Natur ist alles, was uns umgibt. Wir Menschen sind ein Teil davon, das sollten wir uns immer wieder bewusst machen. Mein Mann und ich fühlen uns inzwischen ziemlich sicher in der Einschätzung unserer Möglichkeiten hier in Thüringen und wissen, was und wo wir Lücken in unserem Garten haben, etwas verändern wollen oder es laufen lassen (können).
Wasserstellen
Es geht mal wieder um die Erhöhung der Artenvielfalt. Diesmal durch zwei kleine Wasserflächen im Garten, denn die Itz hatte tatsächlich diesen Sommer über Wasser, das ist aber das erste Mal. Auch die Nachbarn bestätigen, dass da im Sommer nichts gluckert und plätschert. So stehen seit Anbeginn im ganzen Garten Schalen und Schüsseln, die für alle ein Schlückchen bereit halten.
Diese beiden Teichbecken haben wir im Keller gefunden – die Vorbesitzer hatten wahrscheinlich andere, schickere Ideen damit. Für uns kommt es darauf an, noch mehr Insekten anzuziehen und den Tieren weitere Trinkstellen zu bieten.
Der recht ebene Platz am Steinhügel soll ein eigenes Mikroklima entwickeln. Die Sonne Hang und Wasser erwärmen. Mal schauen, ob es klappt.
Auf jeden Fall sind, wie in unseren Regentonnen, überall Stöcke und große Rindenstücke im Wasser, damit sich möglichst jedes Tier allein wieder rausziehen kann. Entspricht wahrscheinlich mal wieder nicht dem Garten-Schönheits-Ideal. Aber das ist egal.

Wir haben ein schlechtes Gewissen, weil unsere Hühner nicht wirklich pro-biodivers agieren (sondern eher alles fressen, was sie finden). Das sollen die neuen Wasserflächen auch etwas abmildern … es ist nicht so leicht, es allen Lebewesen gleichermaßen recht zu machen. Die Kater und Hühner sind echte Familienmitglieder und als solche dürfen auch sie im Garten mitgestalten.
Mähvarianten
Wie immer, wenn man keine Ahnung hat, entwickelt man zunächst Theorien, wie etwas funktionieren kann. In diesem Fall: wie wir den Rasenwuchs in den Griff bekommen. Dieses Jahr war so nass wie bisher noch nie und alles wuchert. Alle (männlichen) Freunde denken bei unserer Fläche irgendwie sogleich an einen Aufsitzrasenmäher. Den haben wir allerdings sofort ausgeschlossen, weil der Boden viel zu uneben ist und wir ja keinen Golfplatz anstreben.
Für die Wege, die wir mähen, nehmen wir die Sense und falls eine Gartenparty mit Gästen geplant ist, auch ausnahmsweise mal den Rasenmäher. „Spießerwege“ schimpft mein Mann – aber da hier wirklich kein gerader Boden ist, haben sie sich gut bewährt. Kein beschädigter Fuß und kein Sturz. Weder Tags noch Nachts.
Die Flächen werden – je nach Lage – ein bis zweimal jährlich gemäht. Das reicht.
In die unterschiedlichen Varianten der Mähwerke haben wir uns eingelesen und nun im dritten Sommer weiter mit geliehenen Balkenmähern getestet. So muss nicht noch ein Gerät rumstehen. Allerdings ist es gar nicht so einfach, welche zu mieten, zweitens sind Preis und Qualität sehr unterschiedliche, aber vor allem passt es oft mir der Zeit nicht. Wenn das Wetter stimmt und wir Zeit haben, gibt es keinen (weil da alle mähen wollen). Daher schlagen wir dann doch bei einer Kleinanzeige zu und sind nun ganz happy mit dem eigenen kleinen Balkenmäher.
Die Hühner feiern das Mähen übrigens – was sich da dann alles finden lässt. Doch keine Angst – die Wiesenfläche ist so groß, dass die kleine Schar nur punktuell schmaust. Wir lassen das Heu ein bis zwei Tage – je nach Wetter – liegen und aussamen. Danach kommt es auf einen großen Haufen – da braucht es noch eine andere Lösung. Aber kommt Zeit, kommt Idee.
Ernteglück
Endlich ergänzen einige Hochbeete und Wassertonnen unseren Nutzgarten und die Töpfe (und ja – auch hier stressen die zwei und vierbeinigen Familienmitglieder immer mal wieder) und es gibt tatsächlich mal ein wenig zu ernten. Der Weg bis zur Selbstversorgung – auch das lernen wir – ist ein steiniger.

Im Ort sind wir inzwischen so ein wenig verschrien als „Die-können-wirklich-alles-brauchen“. So landen in unserem Garten die Birkenschösslinge aus der Osterzeit als Rankhilfen für Tomaten und Co. Wenn das Buchenlaub an der Itzquelle in Gemeinschaftsarbeit zusammengebracht wird, das Laub unter der Linde weggeholt oder auch diese beschnitten wird – bei uns findet alles einen Platz und eine Aufgabe – Im Hochbeet, als Mulch, als Hühnereinstreu oder Zaun.

Vor allem, wenn mir nicht auszutreiben ist, alles selbst vorzuziehen und etliche Sorten zu testen. Da ich ja eigentlich die Idee habe, dass wir mal die für uns wirklich passenden finde … doch da gerade auch die Beschriftung immer mal wieder verloren geht (weil der Regen sie abwäscht, die Hühner sie wegscharren oder wir sie nicht mehr entziffern können), ist auch hier der Weg noch weit.
Insgesamt war es allerdings kein so ertragreiches Jahr, wenn man mal schaut, was wir so alles vorgezogen haben. Aber in diesem Jahr haben die Schnecken einen großen Teil aufgemümmelt, dann war es zu nass, dann zu kalt. Irgendwas ist halt immer. Zum Glück sind wir nicht darauf angewiesen.
Wir bleiben auf jeden Fall am Ball.
Winterpause
Und auch das gehört natürlich dazu: Kälte, Schnee und Ruhe. Wobei man deutlich sieht, dass wir vor dem Winter nicht mähen und zurückschneiden, alles abernten und aufräumen (danach auch nur sehr reduziert).
Es gehört inzwischen zum Gartenvergnügen dazu, im kommenden Frühjahr zu schauen, wer überlebt hat oder wo welche Ableger kommen. Der Blick in unsere Hochbeete schreckt ordentliche Gärtner (und meine Schwiegermutter) regelrecht ab. Doch wir genießen dieses Überraschungspaket und haben in manchen Bereichen einen kleinen Vorsprung durch unbeabsichtigtes Überwintern.












