Messe-Phobiker

Die machen es richtig und verschlafen den ganzen Zirkus
Die machen es richtig und verschlafen den ganzen Zirkus
Ich weiß auch nicht was mir da fehlt – ein Gen, das Verständnis, die Geduld.
Oder auch von allem ein bißl.

Jedenfalls bin ich ein wirklich echter Messe-Phobiker.
Ganz gleich ob ich in meinem Leben als Besucher, Aussteller oder Berichterstatter auf eine Messe gehen muss – ich kann diesen Veranstaltungen einfach nichts abgewinnen.

Heute nun bin ich auf dem ZLF – dem Zentralen Landwirtschaftsfest neben dem Oktoberfest (eine Oktoberfest-Phobie habe ich leider auch – aber sonst glaube ich keine weitere…).
Es ist eine Einladung des Landwirtschaftsministeriums an die Menschen, die sich mit Archepassagieren bei Slow Food oder auch in anderen Organisationen beschäftigen. Im Anschluß an das Treffen im Ministerium, dass den Vormittag in Anspruch nahm und bei dem ich auch wirklich einiges neues gehört und gelernt habe, steht dann dieser gemeinsame Besuch des ZLF.

Ich also mit.
Aber ich muss gestehen – ich kann diesen armen Viechern, die da in völlig überhitzten Hallen stehen/liegen, nichts abgewinnen. Wenn ich da an die Tiere denke, die ich in letzter Zeit kennen gelernt habe.
Draußen, auf der Weide oder auch bei den Landwirten im Stall.
Das ist echt was ganz anderes…

Auch dieses Menschengewimmel macht mich irgendwie aggressiv.

Egal wie fein die rausgeputzt sind.
Die jungen Männer, die um die riesigen Landmaschinen rumscharwenzeln…
Die Familien, bei denen Papa allen erklärt, was es zu sehen gibt….
Die Frauenpärchen, die nur schauen, ob und wer schaut….

Nein – ich seile mich ab und fahre heim.
Irgendwann werde ich es ja wohl hoffentlich begreifen, dass ich gegen meine Messe-Abneigung einfach nichts machen kann und einfach im Vorfeld solche Besuche ablehnen.

Mein Kampf um den Rhabarber

Der will sich vor mir verstecken - aber ich erwische ihn!
Der will sich vor mir verstecken – aber ich erwische ihn!

Manchmal ist es das „Zuwenig“, dass es mir schwer macht.
Doch diesmal ist es wohl eher das „Zuviel“.

Ich habe mittlerweile so viel über Rhabarber gesammelt, gelesen und gehört, dass ich nicht mehr so richtig weiß was ich darüber schreiben soll.

Dabei hat Rhabarber eh schon mehr Platz als andere Gemüsesorten.
2 Seiten Rhabarber plus 2 Seiten Rhabarberzüchter.

Aber das rettet mich nicht.
Es gibt einfach unendlich viele schöne Geschichten im Hintergrund: die Chinesen und ihre Geschäftstüchtigkeit, die Russen und die erste weltweite Qualitätskontrolle, die Rätsel um Namen und Ursprung des Rhabarbers, die Verwirrungen um die unterschiedlichen Arten, Anekdoten rund um Rhabarber in unserem Land und vieles mehr.

Der erste Textenentwurf ist entsprechend umfangreich, fundiert und klar. Das ist meine Art mich einem Thema zu nähern und es dann wieder allein zu lassen. Ganz allein. Am liebsten ein paar Tage.

Das kostet mich natürlich Zeit und Mühe, aber wenigstens weiß ich um meine Fehler und arbeite daran sie zu beheben 😉
Warum ich diesen ersten Entwurf so schreiben muss, weiß ich nicht – wundere mich aber natürlich eher über Menschen, die nicht so arbeiten.

Und danach geht es plötzlich besser.
Ich habe alles einmal erklärt und ausformuliert und kann im zweiten Schritt viel leichter über Rhabarber philosophiere… habe die Leichtigkeit Dinge ungesagt zu lassen, ohne die Zusammenhänge zu vergessen.

Viel einfacher sind da natürlich Reportagetexte, denn da ist der fachliche Anteil geringer und ich sehe den Menschen und das Produkt vor mir.

Zum Glück habe ich in der nächsten Bearbeitungsrunde Freunde, die meine Texte dann erstmals lesen und redigieren. Da fallen (hoffentlich!) dann die meisten Gedankensprünge und Fehler auf, bevor das Lektorat sich der Sache annimmt.
Und ich natürlich erneut mit den Beschreibungen und meinen eigenen Ansprüchen konfrontiert werde, bevor ihr sie dann irgendwann vorgesetzt bekommt.

