Bergauf-Bergab – Wanderung am Bodensee

Da kommt wieder die Unbedarftheit einer Norddeutschen durch: ich habe mich zum Genusswandern am Bodensee angemeldet und ahnte in keiner Weise, wie sehr eine Wanderung hier bergauf-bergab gehen kann. Unfassbar. 

Drei zertifizierte Bodensee LandGänge sind auf unserer (also der Bayerisch-Baden-Württembergischen) Seite zu erkunden: „Gehrenberger Guckins-Land“, „Bermatinger Waldwiesen“ und die „Bergtour Höchsten“. Dies sind in sich geschlossenen Rundwanderwege mit ganz unterschiedlichen Ansprüchen: von locker Schlendern bis zu heftig Schnaufen. Und ganz klar: damit starten wir. 

Also mit dem höchstmöglichen Anstieg des Guckins-Land… es geht vom Parkplatz Vogelsang zum Geherbergturm rauf. Hier erwartet uns eine „fantastische Fernsicht“ – allerdings erst beim nächsten Besuch, denn heute hängt der Herbstnebel über dem See und nix is mit Fernsicht. Leider. Wenn ich mir die Fotos im Internet anschaue, haben wir echt was verpasst.

Dennoch sind einige von uns wirklich richtig glücklich oben anzukommen – es ist schon eine sportliche Herausforderung und einige von uns (mich leider eingeschlossen) fehlt die nötige körperliche Fitness, von 481 auf 715 Höhenmeter auf einer Strecke unter 2 Kilometern und mit straffem Zeitplan einfach mal so hinter sich zu bringen. Ich bin nun mal ein super Langstrecken-Geradeaus-Walker. Die Bewältigung von Anstiegen (und Abstiegen) macht mir eher keine Freude. 

Für Fußkranke sollte die Wanderung also lieber auf die Bermatinger Waldwiesen gehen- die sind familiengeeignet und sozusagen „ebenerdig“.

Unsere nächste Herausforderung – der SeeGang mit Start auf der „Zimmerwiese“ in Sippling – der Name Wiese macht mir natürlich gleich Mut. Der Empfang 568 Meter über dem Meeresspiegel (aber diesmal nicht selbst erklommen) ebenfalls: alles ist liebevoll für eine kurze Mittagsrast vorbereitet. Witzig die kleine Brotzeit im Korb – auch wenn die Schokolade die endlich durchgebrochene Sonne (und natürlich gleich unvernünftig warme) nicht schätzt – sie will sich gleich verflüssigen.

Der Ausblick ist toll (so ähnlich hätte es natürlich auch beim Guckios-Land ohne Morgennebel ausgesehen) und wir haben eine erholsame Viertelstunde, bevor die 5 Kilometer zum See bewältigt werden wollen. 

Vorbei an alten Obstbäumen und zu meiner großen Freude auch an neugepflanzten Bäumen alter Sorten 🙂 Wusste ich doch, dass der Bodensee mehr zu bieten hat als diese allgegenwärtigen Spindelbäumchen…

Landschaftlich ist es hier wirklich fein, auch die Septembersonne spielt jetzt die ihr zugewiesene Rolle, aber irgendwie fängt es schon wieder an auf und ab zu gehen. Und ich komme auch dahinter warum – hinter dem so harmlos wirkenden Namen „Tobel“ verbirgt sich nämlich eine Schlucht. Ziemlich tief, ziemlich steil – und ihr ahnt es schon – wo es auf einer Seite runter geht, muss man auf der anderen auch wieder hoch. Ich dachte ja, wir marschieren von hier oben einfach bergab an den See … daher doch auch der Name SeeGang. So weit meine vorschnelle Theorie.

Hödinger Tobel

Ein Naturschutzgebiet von rund 28 Hektar. 

Auf einer Länge von etwa zwei Kilometern überwindet der Tobelbach ungefähr 170 Meter Gefälle Richtung Bodensee und endet bei Süßenmühle. Dieser tiefe Einschnitt mit Hangrutschungen, Quellschichten und Kalktuffbildungen ist das Werk einer starken nacheiszeitlicher Wassererosion im weichen Molassesandstein. Schutzzweck ist insbesondere die Erhaltung und Aufwertung des steilen Erosionstobels im Überlinger Molassegebiet. Besonderer Schutz gilt dem vorhandenen Orchideen-Buchenwald und Geißklee-Kiefernwald. Eine vergleichbare Entstehungsgeschichte hat auch der Spetzgarter Tobel weiter östlich. (hpw)

Angenehm empfinde ich das Wandern durch den Wald, die Wege sind gut befestigt und ausgeschildert, auch trifft man selten andere und so kann man die Natur pur geniessen. Ich überlege, wenn uns Wanderer entgegen kommen, welche Richtung des SeeGangs ich bevorzuge und entscheide einstimmig: unsere! Denn für die anderen geht es ja noch mehr bergan.

Aussichtspunkt Torkelbühl

Es lohnt sich den Bodensee von oben zu betrachten – da kommt die ganze Weite und Schönheit dieser Landschaft richtig zur Geltung. Außerdem ist es immer ein guter Grund bei einer Wanderung mal eine Rast einzulegen… damit einige wieder auf und Luft holen können 🙂

Spezgarter Tobel

Ja – es ist landschaftlich ein Traum – wild und romantisch ist diese Schlucht. Wahnsinn, was so ein kleines Bächlein im Laufe der Zeit allein durch sein Vorhandensein bewirken kann.

Aber muss es deswegen immer so steil dahergehen. Als wir in den Tobel absteigen ahne ich furchtbare Dinge… hier komme ich auf keinen Fall mehr auf der anderen Seite wieder hoch. Ich setze mich auf den Boden und warte auf Rettung – so mein Plan.

Zu meinem Glück ist der Aufstieg auf der anderen Seite eher flach und so habe auch ich eine Chance meine Wanderung mit erhobenem Kopf abzuschließen. So was versöhnt mich ja… und ich laufe schon wirklich gern durch den Wald. Auf einer Ebene!

Weitere Geschichten vom Bodensee:

Mit freundlicher Unterstützung von Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg*die mich zu einer Pressereise an den Bodensee eingeladen haben.

Mein besonderer Dank geht an Sannah Mattes von Tourismus Baden-Württemberg und Markus Böhm von der Internationale Bodensee Tourismus GmbH.

*Werbung

Dieser Artikel enthält Links zu Produzenten und persönliche Empfehlungen von mir. Ich bin dafür zwar weder bezahlt noch beauftragt worden, doch da ich Produkte nenne, muss ich dies als Werbung kennzeichnen.

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