Turner. Horror and Delight – in Münster

„Na endlich ein Turner“ raunt mir am Ende des 2. Raums ein Besucher zu. „Sun Setting over a Lake“ gehört zu den späteren Werken Turners, der wohl nur in Deutschland als „William Turner“ bekannt ist. Sein korrekter Name ist Joseph Mallord William Turner – also J.M.W. Turner. Und der „Sonnenuntergang über dem See“ zeigt das, was wir von Turner kennen und lieben – Farbe, Licht, Kraft.

Meister des Lichts und der Farbe

Und der Spannung. Denn eins sieht man ganz klar: Turner setzte sein Gespür für Farben von Beginn ein, um Spannung zu erzeugen. Andere Maler widmen sich der exakten Wiedergabe der Situation, bei Turner werden die im Barock üblichen Staffagen zu ebendiesen: zu Beiwerk, dass sich im Laufe seines Schaffens erübrigt. 

Gemälde Turner
Dies erste zentrale Gemälde der Ausstellung ist sein erstes Ölgemälde. J.M.W. Turner, Fishermen at Sea, 1796 / Tate Britain, London

6 Räume – 80 Werke

Die Kuratorin Dr. Judith Claus führt die Besucher von Raum zu Raum, von Zeit zu Zeit, aber eben auch von Thema zu Thema. 

Luzern, wo die Bilder unter „Turner. Das Meer und die Alpen“ bis 13. Oktober 2019 ausgestellt waren, hatte die Schweiz zum Schwerpunkt gemacht. 

In Münster liegt der Focus auf „Horror and Delight“ – dem Schrecklich-Schönen. Die Aquarelle wurden um Venedig erweitert, die Gemälde aus der Schweiz etwas reduziert. Auch die beiden Ölgemälde von Venedig (die ich persönlich als Highlights erachte) sind erst in Münster dazu gekommen. So wie rund 30 Gemälde von Vorbildern und Zeitgenossen Turners.

Landschaftsmalerei

Er wollte die Natur mit eigenen Augen sehen, ihre Kraft einfangen und obwohl all seine Werke im Atelier anhand von Skizzen und Erinnerungen entstanden, gelingt ihm dies wie kaum einem anderen Maler. 

Landschaftsmalerei galt zu Zeiten Turners als die niederste Form der Kunst. Historien waren angesagt, Porträts beliebt. Landschaft war nur Hintergrund, maximal Bühne. Sein Bestreben, eine Professur für Landschaftsmalerei zu erhalten, blieb ein Traum. 

J.M.W. Turner Southern Landscape with an Aqueduct and Waterfall um 1828 / Tate Britain, London

William Turner war fleißig, geschäftstüchtig und erfolgreich. Er malte an mehreren Staffeleien zugleich, arbeitete an einigen Gemälden über Jahrzehnte und all die, die ein „um“ bei der Jahreszahl führen, gelten als „nicht fertig“. Was und wie er an diesen weiter arbeiten wollte, bleibt ein Geheimnis.

Der andere Turner

Nicht das einzige Geheimnis! William Turner hat nicht nur rund 1600 Gemälde, 20.000 Aquarelle und 280 Skizzenbücher mit Landschaften hinterlassen – da war noch viel mehr. Der Kunstkritiker John Ruskin soll die in Turners Nachlass gefundenen erotischen Skizzenbücher verbrannt haben. Ab und an taucht mal etwas von diesem anderen Turner auf – siehe dpa – allerdings nicht hier in der Ausstellung.

Joseph Mallord William Turner

1775 als Sohn eines Barbiers und Perückenmachers in London geboren und von diesem gefördert, beginnt er mit 14 seine Ausbildung an der Royal Academy School of Arts. 1796 präsentiert er sein erstes Ölgemälde „Fishermen at Sea“und übernimmt 1808 die Professur für Perspektive. Er reist im Sommer und Herbst, malt im Winter, stellt im Frühjahr aus und reist ab Mai, Juni weiter. William Turner stirbt als wohlhabender und anerkannter Künstler 1851.

Falls ihr die Gelegenheit habt – geht hin!

Perfekterweise mit Führung, sonst wenigstens mit Audioguide. Es sind nicht nur Turnerbilder zu sehen, sondern auch Gemälde, die Turner begeistert und beeinflusst haben, unter anderem von Caspar Wolf, Richard Wilson, John Constable und John Martin.

William Turners Interpretationen derselben Situation zeigt sein Können und erklärt, warum er als „Wegbereiter der Moderne“ gilt. Er reduziert die Details und schafft Lebendigkeit allein durch Farbe und die Dynamik, in der er sie aufträgt.

Er malt weniger, was er sieht – obwohl er das nach eigenen Aussagen wollte – sondern vielmehr was er fühlt. Und damit gelingt es ihm, uns zu zeigen, was er sah 😉

Turnerausstellung

8. November 2019 – 26. Januar 2020 im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster in Kooperation mit der Tate in London.

Wer keine Gelegenheit hat, sich die Ausstellung anzusehen, kann die wirklich gelungene Digitaltour anschauen. Um dann einzusehen, dass sich eine Reise nach Münster doch lohnt 😉

Oder ihr folgt den Werken nach Nashville und Quebec…

 

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