Wo die Kirschen zuhause sind

Historische gesehen sind Kirschen ein echt deutsches Ding. Schon der französische Pomologe Leroy schätzte im 19. Jahrhundert die Anzahl der Kirschsorten in Deutschland auf mindestens 350 – inzwischen geht man sogar von mehr als 600 aus – also für die damalige Zeit. Darunter sind und waren natürlich auch regional begrenzte Sorten. Frankreich hatte im Vergleich zur gleichen Zeit nur rund 150 Kirschsorten.

Vor allem die Mitte Deutschlands ist von Kirschen geprägt. 

Kirschen im EichsfeldUnd manchmal muss man Glück haben. Meins sah in diesem Fall so aus, dass ich zeitgleich mit dem Frühling und der Kirschblüte im Eichsfeld ankam. So was ist kaum zu planen… und da wurde mir erst bewußt, dass das Gebiet ganz nah an Witzenhausen liegt. Einem Ort, der für seine Kirschen berühmt ist. Den Titel „Kirschenland“ hat sich Witzenhausen im hessischen Werratal als eines der ältesten und größten Kirschanbaugebiete Deutschlands und Teilstandort der „Deutschen Genbank Kirsche“ gesichert. Über 160.000 Hochstämme sollen hier mal gestanden haben.

Und dreimal dürft ihr raten, wie es ein paar Kilometer weiter aussieht. Genau – Kirschen so weit das Auge reicht!

Eichsfeld

Innerdeutsche Grenze

Wer mich vor einer Woche gefragt hätte, wer oder was das Eichsfeld (ausgesprochen Eicksfeld) ist, den hätte ich kopfschüttelnd weiter geschickt. Doch nun bin ich verliebt in diese Landschaft im Dreiländereck Thüringen, Hessen und Niedersachsen. 

Alles ist von vier Jahrzehnten Teilung geprägt, denn genau hier verlief die Innerdeutsche Grenze. Ein Streifen Tod, mitten in frühlingsblühender Landschaft. Das ist mir bereits in der Rhön und der Gedenkstätte Point Alpha bewußt geworden, hier im Grenzmuseum Schifflersgrund in Bad-Sooden-Allensdorf kommen die Erinnerungen daran wieder hoch.

Deutsche Anbaugebiete für Kirschen

Das „Mitteldeutsche Anbaugebiet“ erstreckt sich über Teile von Sachsen-Anhalt, Sachsen und eben auch nach Thüringen 😉 

Generell ist klar: wo Wein sich wohl fühlt, sind auch Kirschen gerne heimisch. Das größte geschlossenen Anbaugebiet ist in der Fränkischen Schweiz im Norden Bayerns. Hier gibt es auch noch Hochstämme, also gut wachsenden Stämme von Vogelkirschen mit einer Tafel-Sorte veredelt. 

In Rheinhessen und am Mittelrhein gibt es ebenfalls große, alte Kirschbestände. Süß und Sauerkirschen. Bis in die 1960er Jahre war das Rheintal durch seine Kirschen geprägt, diese in ganz Deutschland beliebt. Der Importe aus den Nachbarländern hat auch hier die regionalen Sorten verdrängt und inzwischen kämpft man am Rhein zeitgleich um die Erhaltung der Kulturlandschaft und der Kirschen. Das Unesco Erbe Mittelrhein-Kirsche allen voran 😉

Das Alte Land bei Hamburg und die Havelregion verzeichnen ebenfalls Süßkirschbestände. Die sind an die dortigen klimatischen Verhältnisse gut angepasst, also regional beschränkte Sorten.

Über Kirschen

Die Reifezeit der Kirschen wird in sogenannte „Kirschwochen“ unterteilt. Eine Woche umfasst in der Regel 7 Tage, kann aber bei warmer Witterung auch kürzer, bei kühlem Wetter dagegen länger dauern. Der Reifebeginn der Sorte „Früheste der Mark“ markiert den Start der 1. Kirschwoche. Die Kirschsaison beginnt in wärmeren Regionen bereits im Mai und kann in kühleren Regionen bis Mitte August andauern. Allerdings sind viele Kirschsorten nicht mehr im Handel, so dass sich die Kirschsaison im Laden verkürzt und durch ausländische Kirschen verlängert wird. 

Von der großen Sorten- und vor allem Farbvielfalt ist auch nicht mehr viel übrig: es sind noch etwa 100 alte Süßkirschsorten zu finden. Die hellen Süßkirschen, die geschmacklich häufig hervorragend sind, kommen schon länger gar nicht mehr in den Handel. Die sind höchstens noch im eigenen Garten daheim. Knorpel und Herzkirschen beherrschen das Angebot. Auch Sauerkirschen sind selten zu finden.

Burlat und Vogelkirsche
Burlat (dunkelrote Knorpelkirsche aus dem Rhonetal, 1. bis 2. Kirschwoche) und Vogelkirsche

In Hagen am Teuteburger Wald (bei Osnabrück) und auch in Witzenhausen läuft seit 2004 ein Projekt zur Erhaltung alter Süßkirschensorten. Pomologenverein, regionale Tourismusverbände und Slow Food schärfen den Blick, vermehren und pflanzen alte Sorten.

2017 ist die Anbaufläche für Kirschen ist erstmals wieder gewachsen. Auf knapp 8.000 Hektar. Wobei da natürlich leider auch meist die vermeintlich pflegeleichten Spindelbäume gepflanzt werden. 

Mehr zu Kirschen findet ihr hier:

Weitere Geschichten aus dem Eichsfeld:

Mit freundlicher Unterstützung von Thüringen Tourismus GmbH, Erfurt. Mein besondere Dank geht an Mandy Neumann von Thüringer Tourismus GmbH und Ute Morgenthal von HVE Eichsfeld Touristik*.

Das Eichsfeld

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Dieser Artikel enthält Links zu Produzenten und persönliche Empfehlungen von mir. Ich bin dafür zwar weder bezahlt noch beauftragt worden, doch da ich Produkte nenne, muss ich dies als Werbung kennzeichnen.

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