Römer, Götter und viel Badespaß

Ganz gleich, wo man in Deutschland und Europa aufschlägt – irgendwie waren die Römer immer schon da. Und als ordnungsliebende Menschen haben sie nicht nur Spuren, sondern teils richtig coole Informationen hinterlassen. Im Odenwald von der Göttlichkeit des Dinkel und dem richtigen Baden 😉

Römer in Osterburken

Hier im Odenwald zogen die Römer eine klare Grenze, den Vorderen Limes, um die Germanen aus dem von ihnen eroberten Gebieten zu halten und das römische Reich an seiner Außengrenze zu schützen (Mist – so einen Ausdruck nutze ich derzeit nicht gern… – aber hier war es wirklich so). Sie taten dies auf einer Länge von rund 10 Kilometern schnurgerade durch das leicht hügelige Bauland.

Rekonstruktion der Limesanlage im Römischen Museum Osterburken
Rekonstruktion der Limesanlage im Römischen Museum Osterburken

Göttlicher Dinkel

Das die Römer Dinkel kannten, ist durch Funde belegt. Welche Bedeutung er hatte, zeigen Darstellungen wie diese: die Göttin Dea Candida hält auf diesem Steinaltar eine Dinkelähre in ihrer rechten Hand. Der Stein wurde im Beneficiarier-Weihebezirk in Osterburken gefunden und steht nun im Römermuseum. 

Dea Candida ist eine weitgehend unbekannte keltische Göttin, die es als eine der wenigen schaffte, im römischen Götterkosmos ein Plätzchen zu ergattern. Allerdings verehrte man sie nur im heutigen Südwestdeutschland. Dinkelähre und Zepter weisen sie als Fruchtbarkeits- und Muttergöttin aus.

Es wird gemutmaßt, dass es die Römer waren, die den Dinkel aus dem Kaukasus an den Limes brachten. Und da das Wetter so weit nördlich durchaus regnerischer und kühler sein kann, haben wohl schon die Römer versucht, die wertvollen, unreifen Körner zu retten. Denn Grünkern ist nichts anderes als unreif geernteter Dinkel, der über Feuer getrocknet wird. Mehr zum Superfood aus dem Odenwald findet ihr bei Annes Topfgeflüster.

Römerbad

Jedes Kastell am Limes hatte ein mehr oder weniger großes Bad, dass die Soldaten kostenlos nutzen konnten. Es diente der Hygiene und Gesundheit, aber auch dem privaten Vergnügen.

Da die Römer nicht wirklich viel dem Zufall überliessen ist alles genau durchdacht. Natürlich also auch beim Baden. Denn Planung scheint in ihren Augen der halbe Spaß zu sein 🙂

Römerbad

Der Badegang startet im Kaltbad (frigidarium), in dem man sich wusch. Es folgt ein lauwarmer Raum ohne Wanne (tepidarium). In diesem hielten sich die Badenden auf, es gab Massage- und Erholungsbereiche, so wie Zugang zum eigentlichen Baderaum, dem Heißbad (caldarium). Hier fanden sich ein kleiner Schwitzraum und ein größerer Baderaum mit zwei Wannen – wahlweise mit heißem und kaltem Wasser. Man sieht schon – Baden war ein gesellschaftliches Vergnügen und beanspruchte Zeit.

Die römische Badeordnung, die hat es wirklich in sich:

Badezeiten- und Preis

Das Bad ist jeden Tag bis zu dem Tag vor den Kalenden des Juli aufzuheizen. Frauen dürfen es vom Morgengrauen bis zur siebten Tagesstunde, Männer von der achten bis zur zweiten Nachtstunde nutzen. 

Frau zahlten ein As und Männer ein halbes (keine Ahnung, was das nun wieder sollte…) ach ja – Freigelassene, Sklaven, Knaben und Soldaten mussten nichts zahlen. Wie es mit weiblichen Sklaven aussah?! – dazu gibt es keine klare Regel – haben also doch nicht alles im Griff gehabt 😉

Badehaus Limes

Pflege und Instandhaltung

Das Wasser in den Kessel musste „bis zum obersten Rand erwärmt sein“ und es muss gewährleistet sein, dass jeder Zeit genug Holz zum Heizen vorrätig ist. Die Bronzekessel müssen alle 30 Tage gewaschen, getrocknet und mit frischem Fett eingeschmiert werden. 

Strafen

Es klingt ein wenig so, als hätten die Pächter der Badeanstalt gern mal in die eigene Tasche gewirtschaftet – jedenfalls ist es ausdrücklich verboten Holz (außer von Abfallstücken) zu verkaufen. Und falls der Badebetrieb nicht gewährleistet ist, steht eine Geldstrafe von bis zu 200 Sesterzen an. 

 

Weitere Geschichten aus dem Odenwald:

Mit freundlicher Unterstützung von Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg*die mich zu einer Pressereise in den Odenwald eingeladen haben.

 

Mein besonderer Dank geht an Sannah Mattes und Dr. Martin Knauer von Tourismus Baden-Württemberg, so wie an Sarah Würz und Tina Last von der Touristikgemeinschaft Odenwald e.V.*

Einen wirklich kurzweiligen Nachmittag hat uns Dr. Scheuerbrandt im Römermuseum Osterburken* bereitet und ich danke herzliche für Wissen und Zeit. Und beglückwünsche das Museum zu dem tollen Götterportrait!

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Dieser Artikel enthält Links zu Produzenten und persönliche Empfehlungen von mir. Ich bin dafür zwar weder bezahlt noch beauftragt worden, doch da ich Produkte nenne, muss ich dies als Werbung kennzeichnen.

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