Es war einmal – ein Gänsehirt

Nein - auch keine alte Rasse - aber es ging ja auch um den Hirten ;-)
Nein – auch keine alte Rasse – aber es ging ja auch um den Hirten 😉
Einige der Rassen kann man einfach nicht in einer bestimmten Region fixieren… andere tragen die Region bereits im Namen – wie zum Beispiel die Diepholzer Gans.

Jetzt müsst ihr aber nicht glauben, dass das die Sache irgendwie einfacher macht. Auch in der Region Diepholz ist nur bedingt etwas über sie in Erfahrung zu bringen. So was frustriert ungemein.

Ein Lichtblick kommt da aus Obermeiser.
Wie – ihr wisst nicht wo das liegt?

Keine Angst – natürlich musste auch ich erst die Landkarte (bzw. heutzutage natürlich Google) bemühen:
Nordhessen im Landkreis Kassel.

Und wisst ihr wenigstens was es in Obermeiser gibt?
Einen Gänsehirten.
Super, oder?!

Darauf gebracht hat mich ein toller Artikel des Arbeitskreises Dorfgeschichte Obermeister, den ihr hier findet.

Natürlich hatte ich sofort das Bild eines Gänsehirten mit Diepholzer Gänsen vor Augen.
Ich wäre sogar bereit, noch mal die Pferde/Gänse zu wechseln und mich mit einer anderen alten Rasse anzufreunden. Schließlich steht noch nicht viel über sie in meinem Manuskript.

Warum sollten Menschen in Obermeiser auch nicht darauf geachtet haben, eine alte Gänserasse zu nehmen…
Ja – warum?

Wahrscheinlich weil sie nicht wie ich nur noch an alte Rassen denken.
Auf jeden Fall sind die Menschen in Obermeiser total hilfsbereit und schnell:

Nach Rücksprache mit unserem Lieferanten können wir Ihnen mitteilen, das unsere Gänse aus einer dänisch-deutschen Landgänse-Kreuzung stammen.
Unsere Enten sind eine Kreuzung zwischen Flug- und Hausente, die sogenannte Mularde.

Sooooooo schade. Das hätte wirklich gut gepasst.

Jetzt geht also meine Suche rund um die Diepholzer Gans weiter.
Und ihr dürft mir natürlich vertrauen – auch da werde ich schließlich noch die richtige, wundervolle Geschichte dahinter finden… auch ohne Gänsehirten!

Schwarzwald-Schönheit

Geländegängig muss man hier schon sein
Geländegängig muss man hier schon sein
Seit ich vor einigen Jahren mal eine Weile im Schwarzwald war, hat mich der wilde Zauber dieser Landschaft gefangen.
Und als ich mich entschied Hinterwälder Rinder in meinem Buch mit aufzunehmen, wußte ich sogleich, dass ich die unbedingt selbst besuchen wollte 😉
Warum wohl!?

Hinterwälder sind die kleinste heimische Rinderrasse. Die Herde die ich besuche gehört Hubert Schätzle, der in dieser Gegend mit 80 Rindern bereits zu den Großbauern zählt. Wenn ich da an die Ställe in Norddeutschland denke – da spricht man ja auch von „Rinderproduktion“ – was ich einerseits einen grauenhaften Ausdruck und andererseits leider eine Untertreibung finde….

Die Kühe von Bauer Schätzle leben draußen, am Hang 😉
Er ist Milchbauer mit mobiler Melkmaschine und fährt daher zweimal täglich raus zu seinen Tieren.
Die kleinen Viecher schauen schon so schlau!

Wahnsinn.

Rhabarber, Rhabarber

Um so schönen Rhabarber zu sehen, bin ich ein wenig spät im Jahr. Danke für alles Roland und Marlies
Um so schönen Rhabarber zu sehen, bin ich ein wenig spät im Jahr. Danke für alles Roland und Marlies
Alle die denken: „Warum fährt sie für Rhabarber in die Schweiz?“ kann ich beruhigen: ich spinne nicht!

Ich besuche Roland Fasnacht, der ein exzellenter Kenner dieses seltsamen Gemüses ist, von dem auch ich dachte, dass man es nur in Norddeutschland findet.
Stimmt nur bedingt – denn das erste was ich lerne ist: Rhabarber braucht Kälte.
Natürlich nicht nur, aber unbedingt 😉
Sonst bekommen die Pflanzen keinen Wachstumsbefehl und rot will sie auch nicht werden.

Was mir natürlich nicht klar war: ich befinde mich in dem ersten französischen Ort der Schweiz.
Und ihr wisst ja, wovon ich gar keine Ahnung habe – von der französischen Sprache!

