Es gab sie schon von Anfang an – die wilden Ecken und eine hohe Artenvielfalt in unserem Garten. Aber mit dem richtigen Blick darauf, erhöhen wir diese Eigenschaften nach und nach und die Anzahl an Schmetterlingen, Bienen, Hummeln und allen möglichen Insekten steigt.
Ich freue mich über jede einzelne neue Wildpflanze, die den Weg zu uns findet. Wobei ich nicht verstehe, warum die Neuankömmlinge so gerne in den Wegbereichen wachsen – das führt zu Diskussionen mit dem Mann, der da ja Wege durchs hohe Gras mähen soll und nicht gerne Schlangenlinien anlegt.
Wiesen-Bocksbart
Die Blüte erinnert mich an Haferwurzel. Junger Wiesen-Bocksbart ist ein gutes Wildgemüse. Ich bin tatsächlich verwundert, was man alles essen kann. Meine erste Berührung mit essbaren Wildpflanzen war ein Kochbuch meiner Mutter: Eve Marie Helm Feld-Wald-und-Wiesen-Kochbuch.
Dass es nicht nur antiquarisch noch zu kaufen gibt. Kleiner Tipp 😉
Eve Marie Helm hat in den 1970er Jahren altes Wissen zusammengetragen. Ab der 9. Ausgabe ist das Buch übrigens mit einem Verlagshinweis versehen, dass die Rezepte für Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen, jetzt nicht mehr Teil des Buches seien. 
Daran dürfen sich Internet (und die KI) mal ein Beispiel nehmen. Da wird so viel gepflegtes Halbwissen herausgehauen und immer wiedergekäut. Erschreckend.
Allerlei Schafgarbe

Die Schafgarbe ist nicht neu in unserem Garten – aber sie breitet sich immer weiter aus. In ganz verschiedenen Farbtönen, von weiß über gelb und rosa bis dunkelrosa. Ohne, dass ich da viel machen muss (na ja – alle, die Wege mähen, anmeckern und umleiten).
Schafe fressen zwar die zarten Blätter, die eher festen Stiele und Blüten aber verschonen sie. Diese bleiben dann in der abgegrasten Wiese stehen. Helm empfiehlt den bitteren Tee aus getrockneten Blättern und Blüten, gegen Magen-Darm-Beschwerden, aber auch gegen Lungen- und Nierenleiden.
Wald-Ziest
Wald-Ziest sieht für mich irgendwie nach einer sparsamen Taubnessel aus. Es blüht nicht der ganze Blütenbereich, sondern immer nur Teile davon. Durch dieses langsame Wechseln, allerdings wirklich ausdauernd – gefühlt den ganzen Sommer lang.
Er hat inzwischen das ganze Beet im alten Nutzgarten eingenommen. Ergänzt von einem riesigen Salbei, mehreren Minzsorten, Sauerampfer und im frühen Frühjahr ganz viel Vergissmeinnicht.
Zwiebel- und Lauchblüten

Das sind keine Wildblumen, aber wir lassen sie mehrere Jahre stehen, weil die Insekten sie feiern. Sie schmücken den Garten über einen langen Zeitraum und wenn wir Zwiebeln wollen, kaufen wir sie.
Eine einzelne Nachtkerze – noch
Den Zauber der Nachtkerze habe ich wahrscheinlich erst im Garten von Meli für mich erkannt. Seither habe ich schon immer mal wieder Samen mit heimgebracht, teils vorgezogen, aber auch einfach nur irgendwo hingeworfen. Und nun ist doch tatsächlich eine aufgegangen. Genau vor meinem morgendlichen Kaffee-Buch-Strick-Sitzplatz. Also perfekt.
Denn die Blüten öffnen sich und ihren Duft in der Nacht und bleiben dann bis zum Vormittag offen. Und ich bin erstaunt, dass die Pflanze immer wieder nachlegt. Erst als der Frost kommt, öffnen sich die Samenstände und das Blühen stoppt. Davon hätte ich bitte nächstes Jahr mehr.

