Ich liebe Feigen.
Und bin entsprechende traurig, wenn ich in der Toscana so schöne große Bäume sehe und wir hier ohne leben müssen…
Doch Sekunde mal.
Heute habe ich einen Bericht zu einem Feigenhain in der Nähe von Potsdam gelesen.
Da bin ich natürlich sofort wach und schaue, ob ich die kleine Früchtchen – wenn schon nicht in den Garten – so doch in mein Buch nehmen kann….
Die Geschichte ist super nett.
Albrecht Herrmann zieht in alter Familientradition in Potsdam am Schwielowsee Feigenbäume.
Ich habe sie hier gefunden: Von der Hand in den Mund
Und in der Zeitschrift Liebes Land war auch ein toller Artikel – 25 Seiten vor einem über… Scherkohl. Und wer grinst mich da aus dem Heft an: Jochen aus Willstedt;-)
So klein ist die Welt.
Als ich ihn darauf anspreche verrät er mir, dass der fotografierte Kohl aber gar keine Scherkohl ist: „Nun ist in der Zeitschrift Diepholzer Blaustrunk, aber der ist auch hübsch…lach“
So schnell passieren Fehler.
Um wieder auf die Feigen zu kommen.
Ich bin zu feige. Das wird nichts und ist ja eigentlich auch nicht wirklich eine alte heimische Sorte. Leider.
Gerade frage ich mich, ob ich wirklich alles verstehe, was ich da so lese?!
Wusstet ihr, dass die heutigen Schweine mehr Rippen habe als alte Rassen?
Da ich ja selbst keine habe, war mir das ehrlich gesagt nicht bewusst – und wenn ich Schweine hätte wahrscheinlich auch nicht – denn auch bei meinen Katzen zähle ich ja nicht die Rippen nach.
Wobei unsere Miezen natürlich auch nicht für den Kochtopf bestimmt sind. Schweine vielleicht eher. Obwohl…
Na ja. Jedenfalls hat mich die Sache mit den Rippen natürlich beschäftigt.
Den Sinn dahinter verstehe ich – mehr Rippen, mehr Koteletts. Mehr „wertvolle“ Fleischbereiche für den Handel. Denn darum geht es schließlich immer…
Mittlerweile weiß ich, dass die Rippenzahl bei Tier und Mensch schwankt. In der Regel sind es 15 Rippenpaare (wobei das Wildschwein mit seinen läppischen 12 Pärchen schon mal in einer ganz anderen Rippenklasse unterwegs ist). Zusätzlich dazu kommen ein paar „unechte Rippen“ die mit dem Brustbein verwachsen sind.
Ein Pferd hat übrigens 18.
Wiederkäuer (Kühe & Co) und Fleischfresser (in dieser Gruppe vermute ich mal unsere Katzen) 13.
Eine züchterische Selektion zu mehr Rippen scheint es auch nicht gegeben zu haben. Es ist wohl eher eine Modefrage, denn wenn die Bauern früher runde, kurze Schweine mit dicken Koteletts mochten (weil sie die besser vermarkten konnten), geht der Trend nun schon länger eher zum langen Schwein. Das soll aber nicht an „mehr Länge = gleich mehr Rippen“ sondern am magereren Fleisch liegen. Das dann dabei ein zusätzliches Rippenpaar sozusagen zur Stütze von der Natur mit eingebaut wurde, haben die Züchter gerne in Kauf genommen.
Doch hier scheint die Rippensteigerung nun auch ihr natürliches Ende gefunden zu haben.
Als Quelle habe ich einen „STIMMT´S“ Artikel der Zeit von 2005 gefunden. Ist zwar schon ein wenig älter, aber ich muss sagen, dass ich ihn sehr schlüssig finde…
Und natürlich spukt in meinem Hinterkopf das Bild von Adam und Eva rum und ich frage mich, ob Männer vielleicht doch eine Rippe weniger haben. Denn auch da habe ich doch noch nie genauer nachgezählt 😉
Manchmal braucht man einfach Glück.
Und ich habe es…
Auf der Suche nach Bremer Scherkohl (von dem ihr später sicherlich noch das ein oder andere erfahren werdet, heute aber nicht!- doch ich bin ziemlich sicher, das er ins Buch kommt), bin ich an einen Gärtner in Norddeutschland gekommen, der anscheinend alle und alles kennt, die Hälfte davon selbst auf den Feldern hat und wahnsinnig schnell und hilfsbereit ist: Jochen Krentzel.
Wenn ich sehe, wie mühsam manche Nachfrage ist…
Obwohl – wenn wir mal ehrlich sind, ist der August auch nicht wirklich die optimale Zeit mit so einem Projekt zu starten!
