen Birne, die auf den ersten Blick gar nicht erkennen lässt, wie aromatisch sie ist) den Hinweis eingebaut, dass ein Birnenbaum des Gaißhirtles in der Markt Brandenburg steht.

Nicht irgendwo, sondern in Deutschlands berühmtesten Birnengarten – bei Schloss Ribbeck.

Als bekennender Ribbeckfan (sogar mein Sohn kann dieses Gedicht auswendig, was ja schon ein wenig darüber verrät, wie häufig ich es ihm vorgelesen habe) musste dieser Hinweis einfach rein.

Sehr berührt hat mich dann der Hinweis von Nadia, die alle meine Texte lesen darf/muss/will bevor irgendjemand anderes sie in die Finger bekommt und die meint: da muss aber unbedingt das Gedicht dazu.

Eigentlich hat sie natürlich (wie so oft) Recht.
Aber mir fehlt der Platz.
Und daher schreibe ich es euch hier hinein – da könnt ihr es dann einfach nachlesen:

Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll,
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: »Junge, wiste ’ne Beer?«
Und kam ein Mädel, so rief er: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb ’ne Birn.«

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. ’s war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: »Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab.«
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Büdner mit Feiergesicht
Sangen »Jesus meine Zuversicht«,
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
»He is dod nu. Wer giwt uns nu ’ne Beer?«

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gingen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet’s wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung‘ übern Kirchhof her,
So flüstert’s im Baume: »Wiste ’ne Beer?«
Und kommt ein Mädel, so flüstert’s: »Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew‘ di ’ne Birn.«

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

Quelle: www.vonribbeck.de

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