Was wir unseren Kindern doch immer mal wieder für einen Mist beibringen…
Schafe zählen ist gar nicht so einfach, wie der Laie denkt.
Kühe zählen übrigens auch nicht.
Oder Schweine.
Bei Hühnern blicke ich noch nicht durch – das erfahrt ihr dann 😉
Jedenfalls dachte ich ja immer, man zählt die Tiere.
Stimmt aber gar nicht.
Die Bauern zählen immer nur die weiblichen Tiere mit Nachwuchs.
Die Kids zählen genauso wenig zur Herde, wie die ausgewachsenen weibliche Tiere ohne Nachwuchs.
Und von den Jungs ist ja eh immer nur einer (wenn überhaupt) da.
Also ist es nix mit über ein Gatter springen lassen und zählen – da kommt man nämlich auf viel mehr Schafe als der Hirte….
Erst spielt das Wetter nicht mit, dann ist die Familie bei der ich die Schweine fotografieren möchte nicht mehr erreichbar…
…habe leider vergessen, dass wir am Wochenende nicht da sind.
Wir kommen erst gegen Abend am Sonntag wieder.
Mein Versuch auf jemand anderen umzustellen schlägt fehl und meine Nerven liegen blank.
Blitzblank.
Ab wann kann man Montags bei jemandem, den man nicht kennt morgens anrufen?
Ich entscheide ab 8… – und gebe noch mal 3 Minuten dazu.
Schließlich machte es auch keinen Sinn 2 Stunden irgendwo hin zu fahren um dann vor verschlossener Tür zu stehen oder unwillkommen zu sein. Ich will ja gleich mehrere Dinge – Sonne, Schweine und gute Laune.
Denn das Bilder mit Tieren nicht mal eben so gemacht werden weiß ich nun auch schon ein Weilchen 😉
Wobei es mit einer Filmkamera ehrlich gesagt sogar leichter ist – da macht es nichts, wenn die Biester mal kurz unscharf sind – das merkt keiner… beim Foto schon.
Als ich Judith Beißwenger um 8:04 telefonisch erreiche, berichtet sie mir von einem dichten, düsteren Wolkenhimmel.
Egal. Ich fahre.
Der Verlag wartet schließlich und ich möchte das Thema Coverfoto endlich abschließen.
Grenzwertig – sagte ich doch schon 😉Unterjoch liegt ganz nah an der Grenze zu Österreich und grenzt auch stark an alle Heimatfilm-Kitsch-Klischees, die man so kennt.
Wahnsinn.
Und doch wirklich schön.
Das kann man einfach nicht abstreiten.
Und der Hoiserhof ist eine Pracht.
Genau wie Mensch und Tier auf ihm.
Die Sau heißt Heidi, ist etwas über ein Jahr und ganz standesgemäß Mutter von 12 zauberhaften Ferkeln.
Alle Viecher laufen hier mehr oder weniger frei rum. Heidi und die Kleinen eher weniger…
Daher kommen aber auch Hühner und Enten im Stall mit aufs Bild.
Aber im Stall will ich ja eigentlich gar nicht fotografieren – mehr mit Landschaft.
Und menschlichen Zusätzen. Denn so hätte es der Verlag gerne.
Da macht es mir natürlich gleich Freude, dass sich die Hausherrin als absolut modeltauglich erweist.
Zumal die Ferkel zwar sehr süß sind, aber sich wirklich keinen Deut um mich scheren.
Sie laufen entweder weg oder stecken die Nase in den Boden. Endlich still!Wie soll man denn da fotografieren?
Also müssen sie auf den Arm.
Was einen Riesenzirkus hervorruft.
Die Leute auf der Straße bleiben gar stehen und schauen, welch armes Tier hier gequält wird.
Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie diese kleinen, süßen Viecher schreien!
Judith Beißwenger ist zum Glück supercool.
Sie hält und hält und hält.
