Mähfreier Mai – macht mit!

Wer heuer Trendsetter sein will, hat es leicht: einfach den Garten mal Garten sein lassen. Der Mai (zumindest) sollte „mähfrei“ sein. Davor ist Mähen ja hoffentlich eh kein Thema … her mit Gartenstuhl und Kaltgetränke, hinsetzen und einfach mal zuschauen, was im Garten geschieht.

Wieso „Mähfrei“?

Genau wie die Erkenntnis, dass Schottergärten Gärten des Grauens sind, sollte sich die Idee vom englischen Rasen endlich überholt haben. Wer braucht schon einen Golfplatz ohne Caddy und Löcher, wenn er Blumen, Bienen und Schmetterlinge haben kann? Dafür, dass man nichts tut.

Die immer heißeren Sommer verbrennen die kurzgemähten Rasenflächen schneller als man schaut (und auch die Rasensprengerfraktion stirbt hoffentlich bald mal aus). Bei höherem Gras verdunstet viel weniger Wasser am beschatteten Boden und der Tau sammelt sich zusätzlich über Nacht in den Halmen und kühlt durch Verdunstung tagsüber.

Blühende Pflanzen sind ganzjährig eine wichtige Nahrungsquelle für Wildbienen, Schmetterlinge und allerlei andere Insekten. Nektar- und pollenhaltige Wildkräuter vertragen außerdem keinen häufigen Schnitt. Der Rotklee, der von April bis Oktober immer wieder neue Blüten ansetzt, bindet zusätzlich Stickstoff im Boden, gibt diesen für andere Pflanzen frei und verbessert die Bodenstruktur.

Der Storchenschnabel und die Butterblumen blühen mehrmals

Der höhere Rasen dient als Schutz für allerlei Tiere wie Igel, Kröten, Insekten, Schlangen, Eidechsen. Auch unsere Hühner verstecken sich bei Gefahr unter Büschen und im hohen Gras.

Unsere Hühner lieben Pusteblumen!

Im Winter bieten trockene Gräser, Stiele, Totholz und Blätterhaufen allerlei Insekten und Kleinsäugern Schutz vor der Kälte und ein Quartier. Beeren, Hagebutten und Nüsse helfen gegen Hunger.

Der Schönheit des Gartens tut es keinen Abbruch, die alten Blütenstände stehen zu lassen.

Erfahrungen 2022, 2023

Schackypark
Vor dem Mähen im Schackypark

Inspiriert vom Schackypark, (in dem wir als Gründungsmitglieder viele Jahre ehrenamtlich engagiert waren) haben wir in unserem Garten von Beginn auf weniger Mähen gesetzt. Wir halten nur die Laufwege frei und ein, zweimal im Jahr, wird mit einem Balkenmäher gearbeitet. Und Sensen. Also ziehen wir mähfrei auch in anderen Monaten konsequent durch.

Die trockenen Sommer 2022 und 2023 waren unsere ersten hier. Bei den Nachbarn war alles vertrocknet und braun. Ohne Leben.

Die Spitzen des Grases sahen im Juni 2022 auch bei uns trocken aus. Aber darunter war es feucht und grün. Und es summte, zirpte und brummte Tag und Nacht.

Im Juli haben wir dann 2022 und 2023 gemäht. Immer in Teilstücken und die Mahd blieb ein, zwei Tage zum Aussamen liegen. Es darf wachsen, was da ist. Nur bei den Brennnesseln haben wir ein wenig eingedämmt. Auf 3500 Quadratmetern braucht es keine 2500 mit Brennnesseln. Die haben bei uns wirklich immer noch genug Platz, aber mehr am Rand.

Im Juli 2022 nach dem Mähen – also teilweise … hinten muss noch
Was aktuell richtig blühte, wurde natürlich verschont.

2024 ist (fast) alles anders – aber mähfrei

Es regnet gefühlt täglich und der Garten ist so grün, wie noch nie. Weil alles viel früher ist und das Gras wirklich schon hochsteht (bzw. leider auch schon an manchen Stellen vom Regen auf den Boden gedrückt wird) mähen wir Ende Juni. Ganz wichtig: das Gras darf nicht liegen bleiben. Das würde für zusätzliche Nährstoffe, mehr Gras und weniger Blumen sorgen. Aber da wir (noch) keine Gras-/Heu fressenden Tiere haben, wird nur ein Teil des Schnittes in der Scheune getrocknet (für die Nester und wozu frau es noch braucht) und den Rest kompostieren wir.

Die Mahd, die bei den Wegen anfällt, mulcht unsere Beete. 2024 nicht wirklich, denn das würde die übermächtige Schneckenfraktion weiter anlocken. Aber in den Jahren davor, hat es gut funktioniert, den Boden nicht offen Sonne und Wind auszuliefern.

Gartenlose Möglichkeiten

Wer keinen Garten hat, kann sich dennoch einbringen: 2019 habe ich die Aktion #saatanne initiiert und war sehr glücklich, wie weit einige der Teilnehmerinnen mit ihren Pflänzchen gekommen sind. Denn für mehr Artenvielfalt reichen auch Blumentöpfe und Wegränder. Ganz gleich, wo du weniger beschneidest, kürzt oder verhinderst: lass die Dinge einfach mal wachsen und erfreue dich an ihnen.

Jonas Frei – der mit dem Buch über die Walnuss – hat sich den Pflanzen und Pflänzchen in der Stadt gewidmet. Sein Buch über Stadtwildpflanzen zeigt, wie wenig es braucht, um mehr zu erreichen.

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