Doch zum Glück sprechen Roland und seine zauberhafte Frau Marlies hervorragend Deutsch und haben ein wunderschönes Haus, dass genau dort steht, wo seine Oma früher Rhabarber angebaut hat – ich habe das Beweisfoto gesehen.
Super Geschichte.

Wer sich ein wenig auskennt und aufgepasst hat, ahnt schon dass ich keine Fotos von Rhabarber mitbringen kann. Auch da helfen mir Roland und Marlies aus der Patsche… neben umfassenden Informationen rund um Rhabarber, verschiedene Arten und Verwendungsformen, die Besonderheiten des Schweizer Gemüsemarkts und die Region, erhalte ich auch noch zwei Kürbisse und eine Brotzeit. Wahnsinn!
DANKE!!!
Der Tag bei den beiden gastfreundlichen Schweizern und am Mont Vully in Sugiez ist traumhaft. So ein richtig schöner Spätsommertag.
So darf Arbeiten ruhig häufiger sein 😉

Bis zu 2 Meter hoch soll er werden. Dieser ist gerade mal einen...
Bis zu 2 Meter hoch soll er werden. Dieser ist gerade mal einen…

Zum Schluß entdecke ich auch noch eine Pflanze des altmärkischen Braunkohls im Hausgarten. Den hatte ich hier natürlich gar nicht vermutet. Aber wer seltene Pflanzen liebt, ist halt auch für Überraschungen gut und für allerlei Experimente zu haben.
Roland erzählt, dass er sich gerne „neue“ alte Saaten schicken lässt.

Also mache ich wenigstens hiervon noch ein Foto – falls ich keine anderen bekomme, bin ich so schon mal versorgt. Denn die Geschichte des Braunkohls, aus dessen Strünken die Bauern früher Zaunpfosten und Dachsparren gemacht haben, finde ich sehr spannend.

Rolands weiterführende Literaturempfehlungen zu Rhabarber:
Heeger E.F., Handbuch des Arznei- und Gewürzpflanzenbaus (muss ich aus der Bücherei holen – ist nämlich nicht gerade günstig)

„Rhabarber, Rhabarber!“ von Torkild Hinrichsen – das hat natürlich einen deutlich nordischen Fokus… ist bestellt, mal schauen wie es ist.

Eine stachelige Angelegenheit

Vielleicht doch lieber Artischocke??
Vielleicht doch lieber Artischocke??

Eine Distel zum Essen.
Manchmal wundert man sich schon wo unsere Vorfahren ihre kulinarischen Köstlichkeiten gesucht und gefunden haben.

Aber da ich bekennender Artischocken-Süchtling bin, hat mir die Idee einer alten und wilden Variante natürlich sogleich gefallen.
Es war nicht so einfach das Lektorat von der Notwendigkeit einer Beschreibung zu Cardy zu überzeugen.
Kennt heutzutage ja wirklich kaum jemand.
Auch ich musste ein Weilchen suchen…

Die Genfer haben schließlich wirklich geholfen.
Dort gehört ein Cardylauflauf ganz traditionell zu einem guten Weihnachtsessen.

Die Hugenotten sollen das stachelige Wintergemüse Ende des 17. Jahrhunderts bei der Flucht aus Frankreich sozusagen „im Gepäck“ gehabt haben. Und scheinen die ansässigen Schweizer ja durchaus von seiner Schmackhaftigkeit überzeugt zu haben 😉

Und mein Nord-Joker Jochen möchte auch nicht mehr darauf verzichten. Auch wenn es bei der Ernte nach seiner Schilderung böse pickst:

Auch wenn die Ernte nur unter größten Qualen möglich ist…smile…da helfen sogar die dicksten Oelhandschuhe wenig, die Stacheln gehen dir trotzdem in die Hand….und liegen seine Blätter auch schon total vergilbt im Gras, pieksen sie dich noch durch die Birkenstocklatschen.

Als Kardone findet man die Distel übrigens auch in alten deutschen Kochbüchern. Es war also früher gar nicht so unüblich.
Vom Bleichen, wie es die Genfer machen um die Bitterstoffe zu mildern, will Jochen nichts wissen – er mag sich nicht mehrfach in Gefahr begeben und meint, dass seine biologisch schonenden Anbaumethode gar nicht viel Bitterkeit aufkommen lässt.

Na, mal schauen, ob ich davon etwas merke, wenn ich in den Norden fahre um es mir vor Ort anzuschauen.
Eine ordentliche Rüstung habe ich vorsorglich schon mal geordert!
Wie ich sie transportiere, steht aber noch in den Sternen.