Lecker kommt natürlich von (sch)lecken

Was ist eigentlich so schlimm am Ausdruck „lecker“? Immer wieder treffe ich Menschen, die der Meinung sind mir sagen zu müssen, dass man es nicht nutzen soll, darf, kann. Mit den fadenscheinigsten Argumenten – oder ganz konsequent ganz ohne Erklärung.

Damit reihen Sie sich in eine beachtliche Gruppe von lecker-Feinden. Unwort des Jahres ist es laut Otti Fischer und inflatorisches Unwort des Jahrzehntes im Promikatalog.

Während der Kabarettist wenigstens noch die linguistische Herleitung zur bayerischen Verdammung bemüht, macht der Verfasser im Promikatalog das Feindbild Frau als Ursprung des Missbrauchs aus. Mit kleinem Seitenhieb auf den Ruhrpott und Kochshows.

Wesentlich aufschlussreicher und ausgeglichener kommt da ein Artikel der Badischen Zeitung daher:

Woher diese Abneigung gegen ein währschaftes Wort, das schon in der Odyssee („Und sie hoben die Hände zum lecker bereiteten Mahle“) vorkommt? Auch Goethe sprach unbefangen von der „leckeren Wirkung“ von „leckern Speisen“ auf Leib und Seele. Soll man etwa den stets „leckeren“ Fraß der Fernsehköche und Schokoriegelhersteller mit so geschraubten Adjektiven wie delikat, schmackhaft oder köstlich verbessern? Frauen finden „lecker“ eher süß, ja erotisch; sie bewegen sich dabei auf etymologisch gesichertem Boden: Lecker kommt natürlich von (sch)lecken. Grimms Wörterbuch verzeichnet es vor allem als Hauptwort: „Einer, der leckt“, labt sich an Honig (oder Speichel, Jungfern und anderen Dingen „von vorzüglichem Wohlgeschmack“).

So – damit wäre doch wieder alles klar und ich werde diesen Ausdruck auch weiterhin da einsetzen wo ich ihn als aussagekräftig erachte: wenn´s mir schmeckt!

Und wer den ganzen gelungenen Artikel lesen möchte: DAS LETZTE WORT: Verfluchter alter Lecker

13 Antworten auf „Lecker kommt natürlich von (sch)lecken“

  1. „Lecker“ kommt von Oma’s Käsekuchen und dem befreundeten Schokoladenkuchen, sicherlich auch von den kleinen, süßen Hefeschnecken, deren Genuß mir bis jetzt noch verwehrt geblieben ist. Lecker, lecker, lecker.

    Gruß Nadia

  2. Lecker ist schecklich ungenau -ein wischi-waschi-wort.
    genau so ist kross ! Warum nicht Knusprig ?
    Moderator Kerner meinte mal nachdem er ein Essen kostete : Nicht unlecker !
    Lecker ist ein Unwort und eine schlimme verarmung der sprache.

  3. Einzelne Worte unserer Sprache sind nicht ungenau. Wie auch. Es kommt auf den Einsatz und die Kombination an. Und diese sind individuell sehr verschieden.
    Lecker vermittelt eine Stimmung, die ich zum Beispiel gerne nutze.
    Auch kross und knusprig beschreiben unterschiedliche Zustände – warum sollte das eine Worte als Unworte bezeichnet werden und das andere korrekt sein? Etwas mehr Toleranz anders Denkenden gegenüber, bitte 🙂

  4. ich kann „Lecker “ nicht mehr hören ! schlimm genug, wenns die deutschen verwenden, aber nun in österreich ist alles
    lecker lecker – da kommt mir das kotzen

  5. Kennt jemand noch andere Eigenschafts-/Umstandswörter, die sich schnurstracks direkt aus einem Zeitwort herleiten?
    Abgesehen von den Scherzworten ´schlecker´ und ´dufte´ …
    Also, ich meine: Wenn ein Getränk gut schmeckt, ist es dann ´glucker´ oder ´trinker´? Ausgerechnet etwas gut schmeckendes soll sich also von ´lecken´ herleiten … Grübel, grübel.
    Warum nicht ´koster´ von kosten, oder ´schlucker´ von schlucken?
    Kann da nicht vielleicht nicht ein ganz anderer älterer Kern verborgen sein: Wie wäre es mit einer Herleitung von ´locken´ oder ´löcken´ < verlocken < verlockend < löcker < lecker … ?
    Einfach zum Nachdenken

  6. Ah – ja: wo ich das her habe

    http://woerterbuchnetz.de/DWB/?sigle=DWB&mode=Vernetzung&hitlist=&patternlist=&lemid=GL03114

    leckerbrot, n. brot eines bösewichts (nach lecker 3):
    leckerbube, leckersbube, m. böser bube (vergleiche lecker 3)
    leckerei, f. , nach lecker und dem verbum lecken, in verschiedenem sinne;
    • mutwilligkeit, wie sie ein junger laffe hat (nach lecker 3): das er die leckerei oder geilheit seines eignen fleisches mög undertrucken. Keisersberg seelenpar. 39a.
    • niederträchtigkeit, gesinnung und aufführung eines buben oder nichtswürdigen (lecker 2 und 3)
    lecker 3) übertragen, wählerisch in bezug auf andere sinnenreize und geistige nahrung

  7. Und jetzt kommen die Anmerkungen schon per Email an mich… natürlich von einem „lecker“ Gegner… ich bin immer wieder erstaunt, wie wichtig dieser Blogbeitrag anscheinend war 🙂

  8. Zwei Kochtöpfe haben zwei unterschiedlich große Löcher im Boden. Dann ist einer leck, der andere lecker.
    Ach, leck mich doch … mit dem grauslichen Wort für wahrscheinlich „gut, köstlich, etc.“ schmeckendes Essen!
    HOMO AUSTRIACUS

  9. Das Wort lecker im Munde von Erwachsenen hört sich für mich sehr sehr kindisch an. Es wäre interessant zu wissen , wie es anderen , die Deutsch als Fremdsprache haben, mit der Wort umgehen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.