Und als wir genug von den Ferkeln haben holt sie auch Heidi raus.
Mit vollem Körpereinsatz versucht sie sie auf den optimalen Fotoplatz zu bugsieren.
Vergeblich.
Die hält einfach dagegen und will dort partout nicht hin.
Trotz Äpfeln, Brot und Möhren.
Wenn sie nicht mag, dann mag sie nicht…
Doch am Ende des Tages sind wir glücklich mit dem Erreichten und ich kann beruhigt heim
In Cochem soll die Blüte besonders schön sein…Im Obstbereich bin ich mittlerweile ganz gut aufgestellt.
Allerdings versuche ich ja in dem Buch nicht nur die Vielfalt der Arten, sondern auch der Projekte ein wenig zu beleuchten… was liegt da näher, als ein Tourismus-Landes-Projekt.
Häufig sind es eher Einzelkämpfer, die sich für eine bestimmte Sache einsetzen.
Menschen, deren Vorfahren zum Beispiel schon immer diese Kohlsorte angebaut haben, oder die ursprüngliche Zutat einer regionalen Spezialität, wie Linsen.
Doch diesmal habe ich die Mosel entdeckt und den dortigen roten Pfirsich.
Als die beschwerliche Arbeit in den Weinbergen (natürlich vor allem in den Steillagen) mehr und mehr aufgegeben wurde, befürchteten die Gastronomen und Tourismusverantwortlichen, dass die Veränderung der Kulturlandschaft auch auf ihr Geschäft negative Auswirkungen haben könnte. Sicherlich mit Recht.
Aber statt sich kurzfristig und -sichtig mit Subventionen von Rebe zu Rebe zu hangeln, holten sie den Weinbergpfirsich erfolgreich zurück.
Ob denn nun die Römer Weinreben und Pfirsiche damals zeitgleich an die Mosel gebracht haben, lässt sich wohl abschließend nicht mehr klären.
Tatsache ist, dass durch den Aufschwung im Weingeschäft die alte und gewachsene Kombination dieser beiden Pflanzen auf engem Raum zugunsten von mehr Reben im letzten Jahrhundert aufgegeben wurde.
Und auch warum nun der Moselweinbergpfirisch unbedingt rot sein muss, kann ich nicht abschließend klären… jedenfalls ist der kleine haarige Gesell nicht unbedingt ein Frischobst-Genuss. Doch sein enormes Pfirsicharoma macht ihn nach der Verarbeitung zu Eis oder Konfitüre oder als Bestandteil eines guten Essens zu einem genussvollen Begleiter.
Sicher ist auch, dass die Moselleute im Frühjahr nun zusätzlich die schöne Blüte, im Herbst auch noch die Ernte haben – und alles in Kombination mit dem Wein. Das rechnet sich auch für die Winzer und ist eine typische win-win-Situation.
Das kann man doch nur schön finden, oder?!Aber vor allem ist es schön!
Und auch wenn der Unterschied zwischen dem Österreichischen und dem Schweizer Grauvieh für mich (und wohl auch andere) schwer nachvollziehbar ist, habe ich mich für die Schweizer Rinder entschieden.
Allerdings hatte ich mir so einen schönen Einstieg für den Text überlegt:
Die Schönheit der unterschiedlichen Grauschattierungen dieser Rinder versteht man auch ohne die Farbberatung Loritos. Und ganz gleich ob man sich eher für silbergrau, staubgrau oder aschgrau entscheiden würde – alle Rinder haben ihren ganz eigenen Stil.
Doch den habe ich jetzt wieder verworfen.
Es gab doch wirklich direkt zwei Menschen, die den Bezug nicht herstellen konnten, weil sie Ödipussi nicht kennen.
Kaum zu glauben, aber so macht es natürlich keinen Sinn!
Dabei fand ich es eigentlich witzig…
Wenn man einen Witz – oder in diesem Fall einen Zusammenhang – erst erklären muss, verliert es natürlich selbigen.
