Variationen von Ziegen – auf der Belalp

Unabhängig, neugierig und frech – lebendige Ziegen verschiedener Rassen – statt Käse und Fleisch auf dem Teller – das ist doch wirklich eine ausgezeichnete Alternative von „Ziegen-Variationen“ 😉 

350 Ziegen verteilen sich in den Sommermonaten auf der Belalp und haben Gelände und Besucher absolut im Griff. Ganz gleich, um welche Ecke man biegt – sie sind schon da. 

Appenzeller + Saanenziege – nette Kombination

Appenzeller /Saaner Ziegen auf der Belalp

Hier kommt sozusagen zusammen, was zusammen gehört. Denn die Unterscheidung von Appenzellern und Saanenziegen wurde erst im Verlauf des letzten Jahrhunderts vorgenommen. Davor waren diese Ziegen von Braun bis Weiß, kurzhaarig, langhaarig, mit und ohne Hörner. Da die Besitzer vor allem die weißen Ziegen schön fanden (und in den Bergen auch aus der Ferne gut ausmachen konnten), sind beide Rassen jetzt weiß. 

Die Appenzeller haben ein mittellanges bis langes Fell und es werden in der Zucht keine Hörner angestrebt, die Saanen sind kurzhaarig und auch meist unbehörnt. 

Auch wegen der Hörner dachte ich zunächst, ich hätte hier die seltenen Capra Sempione (weil ihr Fell so schön schwingt, wie bei den Walliser Schwarzhalsziegen) entdeckt. 

Capra Sempione sömmern auch auf der Belalp, allerdings weiter oben am Berg – Hohbiel, Hohstock, Sparrhorn – wie mir deren Besitzer auf Nachfrage bestätigen. Dort sind sie mit ihren Cousinen, den Schwarzhalsziegen unterwegs 😉

Saanenziege

Saanerziegen auf der Belalp

Die weißen, kurzhaarigen Saanenziegen sind die am meisten verbreitetsten Ziegen der Schweiz und weltweit wegen ihrer Milchleistung beliebt. Ursprünglich stammen sie aus dem Saanental im Süden von Bern. 

Saanenziegen gelten als Stammrasse aller heutigen Hochleistungsmilchziegen und führen den Titel „Erfolgreichste Ziege der Welt“. 

Gemsfarbenen Gebirgsziegen

Gemsfarbene Gebirgsziegen auf der Belalp

Sie sind nicht so auffällig, wie die langhaarigen weißen.. oder ich habe einfach einen lauen Tag erwischt. Die gemsfarbigen Gebirgsziegen sind mit der Pfauenziege verwandt, robust, genügsam und den weißen Kolleginnen anscheinend immer eine Nasenlänge voraus 😉

Ziegen auf der Belalp

Also jedenfalls auf dem Heimweg am Abend. Die Ziegen bilden kleine Gruppen und haben einen festen Turnus am Tag, jedoch keinen Stall oder menschliche Aufsicht. 

Pfauen- oder PfavenziegenPfauen- oder Pfavenziegen auf der Belalp

„Pfaven“ ist das rätoromanische Wort für „Flecken“ und soll sich auf den Strich vom Horn über das Auge zur Nase beziehen. Durch einen Schreibfehler soll aus Pfaven ein Pfauen geworden sein. Da dies in den Augen der Züchter die Schönheit dieser Tiere eher beschreibt, hat sich Pfauenziege wohl durchgesetzt.

Ursprünglich stammen die Ziegen aus Graubünden und dem Tessin und sind mit der Graubündner Strahlenziege verwandt. Sie galten lange als Farbvariante dieser Rasse, die viel dunkler ist und ihren Namen von dem hellen „Strahl“ im Gesicht haben.

Sömmern

Von Mitte Juni bis Mitte September ist Sommer auf der Alp. Und wer „Natischerin oder Natischer“ ist – also der Burgerschaft Naters angehört, darf seine weiblichen, gesunden Tiere über diesen Zeitraum auf die Alp geben. Die BurgerInnen haben Vorrang, jedoch können bei einer Unterbesetzung auch andere Tierhalter ihre Tiere den Sommer über hier oben grasen lassen. 

Nach dem gleichen Prinzip werden auch 100 Eringer-Rinder, 20 Schottische Hochlandrinder, 1100 Schafe gesömmert. 

Ziegen Belalp

Die Ziegen haben (wie alle anderen Tiere) freien Weidegang auf der Belalp. Sie sammeln sich gern um die kleine Kapelle und treiben Schabernack mit den Touristen. 

Häufig umzingeln sie den sogenannten „Tempel“, eine kleine neugotische Kapelle am Aletschbord. Diese wurde 1883/84 vom Hotelier des Belalp, Gervas Klingele, erbaut.

Kapelle auf der Belalp
2008 hat die Burgerschaft Naters die Trockenmauer vor der Kapelle instand gesetzt

Die Kapelle „Lüsga“ war zunächst nur für evangelische Gottesdienste bestimmt, seit 1941 werden auch katholische Messen gefeiert. Ein perfekter Ort für eine Hochzeit.

Die Belalp

Wenn die Tagesausflügler Richtung Tal ziehen, wird es eigentlich erst richtig schön hier. Dann hat man die Berge und den Gletscher (fast) ganz für sich allein. Auf 2137 Metern Höhe steht seit 1858 das Hotel Belap, ein imposantes Gebäude im Stil der Belle Epoque. 

Es war die Burgerschaft Naters, die das Traditionshotel auf der Belalp 1993 vor der Schliessung bewahrte und standortgerecht sanierte.

Hotel Belalp

Der Ausblick vom schicken Glas-Restaurant-Kubus reicht seit 2011 vom Grossen Aletschgletscher bis zum Matterhorn. Restaurant Belalp

Weitere Geschichten aus der Schweiz und dem Wallis:

Ich danke Regula Zellweger von Alt-werden-kann-ich-später*, die mich in die Schweiz gelockt und alles hier so liebevoll und wunderbar organisiert hat.

Rebecca Schmid (Projektleiterin von UNESCO-Welterbe Swiss Alps) danke ich für die unendliche Geduld – bis alle Fotos gemacht und alle Fragen gestellt sind, gerät die Zeitplanung leider immer in Verzug. Auch Aline Schmutz musste das lernen und hat keine Miene verzogen. Danke euch.

Mit Alessandra Lochmatter und Damian Sies erlebte ich eine unvergessliche Bergtour durch Ziegen, Kühe, Sauerampfer, Kaulquappen und Alpenblüten. Danke dafür und auch die Tipps und Hilfe danach.

Mit Walliser Sagen und Geschichten brachte Zita Andenmatten einen wunderbaren Abend auf der Belalp zu einem gelungenen Abschluss. Den perfekten Rahmen bot das Restaurant des Hotels Belalp* mit ungebremstem Blick auf den Gletscher. Danke auch unseren Gastgebern Marketa & Christian Meier.

Meine Reise wurde von World Heritage Experience Switzerland* unterstützt. Danke dafür – es war großartig!

*Werbung

Dieser Beitrag enthält Links zu Produzenten und persönliche Empfehlungen von mir. Ich bin dafür weder bezahlt noch beauftragt worden, doch da ich euch Dinge ans Herz legen möchte, kennzeichne ich diese als Werbung.

2 Antworten auf „Variationen von Ziegen – auf der Belalp“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.