Jedenfalls tut es richtig gut, gleich und umfassend Antwort zu bekommen und darüber hinaus noch auf 10 andere Sorten hingewiesen zu werden 😉 Schließlich muss ich mich in dieses Thema beziehungsweise etwa 50 verschiedene Themen erstmal wirklich einarbeiten.
Ich baue neben „Bremer Scherkohl“ auch noch „Diepholzer Blaustrunk“, „Helgoländer Wildkohl“, „Nero di Toscana“, „Strandkohl“, „Russischen Roten“ , „Ostfriesische Palme“, „Filderspitzkraut“ und noch ein paar andere Kohle an. Weiterhin noch einige alte Wurzelgemüse und Kräuter….
soweit Jochens erste Auflistung, etwa 2 Stunden nach meiner ersten Mail
Und so habe ich nun, neben einer charmanten Einladung zum Wilstetder Kohlmarkt Ende September, einen Fachmann im Norden sozusagen direkt an meiner Seite.
Um den Markt in Wilstedt herum plane ich eine Nordtour – denn auch hier darf ich mal ehrlich sein: wenn ich als wildfremde, neugierige Frau aus dem Süden Deutschlands bei den Züchtern, Bauern und Gärtnern im Norden anrufe, bin ich schon sehr froh über ein freundliches „Moin“.
Aber so richtig locker sind die Zungen dann meist doch nicht – da braucht es so den ein oder anderen Kaffee, Tee oder auch mal was anderes 😉
Ohne Brille geht gar nichts…
Heute war wohl mein vorgezogener Geburtstag: einige ahnen es schon – die bestellten Bücher sind angekommen.
Natürlich nur ein erster Schwung, aber immerhin.
Da ist keine Zeit für den Computer, da sitze ich draußen und lese, notiere, vergleiche – und ganz nebenbei läuft der PC natürlich doch mit, um schnell mal bei der Recherche zu helfen.
Viele schöne Anregungen sind zu finden, nur wozu gibt es noch mehr?
Die meisten Bücher sind fundiert und hervorragend recherchiert – aber ich will mehr, will die Stories dahinter…
Wo finde ich die richtigen Ansprechpartner?
Und hat vielleicht jemand die passenden Fotos?
Denn das ist auch klar – bei dem straffen Zeitplan muss ich gleich beachten wie wir es bebildern können.
Natürlich ist es nur ein erstes Kennenlernen und erst im Verlauf der weiteren Recherche und beim Texten wird sich herausstellen, was ich wirklich brauchen kann, wo ich die richtigen Informationen finde und welche Bücher wieder frei gegeben werden.
Auf den ersten Blick überzeugend ist die „Gefährdeten Nutztierrassen“ von Hans Hinrich Sambraus.
Auch wenn Pferde bei mir nicht vorkommen werden.
Aber Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine sind wirklich hervorragend beschrieben.
Natürlich wissenschaftlich – aber für mich ist es immer wichtig die Dinge vollständig zu verstehen, Zusammenhänge zu hinterfragen, bevor ich dann entscheide, was davon ich ausweite und selbst erzählen will.
Vergleichbar gut „Große- und Wassergeflügel“ von Horst Schmidt. Leider habe ich übersehen, dass darin keine Hühner vorgesehen sind, weswegen ich noch mal schauen muss, womit ich diesen Bereich abdecken kann.
Es ist ja nicht so, dass ich jetzt alles habe, was ich brauche… 😉
Ich glaube ich sagte schon mal: ich liebe es.
Super auch: „Osterfee und Amazone“ von Barbara Bartha-Pichler, Martin Frei, Bernd Kajtna und Markus Zuber.
Ein Buch über vergessene Beerensorten, dass Lust auf das Wiederentdecken macht.
Die Autoren haben mit ProSpeciaRara und der Arche Noah zusammengearbeitet und ein wirklich hervorragend recherchiertes Buch erstellt.
Respekt. Da werde ich doch gleich noch „Haferwurzel und Feuerbohne“ nachbestellen und hoffe, dass es genauso informativ ist.
„Reichtum ernten“ von Ute Klaphake, Karin Lüdemann und Dierk Jensen beleuchtet mehr die Menschen hinter den alten Sorten. Hier sind VEN und Dreschflegel, aber auch IG Saatgut, ProSpeciaRara und Arche Noah berücksichtigt.
Nicht wirklich überzeugt haben auf den ersten Blick Marianna Buser und Antonia Koch mit „Von fast vergessenen Gemüsen, Kräutern und Beeren“. Da stehen die Rezepte im Vordergrund, was mich zwar privat interessiert, aber in diesem Fall nicht unbedingt anmacht.
Auch die „Pflanzengeheimnisse aus alter Zeit“ von Gertrud Scherf hat sicherlich viel zu bieten, aber passt derzeit nicht in mein Beuteschema.
Tja – auch meine Tomatenidee muss schließlich erst noch wachsen….