Schmalblättriges Weidenröschen
Die heimischen Weidenröschen unterscheiden sich alle ein wenig voneinander: das Zottige, das Vierkantige, das Kleinblütige und das Schmalblättrige. Tatsächlich habe ich alle Varianten im Garten, aber besonders das Schmalblättrige zieht die Aufmerksamkeit durch seine langen Blütentrauben und den flächigen Staudenwuchs auf sich.
Verblüht sind die Samenstände mit feinen weißen Haaren verbunden und fliegen bis zu 10 Kilometer weit. Weidenröschen gehören zu den Nachtkerzengewächsen.
Hier meine kleine Wunschliste:
Schlangen-Wiesenknöterich
Natürlich haben wir in unserem Naturgarten auch Schlangen. Aber das ist nicht der Grund, warum ich diese rosa-puscheligen Blüten gerne näher hätte: Ich finde sie einfach schön. Sie machen gute Laune 😉
Wegwarte
Ganz nach dem Hochzeitsbrauch: etwas Neues, etwas Altes, … brauche ich im Garten tatsächlich noch etwas Blaues. Die Vergissmeinnicht zählen nicht. Die sind im Sommer längst verblüht. Und ich mag diese klaren Blüten der Wegwarte, die ja auch noch mehrjährig ist. Top-Eigenschaft, finde ich. Und ihre Verwandtschaft kann sich ja auch sehen lassen.
Wilde Möhre
Was für eine faszinierende Pflanze. Ich bin unschlüssig, welches Blütenstadium mich am meisten begeistert: die ganz junge, weiße Blüte mit dunklem, häufig rotem Mittelpunkt oder die zur Muschel eingerollte Herbstvariante. Beziehungsweise der Weg von einem zum anderen.
Zum Glück wächst die Wilde Möhre auf den Feldern vor dem Wald. Und da finden sich auch ganz andere Wunschobjekte für unseren Garten.
Orangerotes Habichtskraut
Das habe ich sonst tatsächlich noch nie irgendwo gesehen und freue mich, wenn ich eins entdecke. So ein kleiner oranger Farbklecks in der Wiese.
Rainfarn

Ich kenne die Stellen im Wald, in denen der Rainfarn jedes Jahr wächst. Ich weiß, wo er wann blüht. Aber im Garten hat er sich nicht angesiedelt (nein – ich grabe keine Pflanzen aus, sondern hole Samen aus verblühten Ständen).
Der Duft des Rainfarns hat es in sich: Thujon, das ätherische Öl, ist giftig. So sollen Aufgüsse aus getrockneten Blättern gegen Blattläuse helfen (die lasse ich allerdings meist von der nächsten kommenden Horde Marienkäfer oder anderer kleiner Helferlein entfernen). Ob sie getrocknete Motten abhalten, habe ich auch noch nicht ausprobiert. Ich gehöre der Lavendelfraktion an. Und habe ja auch keinen griffbereit.
Echtes Labkraut
Wer den Duft von echtem Labkraut schon mal gerochen hat, versteht mich sicher: honigsüß und intensiv. Faszinierend ist die Möglichkeit, damit Lab für die Käseproduktion zu ersetzen. Allerdings behelfe ich mir bei Paner eher mit Zitronensaft. Aber wer weiß – vielleicht, wenn ich es griffbereit im Garten hätte.
Mohn
Tatsächlich würde ich mich über diesen zarten, roten Mohn freuen. Nicht diese Gartenvariante, die zwar sehr imposant und groß ist. Aber ich finde diesen wilden oder auch den Islandmohn schöner.
Meine Quellen
Mir fehlen noch Bücher über Wildbienen. Schmetterlinge und Pflanzen, Kräuter kann ich relativ gut abdecken. Ein Auszug
- Schmetterlinge – Settele, Steiner, Reinhardt, Feldmann, Hermann, Musche, Kühn, Brehm – bei Ulmer
- Was blüht denn da? Das Original + Der Fotoband – M. Spohn, Aichele, Golte-Bechtle, R. Spohn + M. Spohn – von Kosmos
- Feld-Wald-und-Wiesen-Kochbuch – Helm – Heyne
- Pflanzengeheimnisse aus alter Zeit – Scherf – blv
- Hildegard von Bingen – Ritter – NIKOL
- Wo die wilden Pflanzen wohnen – Weber – oekom
Und traue ihnen deutlich mehr, als dem Internet. Wobei es dort durchaus fundiertes Wissen -und wunderbare Anregungen gibt:
















