Höhbeck – von Artenreichtum und Reichweite

76 Meter ist er hoch – der Höhbeck in der Elbtalaue. Das ist für das Wendland schon recht stattlich. Aber vor allem durch den weithin sichtbaren Funkturm auf seinem Gipfel fällt er auf. Von hier gab es einen „direkten Draht“ nach Berlin.

Der Höhbeck gilt als eines der artenreichsten und geologisch ältesten Bestandteile des Biosphärenreservates Niedersächsische Elbtalaue mit kulturgeschichtlicher Bedeutung. Ja, Karl der Große hat hier wohl mal campiert … Der Entdeckerpfad hilft Zusammenhänge aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einzuordnen.

Entdeckerpfad Höhbeck
Eine von 20 Stationen auf dem Entdeckerpfad Höhbeck zwischen Vietze und Fährstraße

Hotspot der Artenvielfalt

Ein Hotspot zeichnet sich durch besonderen Reichtum an charakteristischen Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten aus. Schon seit 200 Jahren ist der Höhbeck für seine Artenvielfalt bekannt. Rund 760 Pflanzenarten, ungezählte Insekten und viele unterschiedliche Vögel und Kleinsäuger leben hier. Und Wissenschaftler sind begeistert, weil sie immer wieder neue Arten entdecken, bzw. verloren geglaubte wiederfinden.

Stefan Reinsch baut seit 2012 das „Artenreich Höhbeck“ mit einem Landschaftspflegehof auf. Warum er auf dem Berg Kanus lagert, erschließt sich erst, wenn man ihn erlebt: er ist Naturführer, Heimatforscher, Maschinenbauer, Landschaftspfleger, Sensenmann und bald auch Wollproduzent. Alles, um dieses Gebiet sanft touristisch zu erschließen und die Artenvielfalt zu schützen.

Der Nordhang

Der Nordhang fällt steil zur Elbe ab und ist mit Eichen und Hainbuchen bewaldet. Mehrere Quellen entspringen auf dem Höhbeck. Der Thalmühlbach fließt etwa einen halben Kilometer bis zur Elbe. Dabei rauscht er rund 60 Höhenmeter runter. Um 1869 wurden eine Mühle und später ein Gasthaus am Bach gebaut. Von beiden stehen nur noch Ruinen, bzw. dient der Keller des Gasthauses seit einigen Jahren als Fledermausquartier, der Bach wurde renaturiert.

Das Thalmühlbach-Tal
Irgendwo da unten fließt der Thalmühlbach Richtung Elbe

Zehn Fledermausarten sind nachgewiesen, darunter der Große Abendsegler, die Mopsfledermaus (die unter besonderem europäischen Schutz steht), das Braune Langohr und die Breitflügelfledermaus. 

In sommerlichen Juninächten, wenn die Glühwürmchen (natürlich mehrere unterschiedliche Arten, was aber dem Laien nicht auffällt – sie leuchten halt) im Dunkeln tanzen, kommen Schaulustige in den Kaffeegarten Schwedenschanze. Das perfekte Klischee für heile Welt und Romantik…. aber irgendwie ist es ja genau das, was wir wohl vermissen 😉

Die Schwedenschanze hat übrigens weder mit Schweden, noch dem 30-jährigen Krieg zu tun, sondern hieß früher Hexen- oder Sonnenberg und hatte anscheinend den vollen Rundumblick. Jetzt sind die Bäume zu hoch.

Blick vom Höhbeck
Blick vom Höhbeck auf die Elbe

Der Südhang und die Gipfelfläche

Hier liegt die eigentliche Schatzkammer des Höhbeck. Der Höhbeck ist eine Wärmeinsel aus Lehm, Kalk und Mergel, mit Trockenrasen. Die Mager- oder Trockenwiesen verbinden wenig Nährstoffe mit sehr hohe Artenvielfalt. In der normalen Landwirtschaft, die auf Ertrag ausgerichtet ist, sind solche Stellen verschwunden und müssen gezielt durch extensive Landwirtschaft mit Schafen oder Handmahd erhalten oder wieder geschaffen werden.

Vorhandene Bäume und Büsche werden mit Bedacht entfernt und der Boden wird (ähnlich der Heide) geplaggt – also von Bewuchs und Humus befreit, so das nur die reine Mineralschicht zurückbleibt. 