Ins Buch kommen sie allerdings dennoch – ihr findet sie unter Rätisches Grauvieh 😉
Bei manchen Dingen sollte man vielleicht gar nicht nachfragen…
Ich nutze diesen Blog ja vor allem, um euch die Geschichten zu erzählen, die nicht ins Buch kommen.
Weil sie nicht mehr hineinpassen, andere Kandidaten vielleicht besser oder fotogener sind oder auch weil es echte Randgeschichten sind, die in einem Buch fehl am Platz wären… so wie die Sache mit dem Mist 😉
Das in Mainz Mombach ein Aprikosenanbaugebiet war, habe ich euch ja schon verraten. Nun liegt mir (mal wieder vom Pomologenverein – wie ich ohne die Jungs und Mädels früher durchs Leben kam, wird immer mehr zum Mysterium!) die Wiederauflage eines Buches von 1921 vor: „Der Aprikosenanbau in Mombach“ von Ferdinand Pfeiffer.
Pfeiffer war Obst und Weinbauinspektor der Landwirtschaftskammer für Hessen in Darmstadt und hat seine Überlegungen in einem kleinen Büchlein zusammengefaßt. Nicht nur, dass ich da viel über die einzelnen Maleden gelernt habe, sondern ich habe mir erstmals im Leben Gedanken über Dünger gemacht…
1921 befand sich Deutschland nach dem ersten Weltkrieg (und die Menschen ahnten zum Glück nicht, was da als nächstes auf sie zukommen sollte).
Die Mombacher hatten nicht viel Vieh und waren daher seit jeher auf den Zukauf von Mist angewiesen. Kunstdünger gab es zwar bereits (Justus Liebig hatte 1840 die wachstumsfördernde Wirkung von Stickstoff, Phosphat und Kalium nachgewiesen und seit diese auch künstlich hergestellt werden konnten, war er auch verfügbar) aber ich vermute mal ganz dreist, dass die Mombacher sich das schon ausgerechnet haben, was günstiger ist.
Jedenfalls schreibt Pfeiffer, dass sie bis 1914 die Möglichkeit nutzten die Fäkalien, die mit Hilfe von Latrinenwagen in Mainz „gesammelt“ wurden, aufzukaufen.
Außerdem nutzten sie den anfallenden Mist der Mainzer Garnison (da gab es Pferde)… die Garnison wurde 1918 durch den Versailler Vertrag geschlossen. Also fiel der Pferdemist schon mal weg.
Als sich nun der Weinanbau gegenüber dem Gemüse und Obstanbau wirtschaftlich in den Vordergrund spielte, machten die Weinbauern den Mombachern den Mist streitig – soll heißen, sie kauften ihnen den dringend benötigten Dünger vor der Nase weg.
Schon der Hammer, mit welchen Problemen sich die Bauern früher herumschlugen, oder?!
Die Sonne hat kein Einsehen und so nutze ich die Zeit zum Schreiben.
Meine 70 Kandidaten stehen bis auf etwa 10 fest – so ist immer noch ein wenig Spielraum und es ist leider immer wieder so, dass die Anfangsgeschichte zwar sehr nett ist, aber danach ein großes Loch erscheint und nichts mehr weitergeht.
Zum Glück habe ich mein Federvieh.
Das ist witzig, bunt und hat auch inhaltlich viel zu bieten.
Mit dabei:
Natürlich das Augsburger Huhn.
Aus der Schweiz kommen gleich zwei dazu: Appenzeller Spitzhaubenhuhn und Schweizer Huhn.
Meine alte Heimat steuert das Ramelsloher Huhn bei und als Ergänzung haben wir die Diepholzer Gans, die Cröllwitzer Pute und die Deutsche Pekingente.
Ob es auch die Bronzepute und/oder die Pommernente noch mit einer Geschichte ins Buch schaffen, ist nicht klar… die gehören derzeit noch in die zweite Reihe.
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