Da denke ich naiver Mensch – zu Tomaten findet sich ganz leicht was, da habe ich in den vergangenen Jahren sooo viele alte Sorten gesehen und getestet.
Aber denkste…
Es ist schon so wie mit dem Wald und den Bäumen.
Die Züchter alter Sorten haben mittlerweile viel zu viele wieder gefunden. Da zeichnet sich für mich einfach keine Geschichte ab.
Zumal die meisten sich auch hier schon wieder über Masse profilieren.
Masse diesmal im Sinn von „viele, viele verschiedene Sorten“.
Möglichst anders, exotisch, bunt, wahrscheinlich als nächstes eckig.
Da ist die einzelne kleine Tomate anscheinend gar nicht der Rede wert.
Aber genau darum geht es mir ja…
Und jetzt weiß ich natürlich so gar nicht, was ich machen soll:
– die rote Murmel: eine kleine Wilde ist das, diese Murmel. Was die Wissenschaftler natürlich immer ein wenig in Verzweiflung stürzt… aber mein Mitleid hält sich da sehr in Grenzen. Jedenfalls fällt sie vor allem durch ihre erstaunlich guten Bewertungen im Vergleich zu den Kulturtomanten auf. Sie und „golden Currant“ – auch so ein Kandidat für die Tomantengeschichte.
– die goldene Königin: früher waren Tomaten eher gelb. Dadurch erklärt sich auch der wohlklingende italienische Name „pomodoro“ – also „Goldapfel“. Sind schon ein wenig romantisch die Italiener, oder?! Aber ich mag ehrlich gesagt gelbe Tomaten schon gern…
– die Berner Rose: ist aufgrund ihrer Dünnhäutigkeit im Handel nicht bliebt und entsprechend natürlich auch nicht vertreten. Dabei soll sie sehr süß und aromatisch sein. Nur bei Margrit Meier auf dem Münsterplatz, da soll es in der Saison am Samstag welche geben. Ach ja – Münsterplatz in Freiburg – nicht, dass ihr jetzt nach Bern stürmt 😉
Wie ihr hier schon seht, ist es gar nicht so leicht sich zu entscheiden. Natürlich habe ich auch ganz doll nach Österreich geschaut – immerhin gibt es ja da den „Paradeiser-Kaiser“. Aber auch da ist es schon wieder eher die Vielfalt, durch die er sich diesen Namen verdient hat.
Das Foto hat mir Monika Reitmeier vom Förderverein Augsburger Huhn netterweise zur Verfügung gestellt. Danke.
Was für ein Huhn!
Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass mich die Geschichte des Augsburger Huhns – eines Arche Passagiers von Slow Food – gleich in den Bann gezogen hat.
An seinem Beispiel hat mir Marianne (die seinerzeit dem Vorstand von Slow Food Deutschland angehörte und sich um die neuen Convivien und solche Verrückten wie mich kümmerte) damals die Idee der Arche erklärt: aufzuessen um zu bewahren.
Ist auch wirklich nur auf den ersten Blick seltsam 😉
Dahinter verbirgt sich der Gedanke, dass man die Dinge die man bewahren will, nicht in Glasvitrinen stellt sondern im Leben behält.
Wie dieses bayerische Huhn.
Es war zu seiner Zeit perfekt. Hat Eier gelegt, sich selbst versorgt und am Ende seines Lebens eine gute Mahlzeit gegeben.
Aus diesem Grund war es auch eine ganze Weile sehr begehrt. Überall gab es Augsburger (Hühner).
Bis die Unterscheidung zwischen Legehennen und Brathähnchen kam und der Freiheitsdrang des Augsburger Huhns diesem fast zum Verhängnis wurde.
Denn im Käfig wollte es nicht sein. Lieber kurzerhand Aussterben.
Und das ist ihm auch beinah gelungen…
Doch das Huhn ist so prächtig und schön, dass die Hühner-Schönheits-Fans es schließlich doch bewahrt haben.
Der schöne rote „Becherkamm“ – der sich aber leider nicht immer vererbt (- da gab es dann natürlich gleich wieder Zwist von anderer Seite, schließlich war es genau der, den die Züchter sehen wollten), das glänzende schwarze Gefieder – damit eroberte das Augsburger Huhn so manches Siegertreppchen der regionalen und nationalen Geflügelschauen.
Das Slow Food Convivium in Augsburg hat es nun mit Hilfe von weitsichtigen Bauern wieder auf einige Höfe der näheren Umgebung gebracht.
Gerettet ist es so noch nicht – und gegessen habe ich auch noch keins (plane aber einen Ausflug mit unserem Convivium, um es mal persönlich unter die Lupe zu nehmen)…
Natürlich muss dieses Huhn ins Buch 😉
Und wer sich vorher informieren will, der sei auf den Blog der Augsburger Kollegen verwiesen – supernetter Artikel!
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