Teilflächiges Mähen mit der Sense
Diese Stelle ist besonders Artenreich. Hier wird teilflächig gesenst und getrocknet

Handwerkliche Bearbeitung ist eine der Grundvoraussetzungen für Artenvielfalt auf diesen Flächen. Und so greift Stefan Reinsch zur Sense, um sensible Gebiete abschnittsweise von Hand zu mähen. 

Beispiel – Kamm-Wachtelweizen (Melampyrum cristatum)

Kammwachtel-Weizen

Wer nicht genau hinschaut, läuft an so vielen Schätzen und Schätzchen vorbei. Denn die kleinen Blüten auf den Trockenwiesen fallen kaum auf.

Der Kamm-Wachtelweizen ist zwar innerhalb Europas noch zu finden, aber in Deutschland steht er auf der Roten Liste. In Berlin ist er ausgestorben, genau wie einige andere Wachtelweizenarten an verschiedenen Standorten. Artenvielfalt ist die Grundlage des Lebens und ich werde nicht müde, das zu betonen 😉 

Funkübertragungsstelle Höhbeck

Wer die Reste der Funkanlage auf dem Höhbeck heute sieht, ahnt nicht, wie bedeutend sie in der Zeit des Kalten Krieges, bzw. zwischen 1949-1989 war. Hier lag der Knotenpunkt für die Kommunikation mit Westberlin. Zwei Sendetürme wurden am östlichsten Rand der BRD auf Höhe Berlins errichtet.

Der Empfangspunkt von Gartow 1 in Berlin-Schäferberg war 133 Kilometer entfernt und die beiden waren so aufeinander abgestimmt, dass sie die Erdkrümmung überwanden und sozusagen Sichtverbindung hatten.

Funkbrücke auf dem Höhbeck
Stefan Reinsch erklärt die Funkbrücke auf dem Höhbeck

Gartow 1 – war 324 Meter hoch, wurde 1963 gebaut und 2009 gesprengt, weil er überflüssig geworden ist. Mit ihm sendeten das ZDF und der NDR ihre Programme nach Berlin.

Gartow 2 – 344 Meter, 1977/78 errichtet, sendet nach Frohnau in Berlin. Auf ihm befindet sich heute noch in 325 Metern Höhe der höchste geschlossene Raum auf EU-Gebiet. Die technische Universität Braunschweig nutzt die Anlage für Messungen von Windrichtungen und -geschwindigkeiten in verschiedenen Höhen. In einem Aufzug können bis zu 6 Personen nach oben gelangen. 

Gartow 2
Gartow 2 – in den Wolken verschwunden

Heute wird nur noch der Deutschlandfunk über den verbliebenen Turm gesendet. Ein weiterer Turm von 1983, der 38 Meter misst, steht in Stefans Artenreich. Er sieht ein wenig so aus, als ob Raumschiff Orion gleich anlegt 😉 oder ein Bildhauer eine große Metallskulptur angefertigt hat.

Wer noch mehr über den Höhbeck und seine Umgebung erfahren will, findet hier „Zeitfenster – Spurensuche in der Geschichte“ über das Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtal oder auch beim Verein Artenreich-Höhbeck.

Und mehr zum Thema: Identifizierung der Hotspots der Biologischen Vielfalt in Deutschland habe ich auch 😉

Turm auf dem Höhbeck

Weiter Geschichten aus dem Wendland:

Mit freundlicher Unterstützung von TourismusMarketing Niedersachsen GmbH* , und an Laura Selenz und das Marketingbüro Wendland.Elbe*, die mich zu einer Pressereise ins Wendland eingeladen haben.

Lieben Dank an Stefan Reinsch* vom Artenreich Höhbeck, der „…immer nur die Artenvielfalt gesehen hat“ und dem die Gebäude auf seinem Gelände erst später auffielen 😉

Mein besonderer Dank geht an Barbara und Kenny Kenner vom Biohotel Kenners Landlust*, die immer ein offenes Ohr und coole Tipps für uns hatten. 

*Werbung

Dieser Artikel enthält Links zu Produzenten und persönliche Empfehlungen von mir. Ich bin dafür weder bezahlt noch beauftragt worden, doch da ich Produkte nenne und Links setze, kennzeichne ich es als Werbung

2 Antworten auf „Höhbeck – von Artenreichtum und Reichweite“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.